Nathan der Weise
Ein dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen

von Gotthold Ephraim Lessing

3-LP LITERA / ETERNA 8 60 009-011
Covertext:
In der sächsischen Stadt Kamenz wurde Lessing am 29. Januar 1729 als Sohn eines protestantischen Pastors geboren. Nach Besuch der Lateinschule in Kamenz absolvierte er die Fürstenschule in Meißen und begann 1746 nicht Theologie – wie seine Eltern es wünschten – sondern Medizin an der Universität Leipzig zu studieren. Leipzig, schon damals eine wichtige Handelsmetropole mit einem großzügigen Lebensstil, eröffnete dem jungen Lessing einen neuen Blick in eine vielseitige Fülle des bürgerlichen Lebens, die den sehr streng erzogenen Pastorensohn berauschte. Besonders dem Theater gehörte bald sein ganzes Interesse, meinte er doch, hier endlich eine Stätte zu finden, wo das Volk auf viele Fragen Antwort erhalten könne. Er wurde mit der Neuberin und ihrer Truppe bekannt, die dann auch im Januar 1748 sein Lustspiel „Der junge Gelehrte“ aufführte. Dann begannen Jahre eines unsteten Wanderlebens, in denen Lessing abwechselnd in Berlin, Wittenberg, Breslau und Hamburg weilte. Aber es gelang ihm trotz seiner glänzenden schriftstellerischen Leistungen nicht, endlich einen festen Platz zu finden, wo er sorgenfrei arbeiten und leben konnte. Unsäglich hat Lessing unter der Stickluft der deutschen Kleinstaaten gelitten. Er war der erste deutsche Schriftsteller, der von seinem Beruf leben wollte und sich niemals in irgendeine Abhängigkeit von Fürsten oder Mäzenen finden konnte. Heinrich Heine sagte von ihm: „Er war die lebendige Kritik seiner Zeit, und sein ganzes Leben war Polemik ... Vor dem Lessingschen Schwerte zitterten alle. Kein Kopf war vor ihm sicher.“ Unermüdlich versuchte er, für die deutsche Einheit mit der Waffe seiner Feder zu streiten. Er war gegen die Herrscher, die Deutschland in dreihundert Einzelstaaten zersplitterten und trat für die sozialen und nationalen Interessen seines Volkes ein. Wie sehr er den Egoismus und die despotische Willkür der Territorialherren haßte, beweist sein Stück „Emilia Galotti“, ganz im Sinne seines bürgerlichen Klassenbewußtseins geschrieben. Auch sein Stück „Minna von Barnhelm“ ist eine durchaus bürgerliche deutsche Komödie. Die Probleme dieses Stückes sind die der bürgerlichen Sittlichkeit, sind Verantwortungsgefühl, Unabhängigkeit und bürgerlicher Stolz. Er haßte den Söldnerdienst genauso wie jeden Beutekrieg. Immer wieder forderte er Freiheit für die Wahrheit und bekämpfte unerbittlich die Herrschaft der Lüge und des Vorurteils.

„Fruchtbar wurde er als Dichter aber doch nur, weil er den Sieg neuer Wahrheiten erkämpfen und in der bestehenden Welt etwas bewegen, etwas verändern wollte – ästhetisch, kulturell und sozial, was – wie er wohl sah – das Schwerste war,“ so hat es Heinrich Mann zum 150. Todestage Lessings ausgedrückt.

Große soziale Not zwang ihn, schließlich sich in den Dienst des Herzogs von Braunschweig zu begeben, wo er als Bibliothekar in Wolfenbüttel das letzte Jahrzehnt (1770–1781) seines Lebens unter schwierigsten Lebensumständen verbrachte. Er mußte dauernden Angriffen fanatischer Geistlicher auf sein Werk und Verboten durch die Feudalstaaten begegnen. Unter diesen Umständen schuf Lessing seinen „Nathan der Weise“, „einen Sohn seines eintretenden Alters, den die Polemik hat entbinden helfen“, wie er es ausdrückte.

Diese dramatische Parabel entstand aus den theologischen Kämpfen, die Lessing zu dieser Zeit gegen die orthodoxe Geistlichkeit führte. Als 1768 in Hamburg der Pfarrer H. S. Reimarus starb, hinterließ er seinen Erben ein ungedrucktes Manuskript: „Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes.“ Die Erben übergaben diese Schrift Lessing, der sie 1773 unter dem Titel „Fragmente eines Ungenannten“ in mehreren Teilen zu veröffentlichen begann. In der Reimaruschen Schrift wurde jede Art von Offenbarung verworfen und vom Christentum nichts weiter übriggelassen als eine allgemein vernünftige Formel moralischen Verhaltens. Lessing beseitigte viele Radikalismen in dieser Schrift und entwickelte in diesem „Fragment“ seine eigene entwicklungsgeschichtliche Auffassung über die Entstehung und den Wandel des Christentums in der Praxis des gesellschaftlichen Fortschritts. Die orthodoxe Geistlichkeit griff daraufhin Lessing sofort heftig an, allen voran der Hamburger Hauptpastor Johann Melchior Goeze mit den Vorwürfen „blöden Mutwillens, blindtobender Bosheit und giftigen Hasses wider das Christentum“. In seinen Aufsätzen gegen diese „Fragmente“ ging Goeze von der Hauptthese aus: „Der Buchstabe ist der Geist, und die Bibel ist die Religion.“ Lessings Antwort war: „Der Buchstabe ist nicht der Geist“, und dies war der Kernsatz seiner positiven Auseinandersetzung mit dem Christentum, in dem er nämlich auf den ethischen Kern des Christentums einging, als ein Evangelium des Tuns und Handelns. Er bewies damit, daß die orthodoxe Buchstabengläubigkeit in ihrem Fanatismus weit davon entfernt ist, wirklich das zu erfüllen, was sie zu lehren vorgab. Damit wandte sich Lessing auch gegen das lutherische Papsttum, von dem er im fünften „Anti-Goeze“ schrieb, daß es von den „glücklichen Zeiten träumte, da die Geistlichkeit noch alles in allem war, – für uns dachte und für uns aß“. Diese Schriften wurden vom Herzog verboten. So kam Lessing ein „närrischer Einfall“, wie er es in einem Brief ausdrückte, er wolle versuchen, oh man ihn „auf seiner alten Kanzel, auf dem Theater, wenigstens noch ungestört will predigen lassen“. So entstand der Nathan. „Es wird nichts weniger als ein satirisches Stück, um den Kampfplatz mit Hohngelächter zu verlassen. Es wird ein so rührendes Stück, als ich nur immer gemacht habe“, so schrieb er an seinen Bruder Karl am 20. Oktober 1778. Niemals hatte Lessing daran gedacht, in diesem Stück das Judentum zu verherrlichen und das Christentum zu verunglimpfen. Lessing ist für die verfolgten Juden eingetreten, wie er auch für die verfolgten Jesuiten eingetreten wäre. So ist dieses „dramatische Gedicht“ unter anderem auch eine dramatische Parabel von der Duldsamkeit geworden. Nämlich, daß der religiöse Glaube die private Sache jedes einzelnen Menschen sei und menschliche Vollendung unabhängig sei von dem Bekenntnis zu einer positiven Religion.

Lessing wählte als Schauplatz für seine Fabel das Morgenland, Jerusalem, wo drei religiöse Bekenntnisse, das christliche, das jüdische und das mohammedanische zusammenstießen. Dieser Schauplatz war zu Lessings Zeiten für viele Menschen schon durch die Literatur ihrer Zeit bekannt. Lessing selbst hatte einen Band der „Geschichte der Araber"“ von Marigny und Voltaires „Geschichte der Kreuzzüge“ übersetzt. So waren Philosophie und Religion des Morgenlandes im Schrifttum der Aufklärungszeit sehr bekannt. Aber sicher war noch ein anderer Grund bestimmend für die Ansiedlung des Stoffes im Morgenland. Die in diesem Stück geübte Kritik mußte getarnt werden, sollte das Stück nicht verboten werden, wie viele andere Schriften Lessings.

Außerdem faßte Lessing, wie Franz Mehring schreibt, „das Judentum, Christentum und Mohammedismus als historische, das heißt zwar vergängliche, aber unumgängliche Entwicklungsstufen des menschlichen Geistes auf“. Schon der junge Lessing beschäftigte sich mit demselben Gedanken, als er schrieb: „Alle geoffenbarten Religionen sind gleich wahr und gleich falsch“, das heißt, wie Mehring kommentiert: „sie sind gleich wahr insofern, als jede einmal eine notwendige Durchgangsstufe der menschlichen Entwicklung gewesen ist. Sie sind gleich falsch insoweit, als jede der ferneren geistigen Entwicklungen einen Riegel vorschieben möchte.“ Was aber den bleibenden Wert dieses Stückes auch für unsere Zeit ausmacht, ist die in diesem Stück enthaltene Grundidee des Lessingschen Humanitätsprinzipes. Sein hohes Lied auf den Menschen – ohne Unterschied seines Glaubens und seiner Rasse – ist den Feinden der Humanität immer ein Dorn im Auge gewesen.

Als Lessing 1781 starb, hatte er, wie von ihm vorausgesehen, sein Stück nicht auf der Bühne sehen können. Es wurde erst 1783 in Berlin von der Döbbelinschen Truppe uraufgeführt. Aber die Besten seiner Zeitgenossen erkannten seinen Wert, als sie es lasen, und Herder schrieb an Lessing: „Ich sage Ihnen kein Wort Lob über das Stück, das Werk lobt den Meister, und dies ist Manneswerk.“

Lily Leder


Das Klugheit uns retten kann, will ich euch in einer kurzen Erzählung zeigen. Saladin hatte in verschiedenen Kriegen – und infolge seiner Prunksucht seinen ganzen Schatz verschwendet; da fiel ihm ein reicher Jude namens Melchisedek ein, der ihm wohl helfen konnte, wenn er wollte. Da die Not ihn drängte, bemühte er sich, ein Mittel zu finden, um den Juden gefügig zu machen. Er ließ ihn also zu sieh rufen und sagte: „Guter Freund, ich habe von vielen Leuten gehört, daß du ein sehr kluger Mann bist. Deshalb möchte ich gern von dir wissen, welche von den drei Religionen du für die wahre hältst: die jüdische, die sarazenische oder die christliche ?“
Der Jude, der ein wirklich kluger Mann war, erriet sofort, daß Saladin nur darauf ausging, ihn in seinen Worten zu fangen, um irgendeinen Streit mit ihm heraufzubeschwören. Er sagte: „Oftmals habe ich von einem Manne gehört, der unter anderen Kleinodien auch einen sehr schönen Ring besaß, den er wegen seiner Kostbarkeit auf ewig im Besitze seiner Nachkommen wissen wollte; deshalb ordnete er an, daß derjenige unter seinen Söhnen, dem er diesen Ring hinterlassen würde, gleichzeitig auch sein Erbe und von den anderen als der erste geehrt und geachtet werden sollte. Sein Sohn, dem dieser Ring zufiel, machte es bei seinem Tode ebenso, und so ging es viele Generationen hindurch.
Schließlich aber kam er in die Hände eines Mannes, der drei tugendhafte Söhne hatte, die er alle drei gleich liebte. Und jeder der Jünglinge bat, da er die Wirkungen des Ringes kannte und danach trachtete, den Vorrang zu bekommen, den Vater, der schon alt war, bei seinem Tode ihm den Ring zu hinterlassen. Der wackere Mann sann darauf, alle drei zufriedenzustellen, da er einem jeden den Ring versprochen hatte. Er ließ deshalb von einem geschickten Meister zwei andere Ringe machen, die dem ersten so ähnlich waren, daß der Besitzer des Ringes selber kaum den echten herausfinden konnte.
Als er seinen Tod nahe fühlte, gab er jedem seiner Söhne heimlich einen Ring. Nachdem nun der Vater gestorben war, machten alle drei Anspruch auf das Erbe und legten zum Zeichen ihrer Berechtigung den Ring vor. Da aber sah man, daß die Ringe einander so ähnlich waren, daß man den echten nicht mehr herausfinden konnte; daher blieb die Frage, wer der wahre Erbe des Vaters sei, unentschieden, und ist noch heute ungelöst. Und das gleiche erwidere ich auch, gnädiger Herr, auf die Frage nach den Religionen, die von Gott dem Vater den drei Völkern gegeben sind.“

Giovanni Boccaccio


Wenn man sagen wird, dieses Stück lehre, daß es nicht erst von gestern her unter allerlei Volke Leute gegeben, die sich über alle geoffenbarte Religion hinweggesetzt hätten, und doch gute Leute gewesen wären; wenn man hinzufügen wird, daß ganz sichtbar meine Absicht dahin gegangen sei, dergleichen Leute in einem weniger abscheulichen Lichte vorzustellen, als in welchem der christliche Pöbel sie gemeiniglich erblickt: so werde ich nicht viel dagegen einzuwenden haben.
Denn beides kann auch ein Mensch lehren und zur Absicht haben wollen, der nicht jede geoffenbarte Religion, nicht jede ganz verwirft. Mich als einen solchen zu stellen, bin ich nicht verschlagen genug: doch dreist genug, mich als einen solchen nicht zu verstellen. –
Wenn man aber sagen wird, daß ich wider die poetische Schicklichkeit gehandelt, und jenerlei Leute unter Juden und Muselmännern wolle gefunden haben: so werde ich zu bedenken geben, daß Juden und Muselmänner damals die einzigen Gelehrten waren; daß der Nachteil, welchen geoffenbarte Religionen dem menschlichen Geschlechte bringen, zu keiner Zeit einem vernünftigen Manne müsse auffallender gewesen sein, als zu den Zeiten der Kreuzzüge, und daß es an Winken bei den Geschichtsschreibern nicht fehlt, ein solcher vernünftiger Mann habe sich nun eben in einem Sultane gefunden.
Wenn man endlich sagen wird, daß ein Stück von so eigener Tendenz nicht reich genug an eigner Schönheit sei: – so werde ich schweigen, aber mich nicht schämen. Ich bin mir eines Ziels bewußt, unter dem man auch noch viel weiter mit allen Ehren bleiben kann.

Gotthold Ephraim Lessing


Ich habe vor vielen Jahren einmal ein Schauspiel entworfen, dessen Inhalt eine Art von Analogie mit meinen gegenwärtigen Streitigkeiten (Gemeint sind die theologischen Auseinandersetzungen Lessings mit Hauptpastor Goeze. D. Red.) hat, die ich mir damals wohl nicht träumen ließ. Wenn Ihr, Du und Moses (Mendelssohn. D. Red.), ihn wissen wollt, so schlagt das Decamerone des Boccaccio auf, Giornata I. Nov. III Melchisedech Giudeo. Ich glaube eine sehr interessante Episode dazu erfunden zu haben, daß sich alles sehr gut lesen lassen, und ich gewiß den Theologen einen ärgern Possen damit spielen will, als noch mit zehn Fragmenten. Die Theologen aller geoffenbarten Religionen werden freilich innerlich darauf schimpfen: doch dawider sich öffentlich zu erklären, werden sie wohl bleiben lassen.

Lessing am 11. August 1778 an seinen Bruder Karl


Wir Schauspieler von heute haben eine schwere Schuld an Gotthold Ephraim Lessing gut zu machen, eine Schuld, die die Komödianten seiner Zeit – also vor rund 200 Jahren – auf sich geladen haben. Es muß ein sonderbares Gesindel gewesen sein, die Schauspieler jener Zeit, wir kennen sie zur Genüge aus Wilhelm Meisters Lehrjahren, aber auch aus dem – Gott sei Dank – so reichlich auf uns gekommenen Briefwechsel des Dichters erfahren wir ziemlich deutlich, wieso aus dem begeisterten Theater- und auch Schauspielerschwärmer Lessing, als der er uns in seinen Jugendjahren in der Leipziger Zeit erscheint, geradezu ein Feind des Theaters, das will und soll sagen, des Theaterlebens geworden ist. Wie oft lesen wir in seinen Briefen, daß er einen „Ekel“ vor dem Theater hatte. Die Krönung war wohl diese Madame Hensel, die sich, als sie sich dem Hamburger Theater verpflichtete, kontraktlich ausbedungen haben soll, daß der Autor der Hamburger Dramaturgie ihren Namen weder lobend noch tadelnd erwähnen dürfte. Von da an findet sich auch in dem ganzen herrlichen Werk keine einzige Besprechung einer schauspielerischen Leistung mehr. Sein Widerwillen gegen das Theater, an dem die Hamburger Krämerseelen, die ein Wort dreinzureden hatten, wohl auch zum Teil Schuld hatten, konnte auch durch die ernsthaften Bestrebungen aus Mannheim und Wien, ihn an die dortigen Theater zu fesseln, nicht überwunden werden Einen Trost in dem Kummer über die traurige Rolle, die die Schauspieler im Leben Lessings gespielt haben, bildet der reine und einmalige Name: Ekhof.
Wer weiß, welche Wunderwerke durch diese Umstände der Nachwelt verloren sind, ganz sicher einmal die versprochene Fortsetzung des Nathan „der Derwisch“, von dem nie wieder die Rede ist.
Ich persönlich habe eine fanatische Liebe zu diesem Dichter, der uns keine „Rollen“, sondern „Menschen“ spielen läßt, und will nur noch das kuriose Faktum feststellen, daß meine schauspielerische Tätigkeit in Berlin, die in diesem Jahr 1955 das 60. Jahr erreicht, im August 1895 mit einer Lessing-Rolle, dem Tellheim, begonnen hat, und nun zum möglichen Schluß meiner Tätigkeit, wenigsten was die großen und bedeutenden Rollen anlangt, den Nathan bringt. Kurios ist auch die Tatsache, daß es genau 70 Jahre her sind, daß der von Kindheit auf in mir schlummernde Gedanke, Schauspieler zu werden, in einer „Nathan“-Anfführuug des damaligen Hoftheaters zu Gotha, meiner Vaterstadt, notabene ich war damals noch Tertianer – zum endgültigen Entschluß wurde.

Eduard von Winterstein


Wolfenbüttel, den 20. Oct. 1778.
Aus einem Brief an Karl Lessing
Lieber Bruder, ... Du siehst also, daß ich in meiner Streitigkeit fortfahre; ungeachtet mir das Ministerium allhier verboten, auch nicht einmal auswärts etwas drucken zu lassen, was ich nicht zuvor zur Censur ihm eingesandt. Das wäre mir eben recht! Ich thue das nicht, mag auch daraus entstehen, was da will.
Jetzt ist man hier auf meinen Nathan gespannt, und besorgt sich davon, ich weiß nicht was. Aber, lieber Bruder, selbst Du hast Dir eine ganz unrechte Idee davon gemacht. Es wird nichts weniger, als ein satirisches Stück, um den Kampfplatz mit Hohngelächter zu verlassen. Es wird ein so rührendes Stück, als ich nur immer gemacht habe, und Herr Moses hat ganz recht geurtheilt, daß sich Spott und Lachen zu dem Tone nicht schicken würde, den ich in meinem letzten Blatte angestimmt (und den Du auch in dieser Folge beobachtet finden wirst), falls ich nicht etwa die ganze Streitigkeit aufgeben wollte. Aber dazu habe ich noch ganz und gar keine Lust, und er soll schon sehen, daß ich meiner eigenen Sache durch diesen dramatischen Absprung im geringsten nicht schade.
Hast Du schon die Epistel eines Layen gelesen, in welcher Moses für den Verfasser des Zweckes Jesu und seiner Jünger ausgegeben wird? Ich wollte, daß das Ding nicht so gar elend wäre, damit er sich dagegen vertheidigen könnte. Vielleicht wird die Beschuldigung allgemeiner, und ich werde herzlich lachen, wenn er endlich gezwungen ist, seinen ehrlichen Namen zu retten.
Meine Ankündigung des Nathan habe ich nirgends hingeschickt, als nach Hamburg. Sonst überall, wenn Du willst, kannst Du Dein Netz für mich aufstellen. Ich besorge schon, daß auch auf diesem Wege, auf welchem so Viele etwas gemacht haben, ich nichts machen werde; wenn meine Freunde für mich nicht thätiger sind, als ich selbst. Aber wenn sie es auch sind: so ist vielleicht das Pferd verhungert, ehe der Hafer reif geworden.
Schreibe nur bald wieder und lebe recht wohl.

Gotthold
Sultan Saladin: Martin Flörchinger
Sittah - dessen Schwester: Ursula Burg
Nathan - ein reicher Jude in Jerusalem:  
Eduard von Winterstein
Recha - dessen angenommene Tochter: Karola Ebeling
Daja - eine Christin (aber in dem Hause des Juden als  
Gesellschafterin der Recha):
Amy Frank
Ein junger Tempelherr: Kurt Conradi
Ein Derwisch: Herwart Grosse
Der Patriarch von Jerusalem: Adolf-Peter Hoffmann
Ein Klosterbruder: Fritz Hofbauer

Regie: Wolfgang Langhoff
Die Szene ist in Jerusalem