20 Jahre Deutsche Demokratische Republik
Zeitgeschichtliche Dokumente
2-LP LITERA 8 60 164/165
Covertext:
Deutsche Männer und Frauen, deutsche Jugend!
Auf der Grundlage der vom III. Deutschen Volkskongreß bestätigten Verfassung ist in der deutschen Hauptstadt Berlin einmütig von allen Parteien und Massenorganisationen im Deutschen Volksrat die Deutsche Demokratische Republik geschaffen worden …“

So vernehmen wir die Stimme des Arbeiterführers Wilhelm Pieck – des Mitbegründers der Kommunistischen Partei Deutschlands – der erster Präsident unseres vor zwei Jahrzehnten gegründeten deutschen Staates der Arbeiter und Bauern wurde, in diesem Tondokument des historischen 7. Oktober 1949. Wir hören Otto Grotewohl, den unvergessenen ersten Ministerpräsidenten der Deutschen Demokratischen Republik, in seiner ersten Erklärung namens der von ihm geführten Regierung. Wir hören Walter Ulbricht – Erster Sekretär des ZK der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und Vorsitzender des Staatsrates der DDR seit seiner Gründung – im Schützengraben vor Stalingrad, vor Aktivisten der ersten Stunde, auf dem richtungweisenden VII. Parteitag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands … Wir hören Dr. Johannes Dieckmann und Otto Nuschke … Adolf Hennecke, den ersten der Aktivisten – und Freunde, die als gerngesehene Gäste Zeugen der Aufbauerfolge des aufblühenden Staates gewesen sind … schließlich Große der Kunst und Literatur wie Thomas Mann und Bertolt Brecht, wie Arnold Zweig und Johannes R. Becher, den Dichter, Staatsmann, den Schöpfer der Hymne, deren Verse die Schnittpunkte dieser Dokumentation bestimmen: Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt …“
Es sind zu Dokumenten gewordene Taten von Menschen, lebendige Zeugnisse zwanzigjähriger Geschichte. Nach dem Ursprung der Faszination, die vom Tondokument schlechthin und dem hier vorgelegten im besonderen ausgeht, befragt, wird uns unser Beteiligtsein an den dokumentierten Geschehnissen bewußt, hervorgerufen durch die einzigartige Überzeugungskraft der unbestreitbaren Authentizität, die durch die Atmosphäre solchen beweiskräftigen Faktenmaterials für jeden unterstrichen wird, der da Ohren hat, zu hören. Da ist die Spannung, die geschaffen wird, weil jedes solcher Dokumente dem Zuhörer die Unmittelbarkeit eines Erlebnisses aufs neue nahebringt, ihm das vermittelt, was man den Effekt des Dabeiseins nennt, dem eine starke emotionale Wirkung innewohnt. Der Arbeiterveteran spricht vom schweren Anfang; der Soldat der Sowjetarmee von der Notwendigkeit, den durch die Trümmer einer katastrophalen Hinterlassenschaft Irrenden Mut zum Neubeginn zu geben, in ihnen den Keim neuer Hoffnung zu pflanzen. Die hier zusammengetragenen Tondokumente erinnern uns an jene letzten Stunden der Hitlerherrschaft, als Berlin zur „Frontstadt“ und deutsches Land zu ,„verbrannter Erde“ gemacht wurde; sie vergegenwärtigen uns die ersten Monate des Aufbaus, die ersten Jahre unseres vor zwei Jahrzehnten geschaffenen Staates in Aufnahmen, die niemals überliefert worden wären ahne den Sachverstand, ohne den Fleiß, ohne den Spürsinn vieler unbekannter Helfer. Jeder, der darüber nachdenkt, wird die Schwierigkeiten erkennen, die sich für den Dokumentaristen aus der „Qual der Wahl“ ergeben: Bandmaterial über 20 Jahre Entwicklungsgeschichte unserer Republik war auszuwerten! Was sollte vorgeführt, was mußte, schweren Herzens, weggelassen werden? Ein Querschnitt sollte geschaffen werden; ein Streifzug, der einige der wichtigsten Marksteine unserer Entwicklung berührt. So will auch der Kommentar dort, wo die zur Schilderung von Zusammenhängen benötigte Fülle von Einzeldokumenten den Rahmen dieser Arbeit zu sprengen drohte, mit dem Mittel der Zusammenfassung Übersichtsmöglichkeiten schaffen. Daraus ergab sich jene Kombination von Tondokument, Faktenaufzählung und Kommentar, wie sie der Funkdokumentation eigen ist. So arbeiten wir auch hier mit dem bewährten Mittel der Konfrontation – nicht im Sinne von vereinfachender „Schwarz-Weiß-Malerei“, sondern im Sinne der dokumentarischen Gegenüberstellung von Vergangenheit und Gegenwart sowie der divergierenden Entwicklungen der Gesellschaftssysteme, die das Gesicht der beiden deutschen Staaten bestimmen. Auch die Gegner unserer Entwicklung, die uns seit der ersten Stunde unseres staatlichen Daseins mit wütendem Haß verfolgen – auch sie sind hier zu hören. So fügt sich Dokument an Dokument zu einem eindrucksvollen Panorama der Zeit. Lebendige zeitgeschichtliche Zeugnisse, die das Vergangene lebendig werden lassen, das Gegenwärtige als zukunftsträchtig ausweisen und die geschichtliche Bedeutung des 7. Oktober durch Fakten und Dokumente bewußt machen.
Der Zuhörer wird mit einem Entwicklungsprozeß konfrontiert, in den sich die Vielzahl der Persönlichkeiten, deren Stimmen hier zu hören sind, als wirkungsvolle Beweiskette fügt. Ein Zeitbild soll vermittelt werden, das als Schlüssel dienen kann zur Deutung eigener Erlebnisse. Die Authentizität der Dokumente bestimmt den Charakter dieser Arbeit; nicht die bei Spielhandlungen übliche und notwendige „Spannung auf den Ausgang“ ist es, die zum Zuhören zwingt, sondern die durch solch dokumentarischen Aufbau erzeugte „Spannung auf den Fortgang“. Die Ereignisse selbst sind es, die den Ablauf der Darstellung bestimmen. Wenn uns diese Aufzeichnungen von der zwanzigjährigen Geschichte unseres Staates zu Rück- und Ausblick anregen, dann werden wir erkennen: Wir sind die Gestalter der Geschichte, die hier dokumentiert ist!

„Seht! Großes wird vollbracht!
Das Volk schafft sich sein Leben.
Und war der Weg auch schwer,
ein Jubel sich erhebt.
Seit euch bewußt der Macht!
Die Macht ist euch gegeben,
daß ihr sie nie, nie mehr
aus euren Händen gebt!“

Johannes R. Becher

Wir danken dem Staatlichen Komitee für Rundfunk, insbesondere seinen Dokumentar-Archiven, für die Unterstützung bei der Erarbeitung vorliegender Dokumentation.
Sprecher: Ruth Peter, Hans Hildebrandt,
Hans-Dieter Lange, Rolf Rippenberger

Kommentare: Hans Jacobus

Manuskript und Dokumentation: Georg Dannenberg
Wissenschaftliche Beratung: Günter Benser
(Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED)

Regie: Werner Schurbaum
Produktionsleitung und Aufnahmedramaturgie: Joachim Herz