Das singende springende Löweneckerchen

nach Brüder Grimm

Cover 1 2
LP LITERA 8 65 331
Covertext:
Das singende, springende Löweneckerchen
Es war einmal ein Vater, der hatte drei Töchter. Als er zur Messe fuhr, baten ihn die beiden älteren Kleider und Schuhe nach der letzten Mode für sie mitzubringen. Die jüngste, Hanna, aber wünschte sich einen kleinen Vogel, ein singendes, springendes Löweneckerchen. So sehr sich der Vater auch umschaute – so ein Tier konnte man nirgends kaufen. Er war schon auf dem Heimweg, da hörte und sah er ein singendes, springendes Löweneckerchen in einem Park hinter einem großem Tor. Er versuchte es zu fangen. Plötzlich bedroht ihn ein schrecklicher Löwe, der das Vögelchen bewachte. Der Vater steht Todesängste aus, aber der Löwe sagt: „Du kannst dich retten, wenn du mir das erste lebendige Wesen versprichst, das dir zu Hause begegnet.“ Der Vater verspricht es und hofft, es werde ihm zu Hause als erstes eine Mücke oder eine Maus begegnen. Als er aber nach Hause kommt, begegnet ihm zuerst Hanna. Während die Schwestern raten, den Löwen zu täuschen faßt sich Hanna ein Herz und geht, um den Vater zu retten, in den Park hinter dem Tor. Dort schläft sie ein. Sie wird von einem wunderschönen Prinzen geweckt. Er leidet unter einem Fluch: Tagsüber hat er die Gestalt eines Löwen, nur nachts darf er Mensch sein. Hanna und der Prinz verlieben sich ineinander, sie leben lange in Reichtum und Glück zusammen und freuen sich an den Wundern und Schönheiten der Nacht. Solange die Sonne scheint, schlafen sie. Aber bald erwacht in Hanna die Sehnsucht nach dem Vater und den Schwestern. Auch möchte sie wieder einmal die Sonne sehen. Sie bittet den Prinzen inständig, ihr den Besuch der Hochzeit ihrer Schwester zu gestatten. Am liebsten würde sie ihn mitnehmen. Tagsüber könne er doch in Hannas Zimmer bleiben, sie werde es abdunkeln und alle Ritzen verstopfen, damit kein Lichtstrahl zu ihm hereindringt. Ungern und schweren Herzens stimmt der Prinz zu. Während der Hochzeitsfeier öffnet eine neugierige Schwester die Tür zu Hannas Zimmer, es fällt Licht hinein. Vor den Augen der entsetzten Hanna verwandelt sich der Prinz in eine weiße Taube, die mit trauriger Stimme spricht: „Nun muß ich sieben Jahre als Taube fliegen. Aber alle sieben Schritte will ich einen roten Blutstropfen und eine weiße Feder fallen lassen. So kannst du mich erlösen, wenn du meiner Spur folgst.“ – Sieben Jahre folgt Hanna der Spur durch die halbe Welt. Dann findet sie keine Blutstropfen und Federn mehr. In ihrer Verzweiflung ruft sie Sonne, Mond und Wind zu Hilfe. Sonne und Mond wissen nicht, wo der Prinz ist, aber sie sprechen Hanna Mut zu. Die Sonne schenkt ihr ein Kästchen, das sie in der Not öffnen soll; der Mond schenkt ihr ein silbernes Ei. Der Wind hat den Prinzen getroffen und weiß ihn in großer Gefahr, aus der allein Hanna ihn retten kann, wenn sie ihn mit einem Schilfhalm berührt. Der Wind trägt Hanna über Länder und Meere bis weit nach Afrika hinein. Dort, wo sie landen, kämpft der Prinz in Löwengestalt mit einem abscheulichen Lindwurm. Hanna findet den Schilfhalm und berührt die Kämpfenden. Da wird der Lindwurm zu einer schönen Prinzessin und der Löwe wieder zum Prinzen. Beide verlieben sich auf der Stelle ineinander, und der Prinz folgt der lockenden Prinzessin, ohne Hanna auch nur anzusehen. Sie bleibt allein zurück. –
Hanna will aufgeben, schlafen, am liebsten sterben. Aber die Liebe ist stärker. Wieder macht sie sich auf den Weg und verfolgt den Prinzen. Nach vielen Abenteuern findet sie ihn bei der Prinzessin in einem Schloß hinter dem Glasberg. Dort ist es eisig kalt. Die Prinzessin bereitet die Hochzeit vor und hält Hanna für die Schneiderin, die das Brautkleid bringt. Sie öffnet neugierig das Kästchen von der Sonne, findet ein wunderschönes Brautkleid darin und fragt Hanna nach dem Preis. Hanna möchte nur eine Nacht am Bett des Prinzen verbringen. Das schöne Kleid lockt – die Prinzessin ist einverstanden. In dieser Nacht gelingt es Hanna nicht, den schlafenden Prinzen zu wecken. Wieder will sie aufgeben und wirft, da sie es nun nicht mehr nötig hat, das silberne Ei des Mondes weg. Als es zerbricht, verwandelt sich die kalte, öde Gegend in einen blühenden Sommergarten. Die Prinzessin ist begeistert und möchte auch den Garten haben. Hanna verlangt als Preis die Erlaubnis zu einer letzten Nacht am Bett des Prinzen. Der Garten lockt – die Prinzessin stimmt zu. In dieser Nacht singt Hanna dem Prinzen ein Lied von ihrer Liebe. Der Prinz erwacht in Löwengestalt. Er erkennt Hanna und trägt sie auf seinen Armen liebevoll davon. –

Barbara Honigmann,
geboren 1949. Abitur, Studium der Theaterwissenschaft
Dramaturgin in Brandenburg und Berlin.
Freischaffende Schriftstellerin.
Das singende, springende Löweneckerchen
als Theaterstück uraufgeführt 1980 in Zwickau.
Vater: Horst Drinda
Hanna: Swetlana Schönfeld
Bettina: Jalda Rebling
Christine: Petra Kelling
Löwe, Prinz: Frank Lienert
Diener, Mond: Hans Bergermann
Charles: Walter Plathe
Friedrich: Lutz Dechant
Sonne: Marion van de Kamp
Wind: Christian Steyer
Lindwurm, Prinzessin: Barbara Schnitzler
Fritz: Ulrich Voß
Franz: Jaecki Schwarz


von Barbara Honigmann
nach Brüder Grimm

Musik: Christian Steyer
Alle Instrumente: Christian Steyer
Regie: Jürgen Schmidt
Tonregie: Karl Hans Rockstedt

Mit Genehmigung des Henschelverlag,
Kunst und Gesellschaft, Berlin