Heinrich von Kleist - Aus Briefen

LP LITERA 8 65 243
Covertext:
1777 – 18. Oktober. Heinrich von Kleist in Frankfurt an der Oder geboren.
1786 – Tod des König Friedrich II. von Preußen
1789 – Sturm auf die Bastille. Beginn der Französischen Revolution.
1792 – Eintritt Kleists in das Regiment Garde Nr. 15b zu Potsdam.
1793 – Kleist nimmt am Rheinfeldzug gegen das revolutionäre Frankreich teil.
1794 – Hinrichtung Robespierres. Ende der Jakobinerherrschaff und der Revolution.
1797 – Friedrich Wilhelm III. wird König von Preußen.
1799 – Kleist bittet um Abschied aus dem Militär und erhält ihn. Immatrikulation an der Universität Frankfurt an der Oder.
18. Brumaire. Staatsstreich Napoleons.
1800 – Kleist bricht sein Studium ab und bereitet sich durch Teilnahme an Sitzungen der „Technischen Deputation“ in Berlin auf den Staatsdienst vor.
1801 – Abbruch der Vorbereitungen auf den Staatsdienst. Kleist reist nach Paris. Studium der französischen Aufklärungsliteratur, Enttäuschung über das nachrevolutionäre Frankreich.
Reist in die Schweiz, plant, im Geiste Rousseaus als Bauer zu leben.
Frankreich erhählt linkes Rheinufer.
1802 – Auf einer Insel im Thuner See beginnt Kleist zu schreiben. „Familie Schroffenstein“, Anfänge von „Robert Guiskard“ und „Der zerbrochene Krug“.
Im Herbst verläßt Kleist die Schweiz und reist nach Jena und Weimar. Bekanntschaft mit Wieland.
Arbeit am „Robert Guiskard“.
1803 – Fluchtartige Reise uber die Schweiz und Italien nach Paris. Verbrennt den „Guiskard“. Will französische Kriegsdienste nehmen, um im Kampf zu fallen, kehrt aber über Paris nach Deutschland zurück.
Reichsdeputationshauptschluß
1804 – Napoleon läßt sich zum französischen Kaiser krönen.
Zivilgesetzbuch in Frankreich.
Kleist kehrt zurück nach Berlin und bewirbt sich um Anstellung im preußischen Staatsdienst.
1805 – Arbeitet im Finanzdepartement in Berlin, danach Beamter der Domänenkammer in Königsberg.
Schreibt am „Amphitryon“ und vollendet „Der zerbrochene Krug“, „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“.
Vernichtung der französischen Flotte durch England.
1806 – Kleist läßt sich aus Gesundheitsgründen vom Staatsdienst beurlauben.
Schlacht bei Jena und Auerstedt. Zusammenbruch Preußens.
1807 – Stein’sche Reformen.
Kleist reist nach Berlin, wird verhaftet und in Frankreich gefangengesetzt. Nach dem Frieden von Tilsit
entlassen, geht er über Berlin nach Dresden.
1808 – „Penthesilea“, „ Das Käthchen von Heilbronn“, „Michael Kohlhaas“ und andere Erzählungen, Herausgabe
der Zeitschrift „Phöbus“.
1809 – Schillsche Offiziere von Franzosen erschossen.
Kleist hofft auf nationale Bewegung gegen Napoleon.
Patriotische Schriften, Kriegslyrik, „Die Hermannsschlacht“.
Reise zu Kriegsschauplätzen.
Nach erneutem Friedensschluß Preußens mit Napoleon geht Kleist zurück nach Berlin.
1810 – Arbeit an „Prinz Friedrich von Homburg“. Herausgabe der „Berliner Abendblätter“ darin u. a. „Ueber
das Marionettentheater“.
1811 – Ende März erscheint die letzte. Nummer der „Abendblätter“. Kleist lebt in Berlin ohne jede Existenzgrundlage. Vollendung des Schauspiels „Prinz Friedrich von Homburg“.
Am 20. November Selbstmord mit Henriette Vogel an der Chaussee zwischen Berlin und Potsdam.


Über Kleist
Eine sehr eigentümliche, ein wenig verdrehte Natur, wie das fast immer der Fall, wo sich Talent aus der alten preußischen Mondierung durcharbeitete ... er ist der unbefangenste, fast zynische Mensch, der mir lange begegnet, hat eine gewisse Unbestimmtheit in der Rede, die sich dem Stammeln nähert und in seinen Arbeiten durch stetes Ausstreichen und Abändern sich äußert, er lebt sehr wunderlich, oft ganze Tage im Bette, um da ungestört bei der Tabakpfeife zu arbeiten.
Achim von Arnim, Februar 1810

Er hat es seinem Freunde Pfuel oft gesagt, daß es nur das eine Ziel für ihn gebe, der größte Dichter seiner Nation zu werden; und auch Goethe sollte ihn daran nicht hindern. Keiner hat Goethe leidenschaftlicher bewundert, aber auch keiner ihn so wie Kleist beneidet und sein Glück und seinen Vorrang gehaßt. Dem Freunde gestand er in wilderregten Stunden, wie er es meinte: „Ich werde ihm den Kranz von der Stirne reißen“ war der Refrain seiner Selbstbekenntnisse wie seiner Träume ...
Nach Pfuels Erzählung (Wilbrandt 1863)

Wenn ich nun alle diese Umstände, seinen auf Selbstgefühl geründeten, aber von seinem Schicksal gewaltsam niedergedrückten Stolz, die Exzentrizität der ganzen Laufbahn, worin er sich, seitdem er aus der militärischen Karriere ausgetreten, hin und her bewegt hat, seine fürchterliche Überspannung, sein fruchtloses Streben nach einem unerreichbaren Zauberbild von Vollkommenheit und seinen bereits zur fixen Idee gewordenen Guiscard, mit seiner zerrütteten geschwächten Gesundheit und mit den Mißverhältnissen, worin er mit seiner Familie zu stehen scheint, zusammen kombiniere, so erschrecke ich vor den Gedanken, die sich mir aufdrängen.
Chr. M. Wieland an Frh. v. Wedekind, 10. April 1804

Der Phöbus Kleist, der von Müller für tot gehalten wurde, ist von Prag wieder hier angekommen, und nachdem ich nun seine übrigen im Phöbus zerstreuten Arbeiten, besonders den Anfang des Käthchens von Heilbronn und der schönen Erzählung Kohlhaas gelesen, war ich recht erfreut, ihn lebendig zu wissen und zu sehn. Er ist ein sanfter, ernster Mann von zweiunddreißig Jahren, ungefähr von meiner Statur; sein letztes Trauerspiel Arminius darf nicht gedruckt werden, weil es zu sehr unsere Zeit betrifft; er war Offizier und Kammerassessor, kann aber das Dichten nicht lassen, und ist dabei arm.
Brentano an Görres Berlin, Mitte Februar 1810

Übrigens zeichnet sich auch dieses Werk, wie die frühern dieses Dichters, durch wahrhaft poetischen Geist, durch eine sprechende Charakteristik, und durch eine Vollkräftigkeit aus, die sich nur zuweilen ins Abenteuerliche verirrt. Daß man über diese Verirrungen, die doch – auch ein seltener Fall! – aus Übermaß an Kraft entspringen, den großen Wert dieses Dichters häufig verkennt, ist nur ein zu deutlicher Beweis, wie einsichtig noch immer die Ansichten mancher Kritiker sind, und wie sie, indem sie von der neuesten Poesie Übersichten geben wollen, gerade das Vorzüglichste übersehen. Wollte jemand aus einzelnen, das rechte Maß verfehlenden Stellen von Shakespeare – und an solchen fehlt es in keinem seiner besten Produkte – den Beweis führen, daß das Drama nichts wert sei – wie würde man ihn allgemein verspotten! Und doch erlaubt man sich ein solches geistloses Verfahren täglich gegen die ausgezeichnetsten Talente, sobald nur noch keine allgemeine Stimme ihre Trefflichkeit über alle Zweifel hinausgesetzt hat!
Fouque, Zeitung für die elegante Welt, 24. Mai 1811
Jürgen Hentsch: Sprecher der Kleist-Briefe
Ruth Glöss: Leserin aus einem Brief Henriette von Knebels an ihren Bruder
Volkmar Kleinert: Leser der Königlichen Kabinettsordern Friedrich Wilhelm III.
Dietrich Körner: Leser aus einem Brief Hardenbergs
an Kleist vom 26. Februar 1811

Hans-Dieter Lange: Leser von Meldungen und Daten
Dieter Mann: Leser aus Rousseaus „Gesellschaftsvertrag“
Willi Schwabe: Leser aus einem Brief Ifflands an Kleist
Jutta Wachowiak: Leserin aus einem Brief
Henriette Vogels an Kleist

Horst Weinheimer: Leser aus Heinrich Zschokke, Selbstschau


Auswahl, Zusammenstellung und Regie: Karin Lorenz

Auszüge aus Ludwig van Beethovens Klaviersonaten
in verwendeter Reihenfolge:
Sonate B-dur opus 22, 1. Satz
Sonate Es-dur opus 81a (Les adieux), 2. Satz
Sonate C-moll opus 13 (Pathetique), 2. Satz
Sonate f-moll opus 57 (Appassionata), 2. Satz
Sonate As-dur opus 26, 1. Satz
Sonate cis-moll opus 27 (Mondscheinsonate), 1. Satz
mit Dieter Zechlin

Tonregie: Karl Hans Rockstedt