Spejbls herzliche Metaferosen

LP SUPRAPHON 1118 2507
Covertext:
Spejbl und Hurvinek gehören zu den populärsten dramatischen Helden des tschechoslowakischen Theaters und es stört auf keinen Fall, daß es sich nur um Helden aus Lindenholz handelt und daß ihnen Andere Leben verleihen. Auch Marionetten können das Recht auf Unsterblichkeit gewinnen, wie es eine Reihe beliebter komischer Type im Puppentheater voriger Jahrhunderte beweist.

Spejbl und Hurvinek hatten von Anfang an gute Voraussetzungen dazu. Sie sind aus gutem Behagen und guter Laune entstanden, aus der Sehnsucht nach Vermittlung der Freude und mit der ernsten Absicht, mit Hilfe von Puppen den Leuten einen krümmen Spiegel ihrer Tugend und Untugend entgegenzustellen. Sie sind schon ziemlich lange da in dieser Welt: Spejbl betrat die Bretter, die die Welt bedeuten, zum erstenmal schon im Jahre 1920, sein unruhiger Sohn Hurvinek um sechs Jahre später. Ihre plastische Gestaltung ist ein Werk der geschickten Holzschnitzer Karel und Gustav Nosek von Pilzen und das Leben hat ihnen der CSSR-Nationalkünstler, Prof. Josef Skupa (1892-1957) eingenhaucht. Und schon von Anfang an haben sie die Sympathien der kleinen wie auch der großen Zuschauer gewonnen. Nach den ersten Soloauftritten und Dialogen wurden sie allmählich Helden einer ganzen Serie von dramatischen, Geschichten, Revuen, Schwänken mit Gesängen und Komödien. Das Theater Spejbl und Hurvhek, das sich als die erste moderne professionelle Puppenbühne in der Tschechoslowakei im Jahre 1930 konstituierte, hat bis heute über 160 Komödien Revuen und Bühnenfolgen aufgeführt, in denen Spejbl und Hurvinek ganz alltäglich wie auch außerordentlich phantastische Abenteuer erlebten. Schon in den dreißiger Jahren verbreitete sich ihre Popularität durch die Schallplatten; ebenso erfolgreich meditierten sie vor dem Rundfunkmikrophon, kühn und mutig sind sie vor die Film- und Fernsehkamera vorgetreten und ihre Geschichten sind für die Leser auch in Zeitschriften und Büchern erhalten.

Trotz aller verrückten Geschichten, in denen sie Exkursionen in die Vergangenheit und Zukunft, in unbekannte Winkel unseres Landes, wie auch zur bewundernswerten kosmischen Zivilisation unternommen haben, sind ihre Domäne Dialoge, Diskussionen auf der Vorbühne geblieben, die in die visuellen Programme der Puppenauftritte eingeschlossen wurden, von einem Thema zum anderen flatternd je nach Laune der Autoren. Erziehung, Schule, Generationsstreite, Erfahrungsaustausch, die immer aktuellen Fragen des Charakters und der Stelle eines Einzelnen in der Gesellschaft, Freundschaft, Sex und Liebe, all das sind Themen ihrer Gespräche, die trotz aller Verschiedenheit eine gemeinsame Anregung haben: alles wird mit einer optimistischen Ansicht der Welt gelöst, ohne Schadenfreude und Bosheit, und mit einem freundlichen, verständnisvollen, aber auch aufmunternden Lächeln.

Das sind Spejbl und Hurvinek, die tschechischen Marionetten, die sich würdig zur Seite ihrer großen Vorläufer, wie Punch, Guignol, Petruschka, Hanswurst, Karagöza und anderer mit menschlicher Dummheit und Bosheit kämpfenden komischen Helden angereiht haben.

Das Theater Spejbl und Hurvinek ist im Jahre 1945 aus seiner ersten Wirkungsstätte in Pilzen nach Prag übersiedelt und seine Geschichte begannen nach dem Tod seines Gründers die Schüler Prof. Skupas zu schreiben. Wesentlich erhöhte sich auch die Zahl der Auslandsreisen und die Popularität beider Puppen hat bald die Grenze des Landes überschritten wo sie eigentlich zu Hause sind, vor allem seitdem der Nachfolger vom Prof. Skupa, verdienter Künstler der CSSR, Milos Kirschner (geb. 1927), seit 1966 Direktor des Theaters, die S+H Dialoge in der Sprache des Landes zu interpretieren begann, wo das Theater gerade gastierte.
Bis heute trat das Theater Spejbl und Hurvinek in 25 Ländern von vier Kontinenten auf und seine Protagonisten sprachen fünfzehn Sprachen: außer englisch, deutsch, russisch und französisch war es auch auf flämisch, arabisch und japanisch.

Außer Tschechoslowakei sind Spejbl und Hurvinek sehr beliebt vor allem im deutschsprachigen Gebiet. Das Theater spielt fast regelmäßig in der BRD, DDR und Westberlin, und Spejbl und Hurvinek treten dort oft im Rundfunk und Fernsehen auf. Die außerordentliche Sympathie, der sich dort Spejbl und Hurvinek erfreuen, beweist auch die dritte Auflage ihrer Texte im Henschelverlag Berlin, deren Auswahl in Kürze die Dramaturgie der letzten zwanzig Jahre erfaßt. Eine ähnliche Probe des eigenartigen Humors von Spejbl und Hurvinek ist auch diese Schallplatte.
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Was ist das eigentlich Lachen
Menschheit groß, aber Mensch klein
Archimedes
Eierlikör


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Pflaumenmus-Vision
Das Horoskop
Der Bürokrat


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Spejbl, Hurvinek: Milos Kirschner
Hündchen Zeryk: Miroslav Cerny
Herr Sulc: Bohuslav Sulc
Manicka: Helena Stachova


Autoren: Milos Kirschner (1, 2), Frantisek Nepil (3, 4),
Jiri Streda (5, 6), Volker Marks (7)
Deutsche Übersetzung: Vera Labska (1-4), Volker Marks (5-7)

Regie: Jiri Sramek

Tonmeister: Jiri Bartos
Schnitt und Mix: Ivan Mikota

Originalaufnahme Supraphon, Prag, CSSR
Studio Lucerna
30. 1. - 1. 2. 1979