Schloss Gripsholm
Eine Sommergeschichte

von Kurt Tucholsky

LP LITERA 8 60 067
Covertext:
So oft wir ihr begegnen – immer wieder berührt uns diese witzig-zarte Idylle aufs neue: ihre Liebenswürdigkeit und Heiterkeit, die wunderbare Atmosphäre der Harmonie zwischen Mensch und Natur. Nicht nur der reizvolle Stil, in dem diese Sommergeschichte geschrieben ist, auch nicht allein die Tatsache, daß wir in ihr all die Torheiten und Verzauberungen unserer eigenen Verliebtheit wiedererkennen – es ist wohl vor allem die Schönheit dieser Liebesbeziehung, von der Tucholsky erzählt die uns „Schloß Gripsholm“ so anziehend macht: Diese Liebe, die sich nicht selbst genügt die sich nicht vor der Umwelt verschließt, die echter und tiefer wird, als sie sich einem gequälten Menschenkind – dem „kleinen Gegenstand“ – zuwendet und dieses einzubeziehen sucht in die Welt des „kurzen Glücks“ Daddy und Lydia wissen ganz genau, daß sie vor der Zeit nicht davonlaufen können „sie kommt nach“. Für fünf Wochen hatten sie ihre „Kümmernisse ... in der Gepäckaufbewahrungsstelle abgegeben“, das Leben lief „scheinbar unverändert“ dahin. Aber: „Das Leben ist gar nicht so, es ist ganz anders“. Tucholsky liebte es, mit allen Fasern seines Seins, und diese große Liebe zum Leben spricht auch aus seiner Sommergeschichte.

„Peter! Wie, ist es mit dem Leben! Erzähl schnell, wie es mit dem Leben ist!“ fordert Lydia.

„Erst habe ich gemerkt ... wie es ist. Und dann habe ich verstanden, warum es so ist – und dann habe ich begriffen, warum es nicht anders sein kann. Und doch möchte ich, daß es anders wird. Es ist eine Frage der Kraft. Wenn man sich selber treu bleibt ...“ antwortet Daddy - Tucholsky.

Ja, es war eine Frage der Kraft.

Tucholsky – Tragik des fortschrittlichen bürgerlichen Intellektuellen, der seinen Kampf als Einsamer führt – verzweifelte an Deutschland, am deutschen Volke, das nicht vermocht hatte, dem Faschismus die Herrschaft streitig zu machen, und setzte seinem Leben ein Ende.

Auf dem Friedhof Mariefred-Gripsholm, an einem von ihm selbst bestimmten Platz unter einer Eiche, ist Kurt Tucholskys letzte Ruhestätte. In Gripsholm, wo er wenige Jahre zuvor glücklich war, einen Sommer lang – mit der Prinzessin, die keine war, mit Freund Karlchen und mit Billie, der „Mädchenfrau“ die eigentlich Sibylle hieß.

Hannelore Neumann
Verleger Rowohlt: Hanns Anselm Perten
Daddy: Ralph Borgwardt
Lydia: Ursula Figelius
Karlchen: Hans Rohde
Billie: Tina van Santen
Erzieherin: Anneliese Matschulat
Kind: Andrea Seidl
Frau Collin: Elsbeth Schönfeld


von Kurt Tucholsky
Szenisch berarbeitet von Horst Ulrich Wendler
Chansons von Wolfgang Bayer

Regie: Hanns Anselm Perten