Die Heiden von Kummerow

von Ehm Welk

LP LITERA 8 60 116
Covertext:
Bestseller nennt man Werke der Literatur, die in einem begrenzten Zeitraum die höchsten Auflagen erreichen. Bezogen auf ein einzelnes Werk, umfaßt dieser aus dem Englischen kommende Begriff im weitesten Sinne die Zahl aller gedruckten Exemplare ohne Rücksicht auf Zeit oder Raum. Sicher, der Begriff der „höchste Auflage“ ist ein unbestimmter und relativer. Aber solange es Bücher gibt, wird nach den erfolgreichsten gefragt.
Unterzöge man sich einmal der Mühe die populärsten Bücher der letzten 25 Jahre zu ermitteln, dann gehörte ein Buch dazu, dessen zeitlich schier unbegrenzter Dauererfolg selbst die phantasiebegabtesten Kritiker und Verleger nicht ahnen konnten. Sein Titel: „Die Heiden von Kummerow“. Der Name seines Autors: Ehm Welk.

In einem norddeutschen Dorf vor dem ersten Weltkrieg. Im Bewußtsein der Kummerower Bauern und Landarbeiter haben sich trotz aller Verdikte aus der Kirche und aus dem Schlosse die Überlieferungen der heidnischen Ahnen erhalten, so daß der poltrige Pastor Breithaupt und der liebenswerte Kantor Kannegießer vergeblich alle Mühe aufwenden, die Dorfkinder zu obrigkeitsfrommen Christenmenschen zu erziehen. Der naiv-kluge Martin Grambauer – ein Abbild wohl des jungen Ehm Welk – nimmt entgegen den Erwartungen, die die Ordnungshüter in ihn, den Schulersten, setzen, an der verbotenen Heidentaufe – einem Wettstehen im frühlingskalten Mühlbach – teil, bei dem sein Freund, der ewig hungrige Nachtwächterenkel Johannes Bärensprung, den Sieg davonträgt. Aber es ist nur ein Scheinsieg, weil kein Mädchen Königin sein will, wenn der Junge aus dem Armenhaus der König ist. Denn auch in dem Kummerower Kinderparadies wirken sich die sozialen Unterschiede aus. Also distanziert sich Pastors Ulrike von ihrem Freund Martin. Die Lehren ihrer Väter tragen ihre Früchte: die des geistlichen Herren und die des atheistischen Dorfphilosophen. Soll indessen einem Tierquäler das Handwerk gelegt werden, soll Krischon, der alte, heimatlose Kuhhirte und phantasievolfe Schnurrenerzähler, vor obrigkeitlichen Übergriffen beschützt werden, dann halten die Kinder zusammen, überwinden die Grenzen, die ihre Eltern zwischen Reichen und Armen zu ziehen sich mühen und geben den Erwachsenen Beispiele für Gerechtigkeitswillen, Herzensgüte und Ehrfurcht vor dem Leben.
„Und so sind auch die ‚Kummerows‘ keine Bücher der Lausbubenstreiche, ich, Ehm Welk, schrieb sie, als Ungemach, Niedertracht und Sorge mir Gegenwart und Zukunft verstellen wollten. Ich ließ die Unzulänglichkeiten stehen und ging den Weg zurück ins Land meiner Kindheit.“

Am 29. August 1884 wurde Ehm Welk in dem uckermärkischen Dorf Biesenbrow geboren. Dort und in Vorpommern verlebte er seine Jugend; die Landschaft und die Menschen seiner Heimat sind dem Leser der KUMMEROW-Bücher, die autobiographisch den besten Teil der Kindheit Ehm Welks widerspiegeln, wohl vertraut. Seine Mutter, eine redliche pommersche Bauerntochter voller natürlicher Zärtlichkeit, sein Vater, ebenfalls aus einer alten Bauernfamilie stammend, intelligent, ein kritischer Geist, dem der Sohn Jahrzehnte später in der „Lebensuhr des Gottlieb Grambauer“ seine liebevolle Reverenz erweist. „Die Mutter wollte“, so berichtete Ehm Welk, „daß ich Pastor werde, der Vater war für den Lehrerberuf, jeder wollte etwas anderes, und da sie sich nicht einigen konnten, wurde ich Journalist.“ Und in der Tat, Ehm Welk wurde-1905 - nachdem er ein Jahr vorher seine journalistische Laufbahn in Stettin als Hilfsredakteur begann – in Bremerhaven Chefredakteur einer kleinen Zeitung. Er war damals 19 Jahre alt und damit der jüngste Chefredakteur Deutschlands. Lange Jahre blieb er den Zeitungen treu. Zwischendurch fuhr er zur See. Als „Der Nachtmann“ Thomas Trimm lernte er das Leben in den USA kennen. Heimgekehrt, lebte er mehrere Jahre als Schriftsteller in Berlin und schrieb revolutionäre Theaterstücke, von denen „Gewitter über Gotland“ und „Kreuzabnahme“ unter der Regie Erwin Piscators, eines der bedeutendsten progressiven Regisseure der zwanziger Jahre, an der Volksbühne aufgeführt wurden.

Von 1928 an war Ehm Welk Chefredakteur der „Grünen Post“, damals Deutschlands auflagenstärkstes Wochenblatt: 1934 kritisierte er öffentlich den Faschismus, wurde verhaftet und ins Konzentrationslager Oranienburg gebracht. Der entschiedene Protest ausländischer Journalisten führte seine Entlassung herbei, doch er erhielt striktes Schreibverbot und übersiedelt in den Spreewald. Jahre später gestattete man ihm das Schreiben belletristischer Bücher Jetzt entstanden die „Kummerows“.
Das berühmteste „Die Heiden von Kummerow“, beginnt mit den Worten: „Ein alter, von Büchern gestützter Glaube will wissen, das irdische Paradies habe in Vorpommern gelegen; dem Schulzen Christian Wendland sagte sogar seine innere Stimme, es könne nur bei Kummerow im Bruch hinterm Berge gelegen haben. Der Erzähler, auch ein Kummerower, hat beim Nachforschen zwar nicht die Wiege der Menschheit gefunden, aber, wie er glaubt, ein Stückchen vom Schaukelfuß dieser Wiege. Woher sonst als aus dem Paradies könnte die Verzierung auf dem ausgegrabenen Holzstück stammen: ein Gesicht, nicht jung und nicht alt, nicht eines Engels und nicht eines Teufels, einfach ein Menschengesicht, das lacht. Die Berufenen mögen es nachprüfen. Darum widmet der Verfasser das Buch allen jungen Herzen!“

Konrad Reich
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Ehm Welk über sein Buch
Die Heiden von Kummerow
Das Heidendöpen



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Der Kirchturm vom Kummerow
Ehm Welk liest Die Martinsgans

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Erzähler: Hanns Anselm Perten
Kantor Kannegießer: Karl Brenk
Martin Grambauer: Dieter Fuchs
Johannes Bärensprung: Hans-Dieter Leh
Traugott Fibelkom: Bernhard Ulrich
Hermann Wendland: Wolfram Beyer
Ulrike: Bettina Reich


von Ehm Welk
Regie: Theodor Popp