Hochzeit der Tiere
Tanz-Kantate nach einer wendischen Volksdichtung
(„Die lustige Hochzeit“) für Vorsänger, Chor und kleineres Orchester unter beliebiger Mitwirkung eines Tanz-Ensembles

von Wilhelm Weismann
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Besuch im Zoo

Eine heitere Tierliederfolge für Kinder

von Hans Sandig

LP ETERNA 8 20 419
Covertext:
Die vorliegende Schallplatte vereinigt zwei in ihrer Aussage und in ihrem Charakter verschiedenartige Tierkantaten. Die Tanz-Kantate „Die Hochzeit der Tiere“ schuf Wilhelm Weismann als Auftragswerk für den Radio-DDR-Jugendchor. Sie ist bewußt den künstlerischen Möglichkeiten und Absichten des Auftraggebers entsprechend als ein beschwingtes, im besten Sinne unterhaltsames Werk für den großen, vielschichtigen Zuhörerkreis dieses Chores angelegt und ausgeführt. Hans Sandigs heitere Tierliederfolge „Besuch im Zoo“ entstand für den Kinderchor des Radio-DDR-Jugendchores und ist in erster Linie auch für Kinder als Zuhörer gedacht, die mit Musik und Gesang vergnüglich durch den Zoo geführt werden und Tiere kennenlernen, betrachten. Dieser unterschiedlichen Aufgabenstellung entsprechen die verwendeten verschiedenartigen künstlerischen Ausdrucksmittel und Lösungen.

Als textliche Grundlage für seine auch pantomimisch darstellbare Tanz-Kantate benutzte Wilhelm Weismann die sorbische Volksdichtung „Die lustige Hochzeit“ aus Johann Gottfried Herders „Stimmen der Völker in Liedern“. Sie gibt eine humorvolle Charakteristik von sieben Tieren, die in einer Tiergesellschaft ausgewählt werden, Hochzeit zu spielen. Jede der ersten sechs Strophen bringt das gleiche Frage-Antwort-Spiel. Zuerst wendet sich die Tiergesellschaft an die Eule:

Wer soll Braut sein?
Eule soll Braut sein.
Die Eule sprach
zu ihnen hinwieder, den beiden:
Ich bin ein sehr gräßlich Ding,
kann nicht die Braut sein;
ich kann nicht die Braut sein!

In jeder weiteren Strophe erhält ein anderes Tier eine neue Aufgabe und lehnt in der gleichen Weise wie die Eule ab. Der Zaunkönig (Bräutigam) ist „ein sehr kleiner Kerl“, die Krähe (Brautführer) „ein sehr schwarzer Kerl“, der Wolf (Koch) „ein sehr tück’scher Kerl“, der Hase (Einschenker) „ein sehr schneller Kerl“, der Storch (Spielmann) hat „ein’n großen Schnabel“, Nur der Fuchs tanzt in der letzten (siebenten) Strophe aus der Reihe. Er soll Tisch sein. Mit seiner verblüffenden Antwort beendet er das neckische Spiel:

Schlagt voneinander meinen Schwanz,
so wird er euer Tisch sein!

Der gleichbleibenden Anlage der Strophen entsprechend bediente sich der Komponist eines gleichbleibenden formalen Grundgerüstes. Ein immer wiederkehrendes Fanfarenmotiv leitet die Frage und Ausrufung ein, für die jeweils ein Solist und der Chor eingesetzt sind. Die Antwort des aufgerufenen Tieres wird stets vom unbegleiteten Chor mit der gleichen einstimmigen Wendung angekündigt. Doch schon die musikalische Gestaltung der ersten beiden Zeilen jeder Strophe bereitet durch die verschiedenartige instrumentale Einkleidung, die wechselnde Rhythmik und den nuancierten Ausdruck die Charakteristik der einzelnen Tiere vor, die mit deren Auftreten und Antwort sowie durch die Reaktion des Chores ausgeprägt wird.

Die Eule tritt vom Akkordeon begleitet auf und mit einem melancholischen Fagottsolo ab. Der Zaunkönig pfeift natürlich auf der kleinen Flöte. Von einem Trauermarsch (eine vergnügliche Parodie des Chopinschen Trauermarsches) wird der Rabe begleitet. Violoncello, Kontrabaß, Akkordeon und große Trommel kennzeichnen den brummelnden Wolf. Der flinke Hase stellt sich mit beweglichen Figuren der hohen Klarinette vor. Zum Auftritt des Storches erklingt die mit Flatterzunge geblasene Trompete. Launische Kapriolen der Solovioline lassen schon beim Auftritt des Fuchses vermuten, daß dieses Spiel eine überraschende Wendung erfährt. Die verblüffende Antwort setzt den Chor zunächst in Erstaunen, ermuntert ihn aber dann zu einem lustigen, ausgelassenen Finale, das manche unerwarteten musikalische Wendungen bringt.

Das alles ist nicht nur von einem urgesunden Humor durchdrungen, sondern ebenso von großer künstlerischer Meisterschaft des Komponisten, der in seinem vielfältigen, vor allem der Vokalmusik gewidmeten Schaffen die verschiedensten Gattungen überlegen meisterte. Mit dieser Tanz-Kantate gab er ein überzeugendes Beispiel, in welchem Maße der unterhaltsame Charakter eines Werkes durch kunstvolle Gestaltung gewinnen kann.

Hans Sandig, der Gründer und Leiter des Radio-DDR-Jugendchores, stellt in seiner heiteren Tierliederfolge Kindern exotische Tiere in amüsanter Weise vor. Die Anlage für den Kinderchor des Radio-DDR-Jugendchores gebot den Stil des Kinderliedes, der durch mancherlei Schlagwerkeffekte und einzelne rhythmische Eiemente der modernen Tanzmusik bereichert wird. Der Textautor Richard Hambach beschreibt in seinen Dialogen und Liedtexten die Tiere und erzählt von ihnen belehrende wie auch lustige Geschichten.

Die Vorfreude auf den Besuch im Zoo kommt im Auftrittslied zum Ausdruck. Als erstes Tier begegnet der Bär Teddy brumm. Die Posaune und gehaltene Akkorde tiefer Blasinstrumente lassen ihn brummen. Allerlei merkwürdige Laute gibt der dicke Elefant von sich, durch Posaunenglissandi, durch die Trompete mit dem Wauwau-Dämpfer. Der Chor läßt ihn grunzen, klappern, plärren, wiehern. Eine exotisch gefärbte, von monotonem Schlagwerk begleitete Melodie deutet den eintönigen Wüstenzug des Kamels an. Schlaghölzer ahmen das Geklapper des Storches nach. Lustig, tänzerisch wird Bison Zottelhaar vorgestellt. Das Pony trabt unermüdlich zum gleichbleibenden Schlagzeugrhythmus. Dann wird in einem lustigen Intermezzo ein Regenwurm betrachtet, der sich in das Schlangenhaus verirrt hat. Exotische Klangfarben zu gleichmäßigen Xylophonschlägen kennzeichnen den Pinguin. Als lustige Szene wird der Streit zwischen dem Känguru und dem Ochsen geschildert, wieder von exotisch wirkenden Schlagzeugeffekten begleitet. Dann erscheint plötzlich die Feuerwehr. Der Tierarzt klettert die Feuerwehrleiter empor, um den langen Hals der Giraffe zu betrachten und eine Angina durch Biomalz zu kurieren. Zuletzt wird noch der Zebra-Junge Putzi betrachtet, der allerlei lustige Dinge aufführt. Mit der Melodie des Auftrittsliedes verlassen die Kinder den Zoo und nehmen sich vor, bald wieder hinzugehn.

Als Leiter des Kinderchores weiß Hans Sandig genau, wie und was Kinder gern singen und hören. So hat er die Lieder seinem Chor auf den Leib geschrieben. Er bezog dabei mancherlei Effekte mit ein, die diese Liedfolge beleben, den jungen Sängern und ihren Zuhörern Spaß machen. Aus genauer Kenntnis der Möglichkeiten und Grenzen eines Kinderchores vereinigte er seine reichen Erfahrungen als Chorerzieher mit dem souveräner Könner des Komponisten. So schuf er ein lebendiges Werk, das die Kinder unmittelbar anspricht und deren Elteren ebenso Freude bereitet.

Werner Wolf
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DIE HOCHZEIT DER TIERE
Tanz-Kantate nach einer wendischen Volksdichtung
(„Die lustige Hochzeit“) für Vorsänger, Chor und kleineres Orchester unter beliebiger Mitwirkung eines Tanz-Ensembles
von Wilhelm Weismann

Text aus „Stimmen der Völker in Liedern“
von Johann Gottfried Herder

Renate Fude, Sopran
Gerda Schriever, Alt
Hermann-Christian Polster, Baß

Radio-DDR-Jugendchor
Radio-DDR-Unterhaltungsorchester
Leitung : Hans Sandig


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BESUCH IM ZOO
Eine heitere Tierliederfolge für Kinder
von Hans Sandig

Auftrittslied
Teddy, brumm
Elefantenlied
(Monika Wagner)
Kamel-Lied
Storch Einbein
(Heidi Böhm)
Bison Zottelhaar
Pony hopp
Ein Regenwurm
(Monika Wagner)
Der Pinguin
Ochse und Kanguruh
Lied von der Giraffe
Putzi-Lied (Zebra)
Schlußlied


Sprecher: Lieselotte Schmoock, Monika Wagner,
Anne-Kathrein Kretzschmar, Roger Tautenhahn


Text: Richard Hambach

Solisten: Heidi Böhm, Monika Wagner
vom Rundfunk-Kinderchor Leipzig

Rundfunk-Kinderchor Leipzig
Mitglieder des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters Leipzig
Leitung : Hans Sandig