Wunderbare Reisen zu Lande, zu Wasser und durch die Luft des Freiherrn von Münchhausen, wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegte.

frei nach Gottfried August Bürger
LP LITERA 8 65 330
Covertext:
Alt und jung, Tausende und aber Tausende haben gelesen und lesen immer erneut die „Wunderbaren Reisen und lustigen Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen“. Er hat wirklich gelebt, der Junker Baron Hieronimus Carl-Friedrich von Münchhausen, das ist keine Mär. Von 1720 bis 1797. Und er hat auch wirklich als Soldat in Rußland gedient und wahrscheinlich auch am Türkenkrieg teilgenommen. Hieronimus von Münchhausen war ein leidenschaftlicher Jäger, und er lud sehr gerne Freunde zu Gast in sein Haus, um mit ihnen bei ein, zwei Flaschen Wein oder einem Glas Punsch zu plaudern und ihnen allerlei Schnurren und Abenteuer zu erzählen. Die Geschichten, die der Baron erzählt hat, dürfte er zum größten Teil nicht selber erfunden haben. Die meisten waren bereits aufgeschrieben: in Schwanksammlungen, in überlieferten Texten aus der griechisch-römischen Antike, in walisischen Prosaromanen des 13. Jahrhunderts, in Heiligenlegenden und natürlich vor allem in den Märchen. Aber der Baron hat seine Geschichten gewiß nicht aus den alten Büchern geholt. Dazumal wurden die Märchen und Geschichten, obwohl manchmal bereits aufgeschrieben, von Mund zu Mund überliefert, ohne daß jemand nach ihrem Ursprung gefragt hätte.

Von Münchhausen wird berichtet, er habe am abendlichen Kaminfeuer Großmäuler und Möchtegerne, die faustdicke Lügen als Wahrheit auszugeben versuchten, durch sein lebhaftes Erzählen und seine fantasiereichen Lügengeschichten spöttisch übertrumpft und parodiert und sie dadurch ob ihres Prahlens  und Aufschneidens zum Schweigen gebracht oder, weil seine Gäste bei seinen Erzählungen schallend gelacht hatten, die Prahlhänse zum Mitlachen bewegt, daß sie zu guter Letzt, ohne sich gekränkt zu fühlen, ihr Angeben und Flunkern eingestanden.

Baron von Münchhausen hat die Geschichten nicht selber aufgeschrieben. Einer seiner Gäste, wir werden nie erfahren, wer es war, hat 1781 in dem Berliner Anekdoten- und Witzblatt “Vade Mecum für lustige Leute“ Münchhausens Schnurren und Lügen veröffentlicht. Sie kamen 1785 einem Mann namens Rudolf Erich Raspe in die Hände. Er nahm die Geschichten aus dem Witzblatt, gab ein paar Geschichten aus verschiedenen alten Büchern hinzu und veröffentlichte das Büchlein in England. Raspe verfolgte mit seinem „Münchhausen“ die Absicht, Lügner und Prahlhälse, ja sogar gewisse Schreier im englischen Parlament auf ironische Weise zur Wahrheit zu erziehen. Nun ist zu bezweifeln, ob ihm das gelungen ist.

Das Buch kam dem deutschen Dichter Gottfried August Bürger vor die Augen, der es sofort ins Deutsche übertrug, wobei er mit dem englischen Text recht frei umsprang, manche satirische Anspielung auf deutsche Verhältnisse einfließen ließ, die Sammlung um acht Geschichten erweiterte, die er ebenfalls alten Schriften entnahm und nachdichtete und das Buch unter dem Titel „Wunderbare Reisen des Freiherrn von Münchhausen“, ohne seinen Namen zu nennen, herausgab. Daß Gottfried August Bürger der Übersetzer und Nachdichter war, wurde erst nach seinem Tode bekannt. Bürger hat unter anderem nachweisbar Episoden aus dem von Christian Reuter geschriebenen Buch „Schellmuffsky, Kuriose und sehr gefährliche Reisebeschreibungen zu Wasser und zu Lande“, das 1692 erschien, verwendet. Aber während Christian Reuter den großmäuligen Spießbürger verewigt, der dem Adel gleich sein möchte und, um seine Armseligkeit zu verbergen und mehr zu scheinen, als er ist, nicht genug aufschneiden kann, nimmt Bürger die Großmannssucht des verarmenden Adels aufs Korn. Indes ging es Gottfried August Bürger nicht nur um ein Auslachen, ihn erfreute in den Schnurren das Spiel mit dem Unmöglichen, das die Menschen schon seit Jahrtausenden vergnügt – in den Erzählungen am Feuer der Nomaden und Jäger der Vorzeit wie in der Literatur unserer Tage - und das sie hoffentlich immer vergnügen wird. Das Unmögliche wird wahrscheinlich, weil die Naturgesetze und die Vernunft außer Acht gelassen werden und wir ins Reich der Phantasie auffliegen. Jeder weiß, daß das, was erzählt wird, nicht wahr, daß es unmöglich ist, aber keiner fühlt sich dadurch getäuscht, im Gegenteil, jedermann wird verzaubert oder lacht und freut sich über die verrückten Ideen. Gottfried August Bürger hat uns ein wunderschönes deutsches Volksbuch hinterlassen.

Wir haben aus den vielen Geschichten ein paar der schönsten ausgewählt. Darunter einige, die Bürger hinzugeschrieben hat, so der Entenfang mit Speck, der Ritt auf der Kanonenkugel, Münchhausens Abenteuer mit den fünf brauchbaren Subjekten, die Wette zwischen Münchhausen und dem türkischen Großsultan sowie die Taten der hinteren Hengsthälfte. Unser Anliegen ist es, denen Vergnügen zu bereiten, die gerne verrückte Geschichten hören und ihnen Mut zu machen, unmögliche Abenteuer, Märchen und phantasiereiche Geschichten zu erfinden und zu erzählen, wenn sie den Zuhörer nur wissen lassen, daß es eine Geschichte des freien Spiels ihrer Phantasie ist.

Dieter Wardetzky
Münchhausen: Kurt Böwe
1. Gast: Walter Wickenhauser
2. Gast: Andreas Dölling
3. Gast: Joachim Konrad
4. Gast: Dieter Schaarschmidt


Frei nach Gottfried August Bürger
Schallplatteneinrichtung: Dieter Wardetzky

Musik: Gerhard Rosenfeld
Mitglieder der Staatskapelle Berlin
Solist: Otto Rühlemann (Panflöte)
Leitung: Gerhard Rosenfeld
Einstudierung des Gästechores: Heinz-Peter Köhler
Geräusche: Heinz Heppner

Regie: Dieter Wardetzky
Tonregie: Karl Hans Rockstedt
Schnitt: Rita Seddig