Nobi

von Ludwig Renn

10" LITERA 7 60 034
Covertext:
Fern in Afrika, mitten im Urwald, lebt der kleine Nobi. Er spielt und rauft mit den anderen Jungen, wie es die Kinder, überall in der Welt tun, und keiner im Dorf findet etwas besonderes an ihm, bis er eines Tages eine schwarze Otter mit nach Hause bringt. Sie gehört zu den giftigsten aller Schlangen, und die Menschen im Urwald fürchten sie. Aber seltsam, den kleinen Nobi beißt sie nicht. Er zähmt sie wie ein Hündchen, trägt sie um den Hals und nennt sie Gingu, seine beste Freundin, Da beginnen sich die Erwachsenen ihre Gedanken zu machen: Sollte Nobi ein Auserwählter sein? Ein Zauberer? Denn wer schließt schon Freundschaft mit den wilden Tieren, in denen mächtige Geister wohnen vor denen man sich in acht nehmen muß! Nobi kennt keine Furcht. Er liebt die Tiere, ist freundlich zu ihnen, und weil sie merken, daß er ihnen kein Leid antut, danken sie es ihm mit Zutraulichkeit. Der Gorillavater und sein kleiner Sohn Makufa werden ebenso seine Spielgefährten wie das Flußpferd Pongu, das ihn auf seinem breiten Rücken durch das reißende Wasser trägt. Nun verlieren auch die Dorfbewohner ihre Scheu. Menschen und Tiere gewöhnen sich aneinander und leben friedlich zusammen. Aber eines Tages kommen Männer mit weißen Gesichtern und vergelten die Gastfreundschaft der schwarzen Menschen mit Schlägen und Raub. Gemeinsam mit seinen Tieren gelingt es Nobi, die Eindringlinge zu vertreiben. Doch die Freude ist kurz. Durch die Stille des Urwaldes dröhnen die Trommeln und erzählen von verbrannten Dörfern im fernen Grasland. Weiße Männer verschleppen Nobis Brüder als Sklaven über das große Meer, und der König der Afrikaner duldet es und läßt sich den Raub seiner Untertanen mit Feuerwasser bezahlen. Da nimmt Nobi Abschied von seinem Dorf und zieht mit den Tieren zum fernen Grasland, um seinen Brüdern zu helfen.

Die Geschichte des kleinen Nobi ist mehr als ein Abenteuer in einer uns unbekannten, exotischen Welt. Der Held verkörpert mit seiner Parteilichkeit für die Unterdrückten und seinem mutigen Kampf für ihre Freiheit einen vorbildlichen Menschen.

Ludwig Renn, der Autor dieser Erzählung, hat den Kampf gegen die Unfreiheit immer wieder in den Mittelpunkt seines literarischen Schaffens gestellt und gleichzeitig zum Inhalt seines eigenen Lebens gemacht.

Arnold Vieth von Golßenau – den Namen Ludwig Renn gab er sich später – wurde am 22. April 1889 in Dresden geboren. Sein Vater war längere Zeit Prinzenerzieher am königlich-sächsischen Hof und versuchte auch, seine Söhne Arnold Vieth und dessen älteren Bruder Viktor, in Bewunderung für das Militär zu erziehen, womit er bei den Kindern auf wenig Gegenliebe stieß. Der junge Vieth zeigte ein starkes Kunstinteresse, aber vor die Frage der Berufswahl gestellt, entschied er sich schließlich doch für die Offizierslaufbahn, die in seinen Kreisen als einzig standesgemäß galt. Er wurde Fahnenjunker im 1. Leib-Grenadierregiment. Sein offener Blick für die Umwelt ließ ihn bald erkennen, daß die „Standesehre“ der adligen Offizierskaste brüchig und ihre Lebensmoral verlogen und genußsüchtig war. Er fühlte sich immer mehr zu den einfachen Soldaten hingezogen, zu ihrer Geradheit und Natürlichkeit. Noch war er zu sehr in seinem Standesbewußtsein befangen, um sich gegen die Zustände im Offizierkorps aufzulehnen, aber schon befielen ihn Zweifel an der Richtigkeit seiner Ideale.

Der erste Weltkrieg brach aus. Der junge Offizier zog ins Feld. Im Stellungskrieg vor Chailly und in der Materialschlacht an der Somme wuchs seine Achtung und sein Verantwortungsgefühl für seine Untergebenen. Er sah ihre Erschöpfung, ihre Leiden in den Lazaretten; er wußte um ihre Sehnsucht nach Frieden. Aber davon stand nichts in den Regimentstagebüchern. Er selbst schreibt dazu: „Als ich diese Berichterstattung las, packte mich einfach die Wut. Ich versuchte wenigstens einen Teil der Wahrheit in den Bericht hineinzubringen. Schon das wurde mit Mißbilligung und Kopfschütteln aufgenommen. Damals setzte ich mir vor, einmal die Wahrheit über den Krieg zu schreiben.“ Nach dem Zusammenbruch begann für ihn eine Zeit des Suchens. Er war bereit, einen neuen Staat mit aufzubauen, aber er wußte nicht, wie er beschaffen sein sollte. Für kurze Zeit wurde er Offizier in der Sicherheitstruppe. Man schloß ihn aus, als er sich weigerte, bei einem Streik auf die Arbeiter zu schießen.

Arnold Vieth von Golßenau war damals 31 Jahre alt. Er begann Jura und Volkswirtschaft zu studieren. Dann kam die Inflation, Als Landarbeiter zog er durch Italien. Griechenland und die Türkei. In allen Ländern erlebte er, wie die einfachen Menschen entschlossen für ihre Rechte und für ihre Menschenwürde kämpften; wie sie gegen jene Mächte aufstanden, die die Welt in einen neuen Krieg stürzen wollten. Er bekannte sich zu ihnen und trat 1927 in die Kommunistische Partei Deutschlands ein. 1928 veröffentlichte er sein erstes Buch „Krieg“ und nannte sich nach der Hauptgestalt dieses Romans: Ludwig Renn. Als die Jahre der braunen Barbarei anbrachen, wurde er verhaftet, seine Bücher verboten und verbrannt. 1936 gelang ihm die Flucht in die Schweiz, und noch im gleichen Jahr stellte er sich an die Seite des um seine Freiheit kämpfenden spanischen Volkes. Ludwig Renn wurde Führer der Thälmann-Bataillone und Chef des Stabes der XI. Internationalen Brigade. Später lebte er in der Emigration in Mexiko. An der Universität Morelia lehrte er moderne europäische Geschichte und war Präsident der Bewegung „Freies Deutschland in Mexiko“. Noch einmal hielt er Abrechnung mit seiner Klasse in dem Roman „Adel im Untergang“. Als der Neunundfünfzigjährige in seine Heimat zurückkehren konnte, half er sofort mit beispielhaftem Elan am Aufbau unserer Republik. Er war Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Dresden, lehrte an der Technischen Hochschule und wurde Vorsitzender des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands in Sachsen. 1950 siedelte Ludwig Renn nach Berlin über, und neben seiner Tätigkeit in der Deutschen Akademie der Künste, im Deutschen Schriftstellerverband und an der Humboldt-Universitat, entstanden weitere literarische Arbeiten, für die er 1955 mit dem Nationalpreis ausgezeichnet wurde. Die jugendlichen Leser danken Ludwig Renn besonders für seine Bücher „Trini“, „Herniu und der blinde Asni“, „Auf den Trümmern des Kaiserreichs“ und „Nobi“.

B. W.
Nobi - als Kind: Peter Pischner
Nobi - 18-19 Jahre alt: Hans-Edgar Stecher
Dula - seine Mutter: Ursula Braun
Kassab - Zauberer: Heinz Scholz
Frau: Berti Deutsch
1. Mann: Willi Scholz
2. Mann: Siegfried Seibt
2. Frau: Elfriede Nee
3. Mann: Gerhard Murche
1. Neger: Joachim Hoyer
2. Neger: Fritz Mohr
3. Neger: Fred Ludwig
4. Neger: Rudolf Christoph
älterer Mann: Hans Ohloff
König: Walter Richter-Reinick
Zeremonienmeister: Walter Lendrich
weißer Mann: Wolf-Dieter Panse
Meister: Georg Helge
Erzähler: Walter Niklaus


nach dem gleichnamigen Buch von Ludwig Renn
für die Schallplatte bearbeitet von Barbara Winkler-Göhler

Musik: Herwart Höpfner
Instrumentalgruppe
Leitung: Herwart Höpfner

Regie: Fritz Göhler