Unsere Menschen sind nicht so
Aus Programmen der Distel, Herkuleskeule,
Pfeffermühle und academixer

LP LITERA 8 65 360
Covertext:
In der Postmappe geblättert
Eulenspiegel, BZA, FF Dabei, Freie Erde, Lausitzer Rundschau, ja sogar Rundfunk und Fernsehen bekommen – wie man lesen und hören kann – täglich oder wöchentlich Waschkörbe voll Leser- bzw. Hörerpost.
Kabarettschallplatten erscheinen – zugegebenermaßen – nicht jeden Tag oder jede Woche. Umso mehr überraschte uns eine Flut von Zuschriften, die wir zu dieser Platte erhielten.
Daß uns die hier abgedruckten Briefe schon vor Veröffentlichung der Platte erreichten, mag den „gelernten DDR-Bürger“ nicht weiter verwundern.

Ich habe mal nachgerechnet. In den Jahren 1972 bis 1982 haben die DDR-Kabaretts rund 150 Programme herausgebracht. Das sind – rechnet man im Schnitt mit 20 Szenen in einem Programm – 3000 Kabarett-Szenen. Einiges davon wurden von mehreren Kabaretts gespielt – bleiben also schätzungsweise 2500. Sie bringen davon ganze 10 auf ihrer Platte. Meinen Sie, das ist repräsentativ für 10 Jahre Kabarett?
A. S. 5320 Apolda

Nein. Aber um das DDR-Kabarett dieser Jahre auch nur annähernd repräsentativ vorzustellen, müßten wir ungefähr 50 Kabarett-Platten produzieren. Das würde – bei einem Erscheinungsrhythmus von etwa 2 Jahren – bis zum Jahre 2085 dauern. Was sollten wir dann mit den vor uns liegenden 100 Jahren Kabarett machen?

Ich habe schon viele Kabarett-Programme gesehen. Aber ob Sie auf dieser Platte die besten Szenen ausgewählt haben? Also manche bekannte Autoren sind ja auf dieser Platte überhaupt nicht vertreten. Außerdem kenne ich eine ganze Menge Kabarett-Nummern, die wirklich besser sind.
B. M. 1199 Berlin

Wir auch. Nur sprach von insgesamt 27 Gründen immer wenigstens einer dagegen, diese Szenen hier aufzunehmen. Liste der Gründe (Auszug):
1. Gute Mitschnitte (künstlerische Qualität, technische Qualität, Thematik, Aktualität ...) von guten Szenen sind wie Stecknadeln im Heuhaufen. Sie finden sie auf dieser Platte!
2. Von vielen guten Szenen gibt es überhaupt keinen Mitschnitt.
3. Einige gute Szenen sind so lang, daß wir sie nicht in diese Auswahl mit aufnehmen konnten, weil dann für andere gute Szenen, die nicht so lang sind und von denen es Mitschnitte gibt, kein Platz mehr gewesen wäre.
. . .
23. Der persönliche Geschmack des Herausgebers ...
24. Der persönliche Geschmack des LITERA-Chefs ...
25.-27. Der jeweils persönliche Geschmack der LITERA-Chefsekretarin, des Tonmeisters, der Schnittmeisterin ...
(Die Reihenfolge der Gründe war bei den verschiedenen Szenen verschieden.)

Finden Sie eigentlich, daß solche Szenen wie „In Sachen Adam gegen Eva“ (1972) oder „Beraten und verkauft“ (1975) heute noch aktuell sind?
K. B. 1702 Treuenbrietzen

Selbstverständlich nicht. Aber wir wollten mit dieser Platte auch dokumentieren, wie sich das DDR-Kabarett in vergangenen Jahren mit überlebten Verhaltensweisen auseinandergesetzt hat, die in unserer Zeit – wie jeder weiß – fast so gut wie garnicht mehr vorkommen.

Also ich weiß nicht, ob es richtig ist, in dieser besonderen gesellschaftlichen Situation eine solche Platte zu veröffentlichen.
H.-M. R. 1532 Kleinmachnow

Wir haben immer eine besondere Situation. (Ausspruch eines bekannten Kabarett-Autors)

Daß Sie nur Originalmitschnitte verwendet haben, gefällt mir ja gut, weil dadurch auch die lebendige Atmosphäre eines Kabarettabends vermittelt wird. Aber manche Texte sind akustisch nicht immer ganz verständlich. Könnten Sie nicht wenigstens den Text des Titels „So bin ich“ auf der Plattentasche abdrucken?
D. O. 6502 Gera-Zwötzen

Können wir

Endlich mal wieder eine Kabarettplatte! Weiter so!
F. R. 8029 Dresden

...

Manchmal bemerke ich beim Abhören der Platte störende Geräusche. Können Sie mir raten, was ich dagegen tun kann?
G. S. 2851 Rom (üb. Parchim)

Spielen Sie Mikrorillenplatten nur mit einem Mikro- oder Stereoabtaster ab. Verwenden Sie für Stereoplatten (auch bei Monowiedergabe) nur einen Stereo-Tonabnehmer. Und vor allem: Reinigen Sie Platte und Abtastspitze stets von Staub!

Ich bin überzeugt, daß unsere Menschen nicht so sind, wie sie hier dargestellt werden.
E. S. 1701 Altes Lager (üb. Jüterbog)

Wir teilen Ihre Überzeugung, wie Sie aus dem von uns gewählten Plattentitel ersehen können.

Vorauswahl und Beantwortung der Briefe: Peter Geng


So bin ich

Ich hab alles, was es gibt
Das bekommt man, wenn man schiebt
Einfamilienhaus mit Frau und Kamin
Das haut hin, das haut hin, das haut hin
Sitz ich abends am Kamin
Spür die Wärme in den Knien
Dann weiß ich, was auch geschieht, es wird gut
Das macht Mut, das macht Mut, das macht Mut!

Und geh ich zur Arbeit, geht nur ein Teil von mir
Und der andre bleibt bei mir zu Haus
Lach ich mit Kumpeln, lacht nur ein Teil von mir
Und der andre lacht sie aus!

Man verlangt oft viel von mir
Wozu ich keine Lust verspür
Und ich sitze im Büro und ich stier
Aufs Papier, aufs Papier, aufs Papier.
Ich sag niemals, was ich denk
Weil ich mich in mich versenk
Meine Kräfte die verschenk ich an mich
So bin ich, so bin ich, so bin ich!

Und wenn ich schaffe, schafft nur ein Teil von mir
Und der andre schafft bei mir zu Haus
Und wenn ich rede, spricht nur ein Teil von mir
Und der andre schweigt sich aus.

Geh ich zur Arbeit, geht nur ein Teil von mir
Und der andre bleibt bei mir zu Haus.
Und wenn ich lache, lacht nur ein Teil von mir
Und der andre lacht Euch aus!
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Nach dem Protokoll
(1974)
Text: Jürgen Hart
Musik: Gerd Holger
Manfred Stephan
(Pfeffermühle)

Kuddeldaddeldu – Distelpublikum
(1974)
Text: Hans Krause
Heinz Draehn
(Distel

Gustav und Erich – Das Hausbuch
(1974)
Text: Hans Glauche/Matthias Griebel
Fritz Ehlert, Hans Glauche
(Herkuleskeule)

Aljoscha
(1972)
Text: Helmut Hellmann/Otto Stark
Hellmut Hellmann
(Distel)

Schwierige Verständigung
(1982)
Text: Harry Fiebig
Brigitte Krause, Ilse Maybrid, Gerd Kießling
(Distel)


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Arbeitsgesetzbuch
(1982)
Text: Siegfried Mahler/Rainer Otto
Heiderose Seifert, Gunter Schwarz, Siegfried Mahler
(Pfeffermühle)

In Sachen Adam und Eva
(1972)
Text: Inge Ristock
Hanna Donner, Karl-Heinz Oppel, Manfred Ott
(Distel)

So bin ich
(1980)
Text: Jürgen Hart
Musik: Peter Maffay
Arrangement: Thomas Heyn
Jürgen Hart, Bernd-Lutz Lange
und die academixer-singers

(academixer)

Beraten und verkauft
(1975)
Text: Harry Fiebig
Hans Glauche, Fritz Ehlert
(Herkuleskeule)

Phantasie 2002
(1981)
Text: Jürgen Hart
Bernd-Lutz Lange
(academixer)

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Aus Programmen der Distel, Herkuleskeule, Pfeffermühle und academixer

Auswahl und Zusammenstellung: Peter Geng
Tonregie (Bandbearbeitungen): Karl Hans Rockstedt
Mit freundlicher Zustimmung der Leiter der vier Kabaretts und der Autoren.