Der abenteuerliche Simplicissimus

von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen

LP SCHOLA 8 70 038
Covertext:
Von der vorliegenden Auswahl können die Teile 1 bis 4 für die Behandlung der ersten Kapitel des Romans im Literaturunterricht der Klasse 8 benutzt werden. Die anderen Ausschnitte stehen dem Lehrer für die Vermittlung des Überblicks über das Gesamtgeschehen zur Verfügung. Der 1. Ausschnitt (1,5 min) gibt drei Strophen des Bauernliedes wieder, das Simplicissimus von seiner Meuder gelernt hat:

Du sehr verachteter Bauernstand,
bist doch der beste in dem Land,
kein Mann dich gnugsam preisen kann,
wann er dich nur recht siehet an.

Es ist fast alles unter dir;
ja was die Erde bringt herfür,
wovon ernähren wird das Land,
geht dir anfänglich durch die Hand.

Der Kaiser, den uns Gott gegeben,
uns zu beschützen, muß doch leben
von deiner Hand, auch der Soldat,
der dir doch zufügt manchen Schad.

Das Lied wird in der Hörspielfassung von der Meuder gesungen. Dadurch gewinnt der Unterricht eine Möglichkeit, dieses Lied auf solche Weise zu vermitteln, die geeignet ist, den sonst nur gesprochenen Vortrag emotional und rational zu bereichern. Insbesondere wird die Grundlage für einen Vergleich mit dem Volkslied „Ich bin eine freier Bauersknecht“ vervollständigt/Vgl.: Methodische Vorüberlegungen und Empfehlungen für die Gestaltung des Unterrichts. In: Literaturunterricht, 8. Klasse. Fachwissenschaftliche und methodische Anleitung/Zum Lehrplan 1969. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 19691. Mit der Aufforderung, die bei der Darbietung des Lied-Ausschnittes fehlenden Strophen zu nennen, werden die Schüler zielstrebig auf die Hauptaufgabe des Vergleichs hingelenkt: Feststellung der Motiv-Gleichheit im Bauernlied des Simplicissimus („hätt Adam nicht gebaut das Feld“) und im Volkslied „Ich bin ein freier Bauersknecht“ („Da Adam ackert und Eva spann“). Außerdem ist es nach dem Vortrag des Bauernliedes unter Umständen angebracht, die Schüler darauf aufmerksam zu machen, daß die Hörspielfassung in allen ihren Teilen eine Bearbeitung, also eine selbständige künstlerische Leistung und nicht bloßen Nachvollzug oder einfache Wiederholung des Romangeschehens darstellt.

Im 2. Ausschnitt (6 min) werden Passagen aus dem ersten bis vierten Kapitel*) des Romans vorgelesen und durch Spielszenen weitergeführt das „bäurisch Herkommen“ des Simplicissimus, wie er „zu einem Hirten erwählet“, dann aber von einem Söldnerhaufen überfallen wird. Er pfeift auf seiner Sackpfeife, die Soldateska schleppt ihn fort, und er muß miterleben, was für Grausamkeiten an den Bauern, seinem Knän, der Meuder und dem Ursele verübt werden. Die Wiedergabe dieses Ausschnittes hilft bei der Einführung in das Romangeschehen, vor allem bei der Vorbereitung der Schüler auf die Hauslektüre der ersten Kapitel. Es werden lebendige Vorstellungen von der Art und Weise bewirkt, in der Simplicissimus seiner Umwelt gegenübertritt. Desweiteren kann dieser Ausschnitt zu Beginn der Arbeit am 4. Kapitel zum Einsatz kommen, um zusammenfassend an das bisherige Geschehen zu erinnern.

Der 3. Ausschnitt (4,5 min) umfaßt Spielszenen zu wesentlichen Vorgängen aus dem siebenten und achten Kapitel: Simplicissimus begegnet dem Einsiedel und bleibt bei ihm. Das Gespräch der beiden aus dem achten Kapitel steht im Mittelpunkt des Ausschnittes, so daß durch seinen Einsatz die entsprechende Arbeit am literarischen Text wirkungsvoll unterstützt werden kann.

Der 4. Ausschnitt (2,5 min) vermittelt den Inhalt des sechzehnten Kapitels in der Weise, daß dem Simplicissimus im Traume „vom kriegerischen Leben, daß man Geringe nicht pfleg zu erheben“ der Ständebaum durch die Meuder erläutert wird. Immer wieder stellt die Meuder die Frage, ob Simplicissimus das Traumbild verstanden hat. Diese Eigenart des Ausschnittes aus der Hörspielfassung ermöglicht es, seine Darbietung zum Ausgangspunkt zu machen, wenn es für die Schüler bei der Arbeit am literarischen Text darum geht, ähnliche Fragen zu beantworten. Eine andere Möglichkeit, diesen Ausschnitt für die effektive Gestaltung der Behandlung des Romans zu benutzen, ist gegeben, wenn ihn der Lehrer bei seiner Vorbereitung anhört und Anregungen für die Unterrichtsführung aus der künstlerisch gestalteten Erläuterung des Traums vom Ständebaum aufnimmt, zum Beispiel mit der Konsequenz, daß dann die erfundene Begegnung zwischen Simplicissimus und der Meuder von den Schülern selbst in szenischer Darstellung gespielt wird.

Für den Anfang des Überblicks über die weitere Entwicklung des Simplicissimus liegt es nahe, die „Simplicissimus“-Illustration auf Seite 59 des Lesebuches von den Schülern beschreiben zu lassen und dann (durch den Lehrer) in Beziehung zum Romangeschehen zu bringen: Simplicissimus erhält vom schwedischen Gouverneur in Hanau, der ihn zum Narren machen will, ein Kleid von Kalbsfellen und eine Kapuze mit einem Paar Eselsohren. Der 5. Ausschnitt (1 min) erfaßt ein entsprechendes Ereignis: Simplicissimus spielt die Narrenrolle, die ihm aufgezwungen wurde. Im Gänsestall eingesperrt, benutzt er seine Narrenfreiheit, um zwei Soldaten in ihrer Dummheit bloßzustellen**) In ähnlicher Weise verbunden mit der Lehrererzählung kann auch auf die nachfolgend charakterisierten Ausschnitte (zumindest in einer Auswahl) zurückgegriffen werden:

6. Ausschnitt (6 min)
Simplicissimus ist den Kroaten entwischt und befindet sich auf dem Wege nach Fulda. In seinem Narrenkleid macht er zwei Räubern den Teufel vor und wird reich (Seite 138-139).

7. Ausschnitt (4,5 min)
Simplicissimus gewinnt in den Lagern vor Magdeburg die Vertraulichkeit des Hofmeisters Herzbruder, lernt den Sekretarius Oliver und schließlich auch Herzbruders Sohn kennen (Seite 147-149, 156 f.).

8. Ausschnitt (6 min)
Nach einem kurzen Musikvorspiel wird dargestellt: Simplicissimus verfallt zeitweilig in Räubereien. Als der berüchtigte „Jäger von Soest“ erwirbt er zusammen mit Springinsfeld große Verschlagenheit (Seite 219 f.).

9. Ausschnitt (9 min)
Simplicissimus wird wegen eines verbotenen Duells und anderer Schandtaten mit dem Todesurteil bedroht. Er erlangt aber Vergebung, indem er bei einer Belagerung über den Mangel an Artillerie hinwegzuhelfen weiß (Seite 229 ff.).

10. Ausschnitt (3 min)
Simplicissimus trifft in Sauerbrunn mit seinem totkranken Freund Herzbruder zusammen. Sie sprechen zum letztenmal miteinander (Seite 393 f., 399 f.). Die Hörspielgestaltung des Gesprächs nimmt den Eindruck jener Gedanken vorweg, die Simplicissimus am Ende des fünften Buches des Romans äußert, als er sich entschlossen hat, in die Einsiedelei des Waldes zurückzukehren, und feststellt: „Ob ich aber wie mein Vater sel. bis an mein Ende darin verharren werde, steht dahin.“ Dadurch ist schließlich auch der notwendige Zusammenhang hergestellt, um den Schülern von dem sechsten Buch zu erzählen, das Grimmelshausen seinem Roman später hinzuzufügte, worin der Simplicissimus wieder in die Welt zurückkehrte und dann noch in vielen anderen Fortsetzungen mit neuen Taten weiterwirkte.

Zeichenerklärung:
*) Diese Angabe entspricht bei den Ausschnitten 1 bis 4 der Kapitel-Einteilung in:„Unser Lesebuch, Klasse 8“ Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1969, S. 58-77.
**) Vgl.: „Der abenteuerliche Simplicissimus“. Aufbau-Verlag, Berlin 1954, S. 108-109; diese Angabe wird bei den Ausschnitten 6 bis 10 dem erläuternden Text in Klammern nachgestellt.
von Johann Jakob Christoffel von Grimmelshausen

Hörspielbearbeitung: Anna-Elisabeth Wiede-Hacks
Musik: Rolf Kuhl

Regie: Uwe Haacke
Szenenauswahl für den Literaturunterricht: Dr. Horst Dahm

Redaktion: Dr. Horst Dahm