Sing mit, Pionier!
Lieder der Jungen Pioniere
LP NOVA 8 85 029
Covertext:
Die Sonne scheint heller,
Die Beeren wachsen schneller.
Der Rücke schmerzt vom Bücken.
Die Mücken störn beim Pflücken.

Dieser lustige Reim stammt von Johanna Neumann, die mir, ohne daß ich sie kenne, deshalb sympathisch ist, weil am Schluß ihres Liedes die Aufforderung zu lesen ist: „Erfindet weitere Strophen!“. Die Autorin rechnet mit der Phantasie der Kinder. Sie weiß, daß das Nachschöpfe dann besonderen Spaß macht, wenn man selbst aktiv werden kann. Damit, daß auch der Autor dieses Plattentextes ihrer Aufforderung nachkommen könnte, hat Johanna Neumann sicher nicht gerechnet.

Die Sonne scheint heller,
Die Kinder singen schneller.
Sie brauchen schöne Lieder,
Dann singen sie auch wieder!

Na, wie findet Ihr diesen ersten Versuch für eine Zusatzstrophe? Jedenfalls
reimt er sich, und auch in dem Wunsch, den er an die Liedermacher richtet, werde ich sicher Eure Zustimmung erhalten.
Pioniere, das weiß ich recht gut, singen gern und zu vielen Gelegenheiten. Am Pioniernachmittag, unterwegs beim Wandern, beim Appell auf dem Schulhof, im Ferienlager, aber auch zu Hause, besonders dann, wenn ihre Eltern zuhören oder vielleicht sogar ein bißchen mittun.
Auch die zweite Schallplatte mit Pionierliedern (diesmal für jüngere Pioniere) enthält deshalb Lieder recht unterschiedlichen Charakters. Neben den heiteren Strophen von der heller scheinenden Sonne, die die Beeren schneller wachsen und die Hühner schneller gackern läßt, hören wir Lieder, die von unseren Soldaten erzählen oder den Lehrern gewidmet sind („Ihr müht euch mit uns jeden Tag“), vom lustigen Ferienlagerleben berichten oder zum Geburtstag unserer Republik geschrieben wurden („Fahnen und Wimpel“). Viele Lieder sind dabei, deren Text sich gut singen läßt weil er einfach und konkret ist, und deren Melodie man sich merkt, weil sie ins Ohr geht und Schwung hat. Junge Pioniere sind nun mal keine Schildkröten, bei denen alles bedächtig zugeht. Aber Schildkröten können ja auch gar nicht singen! Da findet Ihr sicherlich einen viel besseren Vergleich. Vielleicht sogar einen, der sich hinten reimt und in unser Lied paßt. Mein nächster Vorschlag lautet jedenfalls so:

Die Sonne scheint heller,
Die Platte dreht sich schneller.
So wird sie nie verstaubt sein,
Mitsingen soll erlaubt sein!

So eine Schallplatte, finde ich, ist eine große Chance für Eltern und Kinder. Man kann sie nämlich aus dem Plattengeschäft mit nach Hause nehmen (was Ihr ja getan habt), man kann sie anhören wie ein Konzert (immerhin sind sieben Chöre beteiligt!) – und man kann sie anschließend ins Regal legen.

Die Chance aber liegt gerade darin, daß Ihr Euch mit dieser Platte anfreundet, wenigstens mit einigen der Lieder, die Euch bereits bekannt sind, daß Ihr aber auch die noch unbekannten nicht überhört. Auch mitsingen ist gestattet (anders als beim feierlichen Konzert), nur aufpassen muß man, daß keiner aus dem Takt kommt. Hier gibt der Plattenspieler den Ton und das Tempo an!
Nicht nur Altbekanntes hört Ihr auf dieser Schallplatte, sondern auch Neues. Auch das halte ich für eine Chance. Denn weshalb sollte ein Pionier nicht neben einem neuen Buch oder einer neuen Idee auch mal ein neues Lied in die Schule bringen? Unter dem Arm sozusagen. Eine Schallplatte wiegt schließlich nicht mehr als ein Turnbeutel.

Die Sonne scheint heller,
Der Kuckuck ruft schneller.
Sehr bald, oh wie betrüblich,
Ist Singen nicht mehr üblich!

Den vorletzten meiner Zusatzreime möchte ich vor allem den Älteren widmen.
Denn sieht es nicht ganz so aus, als wäre das Singen und das Liederlernen ein Vorrecht der Kindergarten und Unterstufenkinder? Später nämlich geht die Aktivität meist vom Mund auf die Ohren über. Und das liegt weniger am Stimmwechsel als an der Tatsache, daß die Kinder sich selbst oder dem Kofferradio überlassen sind und daß sowohl das tägliche Morgenlied als auch der Liedauftakt in der Pionierversammlung aus der Mode kommt.
Dabei wird es jeder, der mit den Liedern auf gutem Fuß steht, bestätigen. Das Singen hat nichts mit Mode zu tun, sondern gehört zur Pionierorganisation wie das Halstuch. Es weckt ein gutes Gefühl für die Gemeinschaft, würzt den Pioniernachmittag und den Wandertag, denn es ist ein Feind der Langeweile und eine Quelle für neue Erkenntnisse über unser Leben, unsere Heimat und unsere Erde.

Als einige unserer Eltern und Großeltern Jungpioniere wurden – das war vor 40, 50 Jahren nur eine kleine Schar - sangen sie begeistert die ersten sowjetischen Pionierlieder nach („Dunja“ zum Beispiel) oder dachten sich in den kleinen Kulturgruppen oder in den wenigen Pionierlagern, die damals bestanden, eigene Verse und Melodien aus. Es waren Lieder, die Mut für den Kampf der Arbeiter ausdrückten vom schweren Alltag der Arbeiterkinder auf den Hinterhöfen erzählten meist aber auch fröhlich von einer besseren Zeit träumten in der alle Kinder Junge Pioniere sein und alle Arbeiterkinder sich frei entwickeln könnten.
Heute haben wir in der DDR alle Voraussetzungen dafür. Schon singen die Pioniere vom fröhlichen Leben im neuen Hochhaus („Die Sonne, der Mond und die Sterne“) und über den Flug zum Mond („Auf der Erde blühen Blumen“). Also fehlt nur noch eins Strophe zu unserem selbstgebastelten Lied von der Sonne:

Die Sonne scheint heller,
Die Erde dreht sich schneller.
Wir fliegen zu den Sternen,
Doch erst woll’n wir gut lernen.

„Erfindet weitere Strophen“, schrieb Johanna Neumann unter ihr Lied.

Fred Seeger (1972)


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Gruß der Pioniere zum Geburtstag unserer Republik
(Fahnen und Wimpel wehn auf allen Straßen)
Komposition: Siegfried Bimberg
Text: Christel Neumann
Stadtsingechor Halle
Instrumentalgruppe
Dirigent: Dorothea Kohle

Über allen strahlt die Sonne
Komposition und Text:
Ursula Gröger
Pionierchor des Zentralhauses der Jungen Pioniere
„German Titow“ Berlin
Matthias Schmidt, Flöte
Werner Pauli, Gitarre
Dirigent: Karola Marckardt

Kleine weiße Friedenstaube
Komposition und Text: Erika Mertke
Kinderchor des Pionierpalastes „Walter Ulbricht“ Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Manfred Winter

Der Volkspolizist
(Ich stehe am Fahrdamm)
Komposition: Hans Naumilkat
Text: Erika Engel
Uschi und der Kinderchor des „Edgar-Andre-Ensembles“
Instrumentalgruppe
Dirigent: Ilse Naumilkat

Hör ich die Soldaten singen
Komposition: Wolfgang Richter
Text: Walter Krtjmbach
Kerstin Parlitz, Gesang
Kleiner Rundfunk-Kinderchor Leipzig
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Sandig

Zum Tag des Lehrers
(Ihr müht euch mit uns jeden Tag)
Komposition: Leo Brauner
Text: Ruth Bernstein
Kinderchor des Philharmonischen Chores Dresden
Eckart Haupt, Föte
Siering-Quartett
Dirigent: Wolfgang Berger

Ein kleiner Dank
(Neulich hörte ich vom Vater)
Komposition: Henry Kaufmann
Text: Helmut Stöhr
Andrea Seidel, Gesang
Pionierchor des Zentralhauses der Jungen Pioniere
„German Titow“ Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Karola Marckardt

Jetzt bin ich Junger Pionier
Komposition: Wolfgang Richter
Text: Walter Krumbach
Kerstin Parlitz, Gesang
Kleiner Rundfunk-Kinderchor Leipzig
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Sandig

Unser Heimatland
(Sonne, liebe Sonne, sage)
Komposition: Hans Naumilkat
Text: Ursula Werner-Bohnke
Elke und der Kinderchor des „Edgar-Andre-Ensembles“
Instrumentalgruppe
Dirigent: Ilse Naumilkat

Auf der Erde blühen Blumen
Komposition: Hans Sandig
Text: Anne Geelhaar
Ines Rossner, Gesang
Steffi Koschkar, Gesang
Kleiner Rundfunk-Kinderchor Leipzig
Siegfried Herrmann, Flöte
Palm-Quartett
Dirigent: Hans Sandig

Pioniermarsch
(Wir tragen die blaue Fahne)
Komposition: Gerd Natschinski
Text: Walter Krumbach
Kinder- und Jugendchor des Pionierpalastes „Walter Ulbricht“ Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Manfred Winter


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Guten Tag, du neuer Morgen
Komposition: Siegfried Bimberg
Text: Inge Kalisch
Stadtsingechor Halle
Kurt Wagner, Flöte
Siegfried Herrmann, Altflöte
Roland Zimmer, Gitarre
Dirigent: Dorothea Kohle

Die Sonne scheint heller
Komposition und Text: Johanna Neumann
Große Rundfunk-Kinderchor Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Manfred Roost

Hochhausreigen
(Die Sonne, der Mond und die Sterne)
Komposition: Wolfgang Richter
Text: Susanne Danker
Kinderchor des Philharmonischen Chores
Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Wolfgang Berger

Der Sommer ist zu loben
Komposition: Wolfgang Lesser
Text: Helmut Stöhr
Peter Michaelis vom Großen
Rundfunk-Kinderchor Berlin
Werner Pauli, Gitarre
Dirigent: Manfred Roost

Im Ferienlager ist ein Koch
Komposition: Wolfgang Lesser
Text: Helmut Stöhr
Große Rundfunk-Kinderchor Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Manfred Roost

Unser Fernsehturm
(Was ist in unserm Spreeathen)
Komposition: Hans Naumilkat
Text: Helmut Stöhr
Jacqueline und der Kinderchor des
„Edgar-Andre-Ensembles“
Instrumentalgruppe
Dirigent: Ilse Naumilkat

Matrjoschka
(Wie ein Brot, so dick und rund)
Komposition: Henry Kaufmann
Text: Anne Geelhaar
Pionierchor des Zentralhauses
der Jungen Pioniere
„German Titow“ Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Karola Marckardt

Unsere Patenbrigade
(Kinder, welch’ ein Glück!)
Komposition: Hans Naumilkat
Text: Helmut Stöhr
Michael und der Kinderchor
des „Edgar-Andre-Ensembles“
Instrumentalgruppe
Dirigent: Ilse Naumilkat

Rodellied
(Schneemann baun)
Komposition: Siegfried Bimberg
Text: Christel Neumann
Stadtsingechor Halle
Instrumentalgruppe
Dirigent: Dorothea Köhler

Joschka aus Schuschenskoje
Komposition: Siegfried Bimberg
Text: Anne Geelhaar
Kinderchor des Philharmonischen Chores
Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Wolfgang Berger

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Musikregie: Dagmar Vorwerk
Tonregie: Bernd Runge