Spejbls Urlaub mit Hurvinek
LP SUPRAPHON 1118 3124
Covertext:
Meine lieben Menschenmädlein und Menschenknäblein!
Ob es euch manchmal auch so schwer fällt, mit eueren nächsten Erwachsenen zu einer normalen Verständigung zu gelangen? Mir passiert es nicht selten, vor allem mit unserem Vati. Kürzlich, in den Ferien, sind wir mal in den Wald gegangen. Am Waldrand eine Tafel: „Rauchen verboten!“ Ein Stückchen weiter: „Feueranmachen verboten!“ Und gleich daneben: „Aufscheuchen des Wildes verboten!“ und als Zugabe gleich noch „Gehverbot außerhalb der bezeichneten Wege“. Am Bach: „Baden verboten!“ Und das war, bitte sehr, im Urlaub, wo meiner Ansicht nach, mit Verlaub, alles erlaubt sein sollte!
Der Vati meinte, im Urlaub sei eben nicht alles, sondern nur manches erlaubt, zum Beispiel sich von der Arbeitsstätte zu entfernen, zu faulenzen, sich zu aalen, Maulaffen feilzuhalten und Fische zu angeln, letzteres allerdings nur so man eine Fischkarte besitzt. Er dürfte vergessen haben, wie wir – und es ist gar nicht so lange her – gemach auch ohne Fischkarte einen Karpfen fischten. Allerdings war es daheim, im Trog, zu Weihnachten. Dabei hat uns der arme Kerl von einem Karpfen leid getan, da er doch gerade zu den Feiertagen der Liebe und des Friedens unser Vergnügen hatte mit seinem Leben bezahlen sollen. Und so schafften wir es zwar zuletzt, ihn herauszufischen, trugen ihn aber dann zum Fluß und ließen ihn schwimmen; unser Festmahl am Weihnachtsabend bestand dann zwar bloß aus Bratkartoffeln, sie schmeckten uns aber ausgezeichnet. Wohl deshalb, weil ihnen unser gemeinsames Vorhaben, niemandem ein Leid anzutun, eine festliche Würze gab.
Wie ich mir also sagen ließ ist im Urlaub beiweitem nicht alles erlaubt. In manchen Gewässern kann man aber doch Fische fangen, sofern Überhaupt welche da sind. Und wenn auch das Angeln eine scheinbar ruhige und stille Unterhaltung ist, so kann es einem in Gesellschaft unseres Vatis die mannigfaltigsten und ungeahntesten Erlebnisse bieten. Dasselbe läßt sich auch von anderen Unterhaltungen sagen. Nur daß es halt mit den Erwachsenen ständig Schwierigkeiten gibt, ganz besonders in den Ferien, denn da sind sie gezwungen, auf ihre Bequemlichkeit, auf ihren gewohnten Lehnstuhl, auf den regelmäßigen Zuschub von Tagespresse und schwarzem Kaffee zu verzichten. Am Wasser, im Wald, in den Bergen und auf der Reise führen sich die Erwachsenen noch verwirrter auf als daheim. Die Schuld an allen Schwierigkeiten schieben sie, versteht sich, uns zu. Nur damit sie vor uns nicht so albern aussehen. Ich habe so meine Erfahrungen in der Sache. Wir haben sie zur Warnung und Mahnung auf diese Schallplatte aufgenommen. Davon, was vorausgegangen war, welch ein verrücktes Durcheinander herrschte, bevor wir uns der Mutter Natur in die Arme stürzen konnten, davon erzählt die Schallplatte Hurvinek macht Ferien. Ich empfehle sie euch wärmstens. Damit ihr auch üeber alles Bescheid wißt.
Die Erwachsenen wiederholen immer wieder, was für Probleme sie mit uns hätten. Sie selbst waren, versteht sich, ganz anders. Strebsam, fleißig, gehorsam, ordentlich, und bedächtig. Sie haben ihre Eltern nie geärgert, i wo! So sieht es zumindest aus, wenn ihr sie reden hört. Aber bis ich zu Worte komme, da wird man erst sehen, wer mit wem eigentlich seine liebe Not hat. Übrigens tue ich dies schon mit dieser Schallplatte, die zu hören ihr euch gerade anschickt.
Tschüß denn und viel Spaß in den Ferien und beim Anhören!

Euer Hurvinek
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Angeln
Kartoffelsuppe


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Schatz
Geheimsprache

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Spejbl, Hurvinek: Milos Kirschner
Manicka, Oma Katerina: Helena Stachova
Zeryk: Miroslav Cerny


Übersetzung: Vera Labska

Musik: Milan Baginsky
Gespielt von Studio-Gruppe
Dirigent: Milan Baginsky

Regie: Jiri Sramek
Musikregie: Vlastimil Hanus
Tonmeister und Mix: Jiri Bartos
Schnitt: Ivan Mikota

Originalaufnahme Supraphon, Prag, CSSR,
Studio Lucerna, 15. und 16. 11. 1980