Peter und Wolf op.67
Ein musikalisches Märchen

von Sergej Prokofjew
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Der Karneval der Tiere


von Camille Saint-Saëns

LP ETERNA 8 27 771
Covertext:
Die vorliegende Schallplatteneinspielung vereint zwei Werke, die auf amüsante Weise Erscheinungen und Vorgänge der Natur und der Tierwelt musikalisch wiedergeben. Immer wieder wurden Komponisten zum Porträtieren in Tönen angeregt. Schon Ignaz Biber und Antonio Vivaldi, Joseph Haydn in seiner „Schöpfung“ oder Ludwig van Beethoven in seiner 6. Sinfonie, der „Pastorale“, haben solche Naturnachahmungen mit ästhetischem Effekt realisiert. Sie zielen weniger auf das Wesen musikalischer Aussage, regen jedoch die Phantasie durch außermusikalische Assoziationen an.

Der Franzose Camille Saint-Saens, Zeitgenosse von Georges Bizet, Charles Gounod, Cesar Franck und Claude Debussy, galt als einer der geschmackvollsten musikalischen Stilisten seiner Zeit. Seine Klanggestaltung ist weniger von Experimenten oder harmonischen Kühnheiten geprägt als von durchsichtiger Klarheit und satztechnischem Können. Aus seinem umfänglichen Schaffen überlebt nur wenig. Von seinen Opern wurde neben „Heinrich VIII.“ (nach Shakespeare) nur „Samson und Dalila“ bekannt (von Franz Liszt 1877 in Weimar uraufgeführt). Kaum begegnet man im Konzertsaal einer der drei Sinfonien oder einem der fünf Klavierkonzerte, ganz selten einem der drei Violinkonzerte, Öfter schon, wenigstens an den musikalischen Ausbildungsstätten einem der beiden Violoncellokonzerte. Populär aber wurde „Der Schwan“ (schon um die Jahrhundertwende getanzt als „Sterbender Schwan“), jenes Cellosolo aus dem „Karneval der Tiere“, einer „zoologischen Fantasie“, die der Meister, der auch als Klaviersolist, Organist und Dirigent reiste, auf einer Konzerttournee im Februar 1886 in Österreich „zur Erholung“ von „sinfonischer Arbeit“ (in der Zeit skizzierte er seine bedeutsame 3. Sinfonie für Orchester und Orgel) niederschrieb. Diese „Grande Fantaisie zoologique“, für ein Fastnachtskonzert beim Cellisten Lebouc gedacht, war für zwei Klaviere, Flöte, Klarinette, Xylophon, Harmonika und Streichquintett arrangiert. Eine Aufführung im engen Kreise fand am 9. März 1886 statt. Einige Wochen später am 2. April, wurde sie zu Ehren von Franz Liszt, der kurz in Paris weilte, wiederholt. Die Veröffentlichung des Werkes fand jedoch erst nach Saint-Saëns Tode im Jahre 1922 statt.

„Le Carnaval des Animaux“ besteht aus einer Introduktion, 13 Tierporträts und einem zusammenfassenden Finale. Charakteristische Züge in Haltung, Gangart und akustischer Äußerung werden zur Inspiration für kleine Genrestücke. Der „Königsmarsch des Löwen (1) bringt neben dem königlichen Gang das schreckenauslösende Brüllen des Raubtiers zum Ausdruck. „Hühner und Hähne“ gackern und kikerikien lautmalerisch im zweiten Satz. Die „Wilden Esel“ rasen im „Presto furioso“ über die Klaviatur. Die „Schildkröten (4) kriechen behäbig zu den Klängen des verlangsamten „Orpheus“ - Cancan Offenbachs, während der „Elefant“ (5) zu einem Kontrabaßsolo unter Benutzung von Berlioz’ „Tanz der Sylphiden“ (!) aus „Fausts Verdammung“ tänzelnd voranschreitet. Die Pianisten imitieren die Sprünge der „Känguruhs (6), Flötenkantilene und disparate Klavierarpeggien das flimmernde Wasser des „Aquariums“ (7). Eselschreie der Violinen prägen die „Persönlichkeiten mit den langen Ohren“(8), und der „Kuckuck“ (9) wird von der Klarinette dargestellt. Das „Vogelhaus“ (10) gibt dem Flötisten virtuose Möglichkeiten. In Nr. 11 (Die Pianisten) präsentieren sich die verbissen übenden Eichhörnchen und in Nr. 12 (Fossilien) Themen bekannter Komponisten wie Mozart (Klaviervariationen über „Ah! Vous dirai-je, maman?“) und Rossini (Kavatine der Rosine aus dem „Barbier von Sevilla“). Das Xylophon intoniert humorig das Thema des Saint-Saënsschen „Totentanz“. „Der Schwan“ für Violoncello und Klavier ist die vorletzte Nummer dieser „Zoologischen Fantasie“, die im Finale rondohaft Zitate der vorangehenden Sätze wieder aufklingen läßt, ein letztes Rätseln in diesem witzig-humorvollen Werk.

Einer mehr methodischen Absicht diente der sowjetische Komponist Sergej Prokofjew, der von Natalja Saz, der Prinzipalin des gerade eröffneten „Zentralen Kindertheaters“ in Moskau, 1936 den Auftrag übernahm, eine Art musikalisches Märchen zu schaffen, das Kinder zum aufmerksamen Hören animiert und ihnen die Instrumente des Orchesters vorstellt. Bereits im gerade beendeten Shakespeare-Ballett „Romeo und Julia“ gelang Prokofjew die natürliche Verbindung von klar umrissenen Charakteren mit der dramatischen Form eines Handlungsballetts. Dort für Erwachsene – hier einfach und doch kunstgerecht für das in seiner spontanen Reaktionsweise anspruchsvollste Publikum – für Kinder.

Der Komponist selbst entwarf den Text des Märchens. Es ist die Geschichte des Pioniers Peter, eines großen Tierliebhabers (der kleine Vogel ist gar sein Freund!) und aufmerksamen Tierbeobachters, der gegen den Willen seines poltrig besorgten Großvaters seine Jagdleidenschaft entdeckt und den Wolf, den Feind der schwachen Tiere (Ente, Katze, Vogel), einfängt. Die herbeieilenden Jäger mit ihren Flinten können nichts weiter tun, als den von Peter lebend gefangenen Wüterich in den Zoo zu bringen. Ein großer Erfolg des Jungen, den auch der Großvater mit seinem „Na ja, aber wenn ...“ nicht zu schmälern vermag.

Im Vorwort der Partitur vermerkt Prokofjew, daß vor der Aufführung die Instrumente mit ihren Leitmotiven vorgestellt werden sollen: „Der Vogel durch die Flöte, die Ente durch die Oboe, die Katze durch das Staccato im tiefen Register der Klarinette, der Großvater durch das Fagott, der Wolf durch drei Hörner, Peter durch das Streichquartett, die Gewehrschüsse durch Pauke und große Trommel.“

Aber nicht bloße Lautmalerei herrscht vor, wie die Anlage des Märchens vermuten lassen könnten es werden vielmehr ausdrucksvolle und sich leicht einprägende Melodien, Leitthemen, verwendet, die das ganze Werk mit einem Netz von Beziehungsfäden versehen. Sie sind mit realistischer Treffsicherheit erfunden: sei es der Vogel, der durch ein zwitscherndtirilierendes Motiv gekennzeichnet ist oder die Ente mit ihrem trägen, fast wehleidigen Gequake, sei es die auf „Sammetpfoten schleichende“ Katze, das furchterregende Grollen des Wolfs oder die dargestellten Menschen: der freundliche, mutige Peter und der griesgrämige alte Großvater, auf Pantoffeln einherschlürfend. Diese Themen bestimmen leitmotivartig die Struktur der dreiteiligen Komposition (A: Aufstellung der Themen, B: dramatische Durchführung der Kampf mit und um den Wolf, A’: Triumphmarsch, Reprise der Themen). Sie erleben verschiedene Verwandlungen, je nach der Situation, in die die handelnden Personen geraten. Mit genial einfachen Mitteln wird eine Stimmung anschaulich eingefangen, und sei es nur durch eine kleine Beigabe wie zum Beispiel einen Triller zur Darstellung der vor Angst schlotternden Katze auf dem Baum, um den der Wolf schleicht. An anderer Stelle wird das Herablassen des Seiles, mit dem der Wolf gefangen werden soll und das sich sogar in den Äste des Baumes verfängt, durch eine abwärts gleitende Tonleiter festgehalten.

Prokofjew arbeitete mit großer Begeisterung an diesem Werk, das am 15. April 1936 in Klavierskizze und am 24. April in Partitur vorlag. Die Aufführung erfolgte unter der Leitung des Komponisten vor Kindern in der Moskauer Philharmonie am 2. Mai 1936.

Friedbert Streller (1984)













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PETER UND DER WOLF op. 67
von Sergej Prokofjew
Text: Claus Greuner


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DER KARNEVAL DER TIERE
von Camille Saint-Saëns
Text: Loriot

Königlicher Marsch des Löwen
Andante maestoso - Allegro non troppo - Piu allegro

Hühner und Hähne
Allegro moderato - Animato

Wilde Esel
Presto furioso

Schildkröte
Andante maestoso

Der Elefant
Allegretto pomposo

Känguruh
Moderato

Das Aquarium
Andantino

Persönlichkeiten mit langen Ohren
Tempo ad libitum

Der Kuckuck
Andante

Das Vogelhaus
Moderato grazioso

Die Pianisten
Allegro moderat0

Die Fossilien
Allegro ridicolo

Der Schwan
Andantino grazioso

Finale
Molto allegro

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Sprecher: Karlheinz Böhm

Alfons und Aloys Kontarsky, Klaviere
Wolfgang Herzer, Solo-Violoncello
Wiener Philharmoniker
Dirigent: Karl Böhm

Übernahme von der Deutschen Grammophon
Gesellschaft m.b.H., Hamburg/BRD


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