Pinocchios Abenteuer
Oper für Kinder

von Kurt Schwaen
frei nach Carlo Collodi

LP NOVA 8 85 054
Covertext:
Abenteuer mitzuerleben, ist etwas Wunderbares! Liebe Kinder, Ihr werdet auf dieser Schallplatte von unglaublichen Begebenheiten erfahren: Ein holzgeschnitzter Hampelmann erwacht zum Leben und wird allmählich ein richtiges Menschenkind! Ihr kennt ihn, diesen Pinocchio (sprich: pinockio), vielleicht schon. Carlo Collodi hat sich die Figur und ihre Erlebnisse vor fast ein hundert Jahren ausgedacht und andere Schriftsteller zu Geschichten angeregt. Sie dichteten neue Abenteuer dazu, und manchmal erhielt der Held auch einen anderen Namen. Buratino heißt er in dem sowjetischen Marchenbuch „Das goldene Schlüsselchen“ von Alexej Tolstoi.
Die Verse zu unserem Stück schrieben Wera und Claus Küchenmeister, zwei bekannte Kinderbuchautoren der DDR (Von ihnen ist u.a. „Sie nannten ihn Amigo“ und der Text zu dem Lied „Wer möchte nicht im Leben bleiben“.) Kurt Schwaen, den Ihr vom Musikunterricht her kennt (er vertonte das genannte Lied und die Kantate „König Midas“, schrieb die „Jungen Kämpfer“ und das „Volksliederstreichquartett“), komponierte die Musik zu dieser Oper für Kinder.
Ja, es ist eine richtige Oper: es wird gesungen, gesprochen, getanzt, und ein Orchester spielt dazu. Denn in einer Oper ist die Handlung immer mit Musik verbunden. – Ihr hört Euch die Platte bestimmt mehrmals an. Beim ersten Mal merkt Ihr vielleicht noch gar nicht, wieviel die Musik dazu beiträgt, daß Ihr von dem Geschehen so gefangengenommen seid und vor Aufregung rote Backen bekommt. Später freut Ihr Euch dann schon auf bestimmte Musiknummern, weil sie Euch besonders gut gefallen. Die Musik vertieft den Eindruck; Gefühle und Verhaltensweisen der Personen werden deutlicher, und Ihr erlebt die Handlung viel stärker mit. Manchmal möchtet Ihr am liebsten mitsingen – bei einigen Nummern schafft Ihr das auch.
Als Pinocchio noch der dumme Hampelmann ist, singt er: „Am Morgen steh’ ich auf, wann es mir paßt“ Die fröhliche Melodie dazu erklingt noch an anderen Stellen der Oper. Wißt Ihr wo? Richtig, das erste Mal gleich zu Beginn. In der Overtüre, einem kurzen Orchestervorspiel, verrät uns dieses zupackende, schwungvoll nach oben steigende Motiv, daß Pinocchio kein langweiliger Trauerkloß, sondern ein gewitzter, munterer Bursche ist. Singt oder pfeift einmal mit! Es ist ganz einfach: ein Durdreiklang nach oben mit Wiederholung des Grundtones eine Oktave höher. Natürlich sind es punktierte Noten, sonst würde es nicht so lustig klingen. Genauso beginnt das Lied;zu den Worten „steh’ ich auf wird der oberste Ton dreimal wiederholt. – Jetzt kennt Ihr das ,,Pinocchio-Motiv" und werdet es überall heraus hören. Ihr wißt nun, was es Euch zu sagen hat.
Pinocchio ist aber nicht immer lustig und übermütig davon zeugen die beiden stimmungsvollen Lieder „Es dämmert sacht, der Abend fällt“ und „Die Nacht ist vergangen, der Morgen bricht an“. Sie zeigen uns auch, daß
Pinocchio die Schönheiten der Natur empfinden kann und sein Gefühl angerührt wird. Ein wenig ängstlich ist ihm zu Mute vor der dunklen Nacht allein im Wald – auch das hört man in der Musik. Und spürt Ihr, wie erleichtert er ist, als der neue Tag beginnt? – In diesen Liedern fließt die Melodie in große Bögen ruhig dahin; das Orchester spielt dazu zart und zurückhaltend. Erkennt Ihr die verschiedenen Instrumente? Das „Morgenlied“ könnt Ihr bald mitsingen, es klingt wie ein Volkslied. Wollt Ihr es lernen, laßt es Euch mehrmals hintereinander vorspielen!
In einer Oper gibt es aber nicht nur Lieder. Wenn Geppetto singend und sprechend davon erzählt, warum er
Holzschnitzer wurde – und zwischendurch die Stimme des Baumes ertönt – merkt Ihr, daß diese Musiknummer sehr vielfältig ist. Solche größeren Sologesangsstücke heißen Arien. Auch die Melodie einer Arie kann schlichtsein – hier muß sie ja zu dem einfachen, bescheidenen Geppetto passen.
Anders ist das bei der Grillenfee. Ihre Arie „Wer stört den Frieden dieser Nacht“ könnt Ihr nicht so leicht mitsingen. Der Komponist wählt für diese märchenhafte Figur eine etwas fremdartige Melodie. – Achtet auch einmal darauf, wie schön es klingt, wenn die verkleidete Fee singt: „Ich höre, was die Vögel sagen“ und ihr Gesang dabei nur von einer Flötenstimme umspielt wird.
Natürlich können auch mehrere Personen zusammen singen. Sind es zwei, spricht man von einem Duett. Besonderen Spaß werdet Ihr an dem Duett „Sauf, Bruder, sauf der beiden Gauner Fuchs und Kater haben. Wetten, daß Euch der Rhythmus in Händen und Füßen kribbelt und Ihr dabei nicht still sitzen könnt? Klopft beim Refrain („Pim, pam, pum, die Flasche geht reihum“) im Wechsel mit den beiden Zeigefingern auf die Tischkante! Aber genau! Die Notenwerte sind nicht alle gleich lang – hört also gut hin, bevor Ihr das Orchester verstärkt!
In zwei dramatischen (spannenden) Massenszenen wird der Chor mit einbezogen: So fordert das schaulustige Volk
immer dringender den Beginn des Marionettentheaters und übertönt mit rhythmischem Klatschen Meister Feuerfressers Beschwichtigungsversuche; mit Angst und aktiver Anteilnahme nimmt die Menge den Schreckensbericht des Fischers über den Riesenhai auf.
Da es Pinocchio unter Lebensgefahr gelingt, ein furchtbares Unglück abzuwenden, endet die Oper mit einem fröhlichen Finale. Alle Hauptdarsteller singen im Ensemble von dem glücklichen Ausgang der Geschichte:
„Unser dummer Hampelmann
fangt ein rechtes Leben an,
denkt nicht mehr nur an sich allein
und wird ein treuer Sohn nun sein.“
Wenn Ihr „Pinocchios Abenteuer“ auch einmal im Theater erlebt, werdet Ihr staunen, was es dort noch alles zu hören und zu sehen gibt!

Ina Iske (1974)
Pinocchio: Ute Trekel-Burkhardt, Sopran
Käte Koch,
Sprecherin
Geppetto: Werner Haseleu,
Bariton
Fee, Grille, alte Frau: Helga Termer,
Sopran
Carla Valerius,
Sprecherin
Feuerfresser: Konrad Rupf,
Baß
Fuchs: Klaus Buron,
Baß
Kater: Hans-Peter Schwarzbach,
Tenor
Fischer: Helmut Klotz,
Tenor
Wolfgang Jacob,
Sprecher
Baum: Hermann Christian Polster,
Baß
Sprecher der Zwischentexte:  
Hans-Joachim Hegewald


Text: von Wera und Claus Küchenmeister
Musik von Kurt Schwaen
frei nach dem gleichnamigen Roman für Kinder
von Carlo Collodi
Einrichtung für die Schallplatte: Walter Zimmer

Mitglieder des Rundfunkchores Leipzig
Choreinstudierung: Horst Neumann
Rundfunk-Unterhaltungs-Orchester Leipzig
Dirigent: Klaus Wiese

Regie: Walter Zimmer

Übernahme vom Staatlichen Komitee für Rundfunk der DDR