Peter und der Wolf op.67
Ein musikalisches Märchen für Kinder

von Sergej S. Prokofjew
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Orchesterführer für junge Leute op.34

von Benjamin Britten
Variationen und Fuge über ein Thema von Purcell

LP ETERNA 8 26 305
Covertext:
Diese Schallplatte vereint zwei der schönsten, bereits klassisch gewordenen Musikstücke der Gegenwart, die der Jugend gewidmet sind, aber ebenso älteren Hörern Freude bereiten. Sie stammen von zwei führenden Komponisten unseres Jahrhunderts, die, neben ihren großformatigen Werken, viele Stücke knapper Prägung und unmittelbarer Verständlichkeit geschrieben haben. Beide Werke gehören zum festen Repertoire der neuen Musik, werden in aller Welt geliebt und verstanden.

Sergej Prokofjew schrieb das musikalische Märchen „Peter und der Wolf“ op.67 im Jahre 1936 innerhalb einer Woche; am 2. Mai 1936 wurde es in einem festlichen Konzert vor Kindern in der Moskauer Philharmonie unter seiner Leitung uraufgeführt. Als Besetzung benötigt es lediglich ein kleines Orchester (allerdings mit viel Schlagwerk) und einen Erzähler, die Worte stammen von Prokofjew selbst. Die Geschichte vom kleinen Peter, der mit Hilfe des Vogels den bösen Wolf einfängt und ihn schließlich im Triumphzug gemeinsam mit den herbeigeeilten (jedoch zu spät gekommenen) Jägern zum Zoo befördert, wird mit freundlicher Naivität und größter Anschaulichkeit erzählt. Die Musik wird diesem Sujet in überlegener Weise gerecht, Prokofjews seit der Klassischen Sinfonie (1917) bewahrtem Stile geistvoller Simplizität und Vitalität getreu. Zu Beginn stellt der Komponist die wichtigsten, die handelnden Personen (bzw. Tiere) charakterisierenden Instrumente und Motive vor. Im Wechsel mit dem Orchester, aber zunehmend auch gleichzeitig mit ihm, rollt das Geschehen an uns vorüber. Es gelingt Prokofjew, die ebenso belehrende wie amüsante Handlung mit plastischen und zugleich sehr differenzierten musikalischen Mitteln zu verdeutlichen und zu vertiefen. Tonmalerische Effekte üben in diesem Rahmen einen ganz besonderen Reiz aus, wesentlich aber ist die starke melodische Entfaltung und die scharfe Charakterisierung der Personen und Situationen, so, wenn sich Peters fröhliches, jungenhaftes Wesen in der kecken und doch besinnlichen Anfangsmelodie äußert, die dumme Ente in der Oboe quakt, die Katze auf „Sammetpfoten“ in der Klarinette einherschleicht oder der besorgte Großvater im tiefen Fagott seinen – wenig beachteten – Rat gibt. Das Stück ist in jedem Takt mit leichter Hand geschrieben, es ist ein überzeugendes Werk des sozialistischen Realismus. Peters Triumphmarsch am Schluß ist auch der Triumph des genialen Musikers Prokofjew, der mit solchen Tönen die großen und kleinen Hörer aller Welt gewonnen hat; es ist nicht zuletzt ein Triumph der Melodie und des freundlichen musikalischen Humors, mit schlichtesten Mitteln zu Herzen sprechend, dabei keineswegs auf satztechnische Kunststücke – die hier besonders hübsch mit der Handlung korrespondieren – verzichtend. Prokofjew bewies mit diesem Werk auf überlegene Weise und gleichsam nebenbei, wie man gehaltvoll und einfach zugleich musizieren kann.

Die Purcell-Variationen schrieb Benjamin Britten im Jahre 1945; sie wurden für einen didaktischen Film komponiert und sollten als Orchesterdemonstration vor Kindern fungieren. Für diese Zwecke hat die ursprüngliche Fassung (es gibt noch eine Konzertfassung ohne Sprecher) einige Takte mehr. Ein Sprecher vermittelt in anschaulicher Weise Kenntnisse über die einzelnen Instrumente bzw. Instrumentengruppen. Das Ganze ist aus dieser Bestimmung heraus sehr systematisch aufgebaut.
In schlichter Art wird auf die spieltechnische Besonderheit einer jeden Variation eingegangen; insofern hat dieses Werk eine ähnliche pädagogisch-instrumentenkundliche Absicht wie Prokofjews Stück. Das würdig schreitende Thema von Henry Purcell, dem bedeutendsten englischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, wird zunächst sechsmal – im vollen Orchester, dann in den genannten vier Gruppen, schließlich wie zuerst – in seiner Originalgestalt vorgeführt. Daran schließen sich 13 Variationen, die in ihrem klanglichen Reiz, in ihrer Vituosität und ihrer Instrumentengerechtheit – jede der Variationen, die wieder in vier Gruppen geordnet sind, läßt ein Instrument solistisch hervortreten – zu den glücklichsten Schöpfungen des Komponisten gehören. Eine wirbelnde Fuge, deren Thema ebenfalls aus der Purcell-Melodie gewonnen ist, führt das Stück zu virtuosem Abschluß, von der Originalform des Themas wirkungsvoll gekrönt. Natürlich ändert sich jeweils nicht nur die Instrumentation, sondern auch der Charakter des Themas, das bald als pompöser Marsch, bald als elfenzartes Scherzo, bald als gefühlvolles Lento. einmal auch als brillante Polacca erscheint. Die Verbindung vom musikpädagogischen und virtuos-musikantischen Zügen, die Vereinigung von echter Traditionsbindung und Modernität machen das vielgespielte Werk zu einem wesentlichen Beitrag der englischen Musik im 20. Jahrhundert.

Auf dieser freundlichen Ebene treffen sich die beide auf dieser Schallplatte vereinigten Werke; sie beweisen, wie lebensvoll, volkstümlich und zugleich musikalisch hochentwickelt bedeutende Gegenwartsmusik ist und wie künstlerische Qualität aus echtem humanistischem Anliegen erwächst.
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PETER UND DER WOLF op.67
Ein musikalisches Märchen für Kinder
von Sergej S. Prokofjew (1891-1953)
Text: Sergej S. Prokofjew


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ORCHESTERFÜHRER FÜR JUNGE LEUTE op.34
(The Young Person’s Guide to the Orchestra)
von Benjamin Britten (geb. 1913)
Variationen und Fuge über ein Thema von Purcell
Kommentare nach Eric Crozier

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Sprecher: Rolf Ludwig

Staatskapelle Dresden
Dirigent: Herbert Kegel
Musikregie: Reimar Bluth

Tonregie: Claus Strüben/Horst Kunze