Hans Moser
Ausschnitte aus Filmen

LP LITERA 8 60 066
Covertext:
Hans Moser war ein Stück Wien – liebenswert und ganz im Menschlichen verwurzelt. Er war es so unverfälscht, daß sein Spiel selbst dort nie bestellt wienerisch war und immer echt blieb, wo es zum Exportartikel im Filmgeschäft wurde. Er verstand es in seiner einmaligen Art, sich mit wenigen Gesten und Worten zu distanzieren. Er brauchte nur sein wienerisches „San mas“ ins hochdeutsche „sind wir es?“ zu übersetzen, und es schien, als widerlege er das Hochdeutsche als Sprache und quittiere damit gutmütig oder mürrisch hochgermanische Überheblichkeit. Wer konnte ihm deshalb böse sein?

Und doch war dieser unverfälschte Wiener ein Franzose. Sein Vater, ein Steinmetz, war auf der Suche nach Arbeit bis Wien gewandert und hier geblieben. Sein Sohn, Jean Juliet, fand eine neue Heimat und mit ihr seinen neuen Namen, Hans Moser; und er fand Wien – seine Stadt. Heinrich Zille war schließlich auch nicht Berliner, und doch wurde Berlin keinem wie ihm „sein Miljöh“. Mosers Milieu waren allerdings nicht wie bei Zille die Mietskasernen und Hinterhöfe, sondern der Boheme-Bezirk zwischen Künstlervolk und Bürgertum.

Hans Moser wollte ursprünglich Geiger werden, aber er wurde Chorist in den Provinztheatern des k. u. k. Nationalitätenstaates. Hier lernte er zum Wienerischen die Czernowitzer eigentümliche Sprechweise dazu. (Garderobier Kratochil im Film „Liebling der Götter“).

Nach Wien zurückgekehrt, sank Hans Moser in die Stellung eines Komparsen zurück. Aber gerade auf den Komparsen Hans Moser wurde das Publikum aufmerksam. Er hatte einen stummen Zeugen darzustellen, der sich immer wieder vor den Richtertisch drängt und jedesmal vom Saaldiener zurückgezerrt wird. Vergeblich, der Zeuge Moser resigniert nicht, er läßt es sich auf keinen Fall nehmen, vor dem Richter zu Worte zu kommen. Hans Moser tut das auf eine Weise, daß sein stummes Spiel zur eigentlichen Attraktion des Stückes wird. Man läuft ins Theater, um den kleinen, untersetzten und ungemein beweglichen Statisten Moser zu sehen.

Von da an spielt Hans Moser jahrelang in Operetten und Schwänken. Max Reinhardt sieht ihn – ein Zufall – und weiß sofort: Moser ist ein großer Menschendarsteller. Er holt ihn nach Berlin ans Deutsche Theater. Hier spielt der nun bald Fünfzigjährige den Garderobier in der Komödie „Broadway“. Die Berliner verstehen kaum ein Wort von Mosers Wiener Deutsch, und was verständlich wäre, verschluckt er so herzerfrischend komisch, daß sein großes Spiel zum Sensationserfolg wird.

Sofort ist der Film zur Stelle. Hans Moser wird zur gleichen Rolle des Garderobiers als Partner von Emil Jannings in „Liebling der Götter“ verpflichtet. Von dieser Zeit an folgt Auftrag auf Auftrag. In über hundert Rollen sehen wir Hans Moser allein in Filmen.

Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, nimmt Hans Moser sein Spiel immer ernst und läßt sich weder im Film noch im Theater Rollen zuteilen. Er wählt selbst und prüft lange, kämpft mit Autoren und Dramaturgen um jeden Satz, bis die Rolle eben seine Rolle ist. Und als Moser nach Salzburg zu den Festspielen gerufen wird, spielt er den Jourdain in Molieres „Bürger als Edelmann“ so, als hätte ihm auch Moliere diese Rolle auf den Leib geschrieben. Sein Mitwirken in dieser Balettkomödie ist übrigens Mosers, einzige Begegnung mit dem Lande seiner Väter.

Hans Moser, der unnachahmliche Schauspieler, ist auch ein unnachahmlicher Interpret wienerischer Lieder gewesen. Viele sind uns durch ihn vertraut. In einem seiner bekanntesten singt er noch im hohen Alter: „Und wenn ich sterb, möcht ich a Reblaus wieder werd’n ...“

Rudolf Böhm
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Hans Moser mit Paula Wessely in Ausschnitten aus dem Film „Maskerade“

Ausschnitte mit Hans Moser aus dem Film „Burgtheater“


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Hans Moser mit Emil Jannings in Ausschnitten aus dem Film „Liebling der Götter“

Aus dem Film „Burgtheater“: „Sag zum Abschied ...“ gesungen von Hans Moser


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Für die Schallplatte bearbeitet von Rudolf Böhm
Zwischentexte: Renate Thormelen