Ins Märchenland mit den Brüdern Grimm 1

auch

Das tapfere Schneiderlein
Märchen der Brüder Grimm
(andere Cover- und Titelversion)

LP LITERA 8 60 071
Covertext:
Weit, weit zurück in der Geschichte der Menschheit entstanden die ersten Märchen. Von ihren Erfahrungen erzählen sich die Menschen darin – und von ihren Träumen. Einfach und wunderbar sind die Geschichten: Immer gelingt es den Helden des Märchens, mit allen Widerständen, die sich ihnen in den Weg stellen, fertigzuwerden. Zauberer und Wunderdinge helfen ihnen dabei ebenso wie ihr eigener Mut, ihr Verstand und – wenn es erforderlich ist – List. Die Armen und Entrechteten „verzaubern“ Natur und Gesellschaft, d. h. sie ordnen sie und schaffen so das, wozu sie in der Wirklichkeit noch keine Möglichkeit haben – eine andere, eine menschliche Welt. Anders als im Leben sehen die Kräft aus, die sich im Märchen gegenüberstehen. Es gibt nur Arme und Reiche, Herrscher und Beherrschte. Die Menschen sind entweder vollkommen gut oder vollkommen böse sehr mutig und treu oder sehr feig und falsch, ausgesprochen fleißig oder faul. Und meistens sind es die Erniedrigten und Beleidigten, die alle guten Eigenschaften in sich vereinen, denn jahrtausendealte Erfahrungen hatten die Unterdrückten gelehrt, daß Reichtum die meisten Menschen hartherzig machte, sie in Un-Menschen verwandelte. In den Märchen der Völker erscheinen sie daher auch oft in einer nicht-menschlichen Gestalt – als Drachen und andere schreckenerregende Ungeheuer, als Hexen, böse Zauberer, kurz – als Unholde. Und jeder von ihnen hat sein Pendant: Es gibt Feen, gute Zauberer und hilfreiche Zwerge, die den Helden im Kampf gegen ihre Feinde beistehen.

Doch das Märchen kennt noch viel mehr Gestalten, die es im wirklichen Leben nicht gibt! Scheinbar ganz gewöhnliche Tiere – Vögel, Fische, Frösche, Füchse, Bären – beginnen plötzlich zu sprechen. Sonne, Mond, Sterne und Winde reden und handeln. Unbekannte alte Männer und Frauen, gegen die sich die Märchenhelden freundlich erweisen, mit denen sie ihr – oft das letzte Stückchen – Brot teilen, schenken ihnen zauberkräftige Gaben, oft ganz gewöhnliche Gegenstände wie den Knüppel, das Tischtuch und den Esel im Märchen vom „Tischlein, deck dich“, oder sie erteilen ihnen gerade den Ratschlag, der ihnen in diesem Moment, in dieser besonderen Situation nötig ist. Und die Helden verkehren mit diesen Wesen – mit den Unholden und den hilfreichen Geistern, mit den sprechenden Tieren, Gestirnen und Winden, mit den ihnen unbekannten Alten – als seien sie ihresgleichen: Sie lassen sich von ihnen helfen oder kämpfen mit ihnen und besiegen sie.

Doch die Märchenhelden sind nicht nur gut und tapfer – sie sind auch fast immer jung und schön – und sie bleiben es, bis zum Schluß. Das Volk hat ihnen die ewige Jugend und Schönheit geschenkt, und das ist es wohl auch, was sie uns so liebenswert erscheinen läßt. – Die Märchenhelden sehen und erfahren viel Phantastisches, doch sie wundern sich nie darüber – sie handeln. Und das Handeln ist auch das Entscheidende, das Wichtigste im Märchen. Wenn unser Held vor einem zwölfköpfigen Drachen steht, dann staunt er nicht über dieses merkwürdige Wesen, sondern – schlägt ihm alle zwölf einfach ab. Er wird ihnen höchstens noch die Zungen herausschneiden, um später notfalls einmal beweisen zu können, daß er der Drachentöter ist. Erhält der arme Wanderbursche den Knüppel im Sack, so wundert er sich nicht über das sonderbare Geschenk oder zweifelt gar an seinem Wert. Er probiert es auch nicht aus, sondern er verwendet es erst, wenn er es nötig hat.

Die Märchenhelden haben meistens eine Aufgabe zu lösen, die mit einer hohen Belohnung – oft ist es die Königstochter und das halbe Königreich (wenn es eine Heldin ist, die Hochzeit mit dem König – oder mit einer außergewöhnlich harten Strafe – meist dem Tode – verbunden ist. Aber den Helden gelingt auch das scheinbar Unmögliche, weil er immer jemanden trifft, der ihm durch Rat oder Tat helfen kann.

An diesem Punkt berühren sich Märchen und Wirklichkeit: So wie sich früher die Menschen der Natur und der Gesellschaft völlig ausgeliefert glaubten, weil sie nur erst wenige Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung erkennen konnten, so hilflos stehen auch die Märchenhelden – ohne Wunder – den ihnen unbekannten Mächten gegenüber vor ihren Aufgaben, denn auch sie vermögen die Zusammenhänge nicht zu durchschauen, viel weniger noch sie zu beherrschen. Sie können nicht selbst zaubern – sie brauchen Wunder, und das Märchen läßt sie ihnen zuteilwerden: Aschenbrödel bekommt schöne Kleider und Schuhe, um den Ball besuchen zu können und die Täubchen helfen ihr, ihre Arbeit zu erledigen, aus dem häßlichen Frosch wird ein schöner junger Königssohn, Schneeweißchen und Rosenrot können den Bären erlösen. Schneewittchen wird von den sieben Zwergen liebevoll aufgenommen, der armen Müllerstochter gelingt es mit Rumpelstilzchens Hilfe, aus Stroh Gold zu spinnen – nun, jeder kennt die Märchen und ihre wundersamen Begebenheiten.

Das Märchen schenkt seinen Helden die Möglichkeit zu große Taten – es führt sie dahin, wo es etwas zu leisten gibt, und dem, der zu solcher Leistung bereit ist, dem gibt es auch seine Hilfen – aber nur ihm. Und das Volk, das im täglichen Leben diese Möglichkeiten nicht wahrzunehmen wußte oder sie nicht wahrnehmen konnte – die von ihm erdachten Märchenhelden wissen sie sehr wohl zu nutzen, und oft geschieht es, daß der Held, der eigentlich nur seinen eigenen Weg verfolgt, andere miterlöst, manchmal sogar ganz unbeabsichtigt, oder er hilft anderen, ohne dabei an sich zu denken und eröffnet sich gerade damit den Weg zu seinem Ziel. Man braucht dabei nur an das Märchen vom Dornröschen zu denken – mit seinem Kuß erweckt der Prinz nicht nur die Königstochter, sondern auch alle Schloßbewohner aus dem hundert Jahre währenden Schlaf, und an das Märchen vom gestiefelten Kater, in dem der arme Hans mit dem Kater sein letztes Stückchen Brot teilt, woraufhin ihm das dankbare Tier zu einem Königreich verhilft.

So finden wir im Märchen Gewöhnliches neben Wunderbarem, und man kann beides ganz leicht verstehen, wenn man das Märchen als Märchen nimmt, wenn man nicht einen verborgenen Sinn darin sucht. Das Volk erzählte seine Märchen, um etwas aufzudecken, um das zu sagen, woran es aus tiefstem Herzen glaubte: daß es einmal ein schönes, glückliches Leben für alle Menschen der Erde geben werde.

Hannelore
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SCHNEEWEIßCHEN UND ROSENROT

Schneeweißchen: Jutta Hoffmann
Rosenrot: Waltraud Kramm
Mutter: Senta Bonacker
Bär: Gerry Wolff
Zwerg: Walter Lendrich
Hase: Genia Lapuhs
Vogel: Ingeborg Möbius
Erzähler: Otto Mellies


bearbeitet von Brigitte Wicht

Musik: Ernst-Peter Hoyer
Instrumentalgruppe des Staatlichen Rundfunkkomitees
Leitung: Gerhard Bautzmann

Regie: Karl-Heinz Möbius

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DAS TAPFERE SCHNEIDERLEIN

Schneiderlein: Eckart Friedrichson
Kammerherr: Franz Arzdorf
Musfrau: Else Wolz
Oberküchenmeister: Walter Lendrich
König: Robert Assmann
Prinzessin: Barbara Witte
Küchenjunge: Peter Groeger
Riese Plim: Maximilian Larsen
Riese Plum: Theo Mack
Erzähler: Gerhard Murche


bearbeitet von Brigitte Wicht

Musik: Klaus-Peter Bruchmann
Instrumentalgruppe des Staatlichen Rundfunkkomitees
Leitung: Gerhard Bautxmann

Regie: Theodor Popp

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SCHNEEWITTCHEN

Schneewittchen: Waltraud Kramm
Königin: Genia Lapuhs
Prinz: Günter Haack
Jäger: Rudolf Christoph
1. Zwerg: Hans-Edgar Stecher
2. Zwerg: Günter Meyer-Brede
3. Zwerg: Robert Assmann
4. Zwerg: Heinz Hartmann
Erzähler: Dietmar Richter-Reinick


bearbeitet von Charlotte Benz

Musik: Ernst-Peter Hoyer
Instrumentalgruppe des Staatlichen Rundfunkkomitees
Leitung: Gerhard Bautzmann

Regie: Karl-Heinz Möbius

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FRAU HOLLE

Frau Holle: Charlotte Küter
Goldmarie: Barbara Witte
Pechmarie: Annegret Golding
Apfelbaum: Gerhard Murche
Hahn: Heinz Hartmann
Erzähler: Otto Mellies


bearbeitet von Brigitte Wicht

Musik: Günter Hauk
Mitglieder des Berliner Rundfunk-Sinfonie-Orchesters
Leitung: Günter Hauk

Regie: Theodor Popp

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