Das russische Wunder
Originalaufnahmen aus dem Film

von Annelie und Andrew Thorndike
2-LP LITERA 8 60 120/121
Covertext:
Das russische Wunder – Der Film dieses Namens wurde ein Welterfolg. Mehrfach preisgekrönt, in 16 Sprachen übersetzt, sahen ihn rund 150 Millionen Menschen.
Fachwelt und Publikum stimmten überein, daß die großartige Musik und die sprachliche Meisterschaft der Filmerzählung großen Anteil am Erfolg hätten.
Nun liegen Wort und Musik als Schallplatte vor. Was bereits als Bestandteil des Kunstwerks „Film“ faszinierte, erwies nun seinen eigenständigen Wert als bewegendes Melodram von künstlerischer Meisterschaft.


Diese Schallplatten berichten von den ersten Kapiteln einer Geschichte, die überschrieben sein könnte: Die Bahnbrecher, oder: die Schrittmacher, oder einfach: die Ersten. Es ist die Geschichte der Arbeiter und Bauern des Sowjetlandes und ihrer ruhmreichen Partei, der Partei der Bolschewiki – vom Großen Oktober 1917 bis in unsere Tage.
Platz der Revolution in Moskau. 7. November 1918 – erster Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Einweihung des ersten Denkmals in der Welt für Karl Marx und Friedrich Engels. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden. Die hier versammelt waren – hungernd und frierend, umgeben von einer Welt voller Feinde – hatten sich etwas Unerhörtes, noch nicht dagewesenes vorgenommen: Sie wollten einen sozialistischen Staat errichten – den ersten auf der Welt. „Uns hat die Geschichte die Rolle der Ersten zugewiesen“, sagte Lenin, „der Schrittmacher auf dem Weg der Menschheit in den Kommunismus!“ Ein Weg ins Unbekannte, ins Unerforschte. – Ihr einziger Besitz: Sie hatten die Staatsmacht in Händen! Wie sah das Land aus, in dem sie, die Ersten, die Ideen des Sozialismus verwirklichen wollten?
Dreihundert Jahre hatten die Zaren im Russischen Reich selbstherrlich geschaltet und gewaltet. Die russischen Arbeiter und Bauern übernahmen das Land so, wie es ihnen der letzte Zar, Nikolai Alexandrowitsch Romanow, hinterlassen hatte: ein Agrarland. Um 100 Jahre hinter den führenden Industrienationen zurückgeblieben. Zerrüttet durch den ersten Weltkrieg. Wie war es den Menschen unter der Herrschaft der Zaren ergangen? Den 65 Millionen armer Bauern beispielsweise, die zusammen nur ebensoviel Boden besaßen, wie die 30 000 Großgrundbesitzer? Warum hungerten die Bauern? Warum konnten 76 von 100 weder schreiben noch lesen, warum kam auf 10 000 Einwohner nur ein Arzt? Warum war das durchschnittliche Lebensalter nur 32 Jahre? Warum verödeten Tausende und Abertausende von Dörfern? Was erwartete die Menschen, wenn sie aus den Dörfern in die Industriezentren strömten, um nicht zu verhungern? Wie war das Schicksal der Arbeiter? Wieviel Stunden arbeiteten sie? Wieviel Urlaub hatten sie? Wie hoch war ihr Verdienst? Wie sahen ihre Wohnungen aus? Was hatte es mit dem Satz von Maxim Gorki auf sich: „Wie das geniale Gemälde einer finsteren Hölle sind mir die Erdölfelder im Gedächtnis geblieben“? Zum Joch der Fabrikherren kam das Joch des Polizeiknüppels, der Gouverneure und Gendarmen. Die Gefängnisse quollen über. Unvergeßlich ist, was im Jahre 1912 auf den Goldfeldern an der Lena in Ostsibirien geschah, als der Streik der Arbeiter der Lena-Goldfield-Corporation im Blut der Gepeinigten ertränkt wurde. Unvergeßlich ist, was die Unzähligen litten, die Jahr für Jahr in die Verbannung gingen. „Weißt du, Bruder, was das hieß, in die Verbannung gehen? Du gehst 30 Kilometer den Tag, bis du anlangst am Ziel, 8000 Kilometer von Petersburg entfernt. – Du siehst den Henker! Die Vorschrift sagt: „Wenn der Gefangene während der Auspeitschung stirbt, ist der Rest der Schläge dem Leichnam zu verabfolgen!“

„So war es bestellt um das Russische Reich: Unermeßlich groß, unermeßlich reich an Schätzen der Natur, bewohnt von 150 Millionen Menschen, war dieses Land unter dem Zaren um 100 Jahre hinter England, Frankreich und Amerika zurückgeblieben.“ Dieses Land mußte von Grund auf umgestaltet werden. Jahre des Friedens hatten die Bolschewiki nötig für ihre Pläne. Viele friedliche Jahre. Stattdessen wurde ihnen ein Kampf auf Leben und Tod von ihren Feinden im In- und Ausland bereitet: Die gutausgerüsteten Heere der imperialistischen Interventen und der weißgardistischen Konterrevolutionäre drangen von allen Seiten vor, stürmten gegen die letzten Bastionen der Revolution, bis nur noch ein Sechzehntel des Landes in der Hand der Bolschewiki verblieb. Was hatte die Partei der Bolschewiki, was hatte die russische Arbeiterklasse der ungeheuren materiellen Übermacht entgegenzusetzen? Würden sie siegen können, sie, denen es an Waffen, Kleidung, Ausrüstung, Offizieren und militärischer Ausbildung fehlte? Die Partei der Bolschewiki vertraute darauf, daß die Werktätigen Rußlands mit ihr sein würden. Und sie behielt recht. Aber wie kam es, daß die Liebe des Volkes, sein Vertrauen den Bolschewiki entgegenschlug? Daß hinter den Fronten der Feinde Partisanenarmeen entstanden? Wie kam es, daß der Todesgürtel der Interventen und Weißgardisten durchstoßen, daß der Feind aus dem Land gejagt werden konnte?

Drei Jahre hatten Intervention und Bürgerkrieg gedauert, unsägliche Opfer hatte der Kampf gekostet. Die letzten Grenzen der Zerrüttung waren erreicht; fünf, sieben, zehn Jahre würde man brauchen, nur um die Wunden zu schließen. Von ihrem Ziel, die sozialistische Gesellschaft zu errichten und die kapitalistischen Länder auch ökonomisch einzuholen und zu überholen, waren die Kommunisten Rußlands weiter entfernt denn je. Das war die Stunde Null. In dieser Stunde Null konnten nur die Arbeiter helfen! Und sie halfen, wie die folgenden drei Geschichten zeigen: Der Moskauer Eisenbahnschlosser Burakow und seine Genossen vom Moskauer Lokomotivdepot machten schon während der Offensive Koltschaks die erste unbezahlte Schicht, den ersten kommunistischen Sonnabend. Und verdoppelten die Arbeitsproduktivität …
Elf Jahre später, 1930, wurde jenseits des Ural der Grundstein für ein riesiges metallurgisches Kombinat gelegt. Vom Aufbau in Magnitogorsk, von den eisigen Sturmnächten in der Steppe, von der Kühnheit, dem Mut und der Hingabe der Menschen an ihr Werk berichtet diese zweite Geschichte …
Von der Befreiung des Menschen und seinem Tun in der sozialistischen Menschengemeinschaft erzählt das Leben der kasachischen Ärztin Professor Chaditscha Mursalijewa, die mit 14 Jahren an einen Fremden verheiratet werden sollte. Wie sehr hat sich das Leben, der Sinn des Lebens verändert seit den Tagen, als die Zaren herrschten.

Moskau. Roter Platz. Jahr für Jahr, in guten Tagen wie in schweren, ob es Sommer ist oder Winter – niemals endet der Menschenstrom, der zum Mausoleum Lenins zieht. Jeder in der Menge hat seine eigenen Gedanken, sein eigenes Schicksal. Aber jeder ist mit dem vor ihm und mit dem nach ihm in der Reihe durch ein unsichtbares Band verbunden. Es sind die Ideen des Marxismus-Leninismus, die sie verbinden. „Das russische Wunder – das ist die Idee des Kommunismus.“


Der sowjetische Filmregisseur Grigori Alexandrow in einem Beitrag für die „Prawda“, der überschrieben ist: „Ein großer Sieg der Filmkunst“:
„Dieser Film ist ein großer Sieg in der Geschichte der Filmkunst. Die Thorndikes haben eine ungewöhnlich neuartige, in ihrer Breite und Tiefe und in ihren Maßstäben gigantische Filmkomposition über die Taten des Volkes geschaffen. Das ist ein echter Volksfilm.“

Der ungarische Schriftsteller Lajos Mesterhazi in einer ausführlichen Würdigung, die er für die Zeitung „Nepszabadsag“ schrieb:
„Dieser Film könnte einigen jungen Regisseuren und Filmschaffenden eine Lehre sein, wie der Schritt zum Film der Wirklichkeit, zum Film der Wahrheit getan werden muß … Die Schöpfer verwenden die modernsten Mittel der Filmproduktion. In seiner Ganzheit ist der Film ein wunderbares Bekenntnis zum Menschen, zu seinem unendlichen Ruhm und seiner unendlichen Kraft. Er gibt ein Bekenntnis mit einer Reinheit, vor deren Größe, Wahrheit und Gültigkeit wir uns verneigen müssen.“

Das Mitglied des Weltfriedensrates, der englische Filmwissenschaftler Ivor Montagu:
„Im ,Russischen Wunder‘ haben Annelle und Andrew Thorndike und ihre wohlbekannte Gruppe von Dokumentarfilmleuten aus der Deutschen Demokratischen Republik einen der bemerkenswertesten Filme geschaffen, die je gemacht wurden … Sie zeigen nicht nur, was das russische Reich vor 1917 war und wie es in einen mächtigen, glücklichen, modernen Staat umgewandelt wurde, sondern sie stellen eine Frage: Wie geschah das? Wie ist es dazu gekommen? … Wir kamen aus dem Film, atemlos vielleicht, aber wir wußten, wir haben in der Tat ein Wunder gesehen, eines, das mit Händen gemacht ist, und wir waren voller Begeisterung.“

Kurt Karleweit, August-Bebel-Werk, Zwickau:
„Wenn sich heute Millionen Menschen in der Welt die Frage stellen ,Was ist Kommunismus‘ – dieser Film gibt ihnen Antwort darauf. Er ist spannender und mitreißender als mancher Spielfilm … er spricht gleichzeitig zu Herz und Verstand. Die Musik von Paul Dessau, des Schöpfers vieler Arbeiterlieder, erhöht und vertieft die Wirkung der Dokumentation.“

Wasif Adigesalow , Komponist in Baku:
„Man nennt ,Das russische Wunder‘ Filmpublizistik, aber ich denke, eine solche Definition ist unvollständig. Dieses Gemälde von ungewöhnlicher künstlerischer Kraft ist vergleichbar mit einer Sinfonie.“
Sprecher: Wolfgang Heinz, Horst Drinda, Fred Düren, Günter Grabbert, Walter Jupe, Lotte Loebinger, Walter Niklaus, Günter Simon

Buch, Regie: Annelie und Andrew Thorndike
Text: Günther Rücker, Annelie Thorndike

Musik: Paul Dessau, Reiner Bredemayer
Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig
Rundfunk-Chor Leipzig
u. a.

Aufnahme-Dramaturg: Werner Klein

Den Film „Das russische Wunder“ produzierte das DEFA-Studio für die Wochenschau und Dokumentarfilme Berlin