„... nun lebt wohl und werdet Kämpfer!“
Letzte Briefe und Zeugnisse aus Hitlers
Konzentrationslagern und Zuchthäusern

LP LITERA 8 65 449
Covertext:
Mit diesem Programm trat Hanne Hiob, älteste Tochter Bertolt Brechts, in folgenden Städten auf:

1985
Dachau

1986
Nürnberg, Würzburg, Schweinfurt, Linz, München (mehrmals)

1987
Wien, Günzburg, München, Stuttgart, West-Berlin (mehrmals), Hamburg, Regensburg, Passau, Augsburg, Nürnberg, Ulm, Tübingen, Karlsruhe, Strassbourg, Rüsselsheim, Frankfurt M, Göttingen, Braunschweig, Hannover, Duisburg

1988
Tournee durch Osterreich: Wien, St. Pölten, Pressbaum, Steinach, Leoben, Oberschützen, St. Johann im Pongau, Salzburg, Bad Ischl, Saalfelden. Augsburg, Göppingen, Gießen, Gelsenkirchen, Hagen, Bremen

1989
Waiblingen, Stuttgart, Saarbrücken, Düsseldorf, Duisburg , Recklinghausen, Bielefeld, Wuppertal, Hamburg u. a.



Aus Pressekritiken:
„Wenn der ganze Himmel aus Papier wäre und alle Meere voll mit Tinte, ich könnte Euch das ganze Leid nicht beschreiben, das mir zustößt und das ich sehe ...!“ beginnt der Brief des 14jährigen Chaim. Ein Bauer hatte ihn durch den Stacheldraht des KZs entgegengenommen, um ihn den Eltern des jüdischen Kindes zu überbringen.
Grund genug gibt es ja wieder, um unermüdlich zu warnen ... Immer wieder und unerbittlich. Hanne Hiob ist eine Frau, die ihr ganzes Leben diesem Wachhalten, dem Aufrütteln und dem Anklagen verschrieben hat ...
(Waiblinger Kreiszeitung 14. 3. 89)

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Klein, hager und streng sitzt Hanne Hiob im Bühnenlicht um die erschütternden Briefe vorzutragen: zutiefst intime und aufrichtige Zeugnisse aus finsteren Zeiten. Ruhig und verhalten berichtet sie von Deportationen und Mißhandlungen aber auch von der enormen Leidensfähigkeit und dem unbeugsamen Lebenswillen jener, die wußten, daß sie vergast, erschossen oder enthauptet werden würden. Freilich führt die engagierte Schauspielerin ihre Zuhörer dabei nicht nur in Trauer und Resignation.
... mehrmals durchbricht die Hiob das enge Korsett ihres trockenen, beinahe teilnahmslosen Duktus. Ihre Stimme wird lebendiger sogar heiter, und die Abschiedsbriefe künden dann auch, für kurze und kostbare Sekunden, von einer trotzigen Zuversicht.
(Roland Müller, Stuttgart, Nov. 1988)

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Zur Zeit reist die kleine, zierliche Frau durch „die ganze BRD“ und trägt die Briefe aus Konzentrationslagern vor. „Hauptsächlich trete ich in Universitäten und Schulen auf“, sagt sie, ..., „für die jungen Menschen sind diese Dokumente ja am wichtigsten.“ Auch in Augsburg und Günzburg wollte sie in Schulen auftreten, erzählte Hanne Hiob, aber der Stadt war ihr Programm „zu einseitig“. „Was kann an den schmerzlichen Briefen Verfolgter einseitig sein?
Vielleicht sollte ich nach jedem Brief eine nationalsozialistische Hymne singen – wäre das dann ausgewogen?“
(Ulrike Heidenreich, Passau 1988)

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Schon seit vier Jahren ist sie mit diesem Programm unterwegs und hat dabei manche Überraschung erlebt: Bombendrohungen und Skin-Head-Aufmärsche sowie Auftrittsverbot, zum Beispiel in ihrer Vaterstadt Augsburg ... Die Hiob wechselte in ihrer Lesung oft den Ton, war kämpferisch-(an)klagend, aber auch ironisch und leicht provozierend. Natürlich will sie mit ihrem bösen Humor den Aktualitätsbezug unterstreichen, den heutigen Rassismus und die alltägliche Fremdenfeindlichkeit sichtbar machen, an Republikaner und Deutsche Volksunion erinnern. Die lange, sich anschließende Diskussion zeigte, daß es Hanne Hiob gelang, ein engagiertes Gespräch in Gang zu setzen. Doch leider driftete dies oft genug von eigentlichen Thema ab und machte somit deutlich, wie zersplittert der Antifaschismus heute auftritt ...
(Saarbrücker Zeitung, 13. 3. 89, Lutz Tantow)

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Nach einer (im Anschluß an Hanne Hiobs Lesung) teilweise heftig geführten Auseinandersetzung entschloß sich die große Mehrheit der Anwesenden, einem Brief an die Türkische Botschaft in Bonn zuzustimmen, in dem gegen die unmenschliche Behandlung der politischen Gefangenen in der Türkei protestiert wurde ...
(Göppingen, 1988, St.)

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Ihr (Hanne Hiobs) Schlußwort gab zu einer längeren (kontroversen) Diskussion Anlaß ...
... Der Meinung eines gefeierten Parteivorsitzenden, der bereits 1969 formulierte: ,Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts mehr hören zu wollen‘, war aber in diesem Auditorium wohl niemand.
(Eichenau, Nov. 88, Adolf Karl Gottwald)

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Es sind die Leiden all der Millionen, die den schlimmsten Verbrechern der Menschheit zum Opfer fielen, die in diesen, zumeist kurzen, aber bewußt gewählten Texten so komprimiert und bedrückend deutlich werden, daß erst die Sätze des Haydn-Streichquartetts Raum zum Begreifen des Gehörten geben werden. Wenn sie sich überhaupt begreifen lassen, die erschütternden Texte jüdischer Opfer von Homosexuellen, von Zigeunern, von Arbeitern.
Daß der Faschismus kein abgeschlossenes Kapitel der Geschichte ist, beweist Victor Jaras berühmt gewordener letzter Text aus dem Stadion von Santiago de Chile – und auch den Veranstaltern vom DGB-Ortskartell ist es darum zu tun, am Sonntag auf Zusammenhänge hinzuweisen. Beispielsweise auch darauf, daß Opel und mit ihm bis zum Kriegseintritt Amerikas auch der General-Motor-Konzern an der Tötungsmaschinerie des NS-Regimes mitproduzierte und mitverdiente.
(Rüsselsheimer Echo, 1987)

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Wir denken, daß in dieser Zeit der „Neuen Unbefangenheit“, der Verdrängung, in dieser Zeit der Verabschiedung aus der deutschen Geschichte, in der die Verantwortung für Auschwitz langsam, schleichend, gestern mit Andeutungen, heute mit abstrakten Vergleichen und morgen mit starken Worten, an Opfer von Auschwitz übertragen wird, daß in dieser Zeit der Kohls, der Noltes, der Fests und der Geislers, die Erinnerung an den Faschismus wachgehalten werden muß ...
(Programmzettel zu „... nun leb wohl und werdet Kämpfer“ von der Evangelischen Studentengemeinde der Universität Göttingen, 25. 11. 88)
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Introducione, Maestoso ed Adagio
Fragment einer Chronik

Largo
Schicksal der Zigeunerkinder aus
der St. Josephspflege in Mulfingen


Grave e Cantabile
Vier Widerstandskämpfer

Grave
Briefe einer unbekannten Jüdin
Largo


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Das Schicksal der Homosexuellen

Adagio
Fiete Schulze

Lento
Hermann Danz

Largo
Brief eines jüdischen Jungen
Jewgeni Jewtuschenko: Solang die Mörder leben auf der Welt

Presto
Persönlicher Appell von Hanne Hiob
darin Bertolt Brecht: „Oh, ihr Unglücklichen“


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Letzte Briefe aus dem KZ,
ausgewählt, gelesen, kommentiert: Hanne Hiob

Aus dem Streichquartett op. 51, 1-9
„über die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“
von Joseph Haydn
Suske - Quartett

Regie der Schallplattenaufnahme: Jürgen Schmidt
Tonregie: Karl Hans Rockstedt
Schnitt: Rita Seddig