Ein Körnchen Wahrheit
Märchen und Schelmengeschichten der Sowjetvölker
LP LITERA 8 65 181
Covertext:
„Es war einmal ein Zar, dem konnte es keiner recht machen. An seiner Tafel aß man schweigend und mißvergnügt. Auch beim Kartenspiel war es langweilig, Immer gewann der Zar. Eines Tages sagte er: „Warum lacht niemand? Laßt das Volk herein. Wer die beste Lügengeschichten erzählen kann, eine, die meine Räte zum Lachen bringt und mir die Langeweile vertreibt, der soll eine Schüssel voll Goldrubel haben. Gelingt es ihm nicht, dann kostet es seinen Kopf!“

So beginnt das Märchen „Ein Körnchen Wahrheit“ welches uns von einem Bauern berichtet, der mit viel Witz und Klugheit dem Zaren die besten Lügengeschichten auftischte, so daß dieser am Ende dem Bauern die versprochene Belohnung geben mußte. Aber waren es wirklich nur Lügengeschichten, die der Bauer zu erzählen wußte? „Unter die Lügem habe ich immer ein paar bittere Körnchen Wahrheit gemischt, die schmeckten dem Herrn nicht“, so sagt der Bauer, und es ist an Euch, zu entdecken, welche Wahrheiten es waren, die dem Zaren und seinen Räten so bitter schmeckten, daß sie ein über das andere Mal zornig ausriefen: „Du lügst!“

Dieses Märchen – wie alle anderen auch – kommt zu uns aus einer längst vergangenen Zeit, in der das russische Volk unter der Knechtschaft der Zaren viel Leid ertragen mußte. Hunger und Elend im ganzen Land waren die Folge von Unterdrückung und Ungerechtigkeit. Aber die Stimme der Wahrheit, die Stimme des Volkes kam niemals zum Verklingen. Davon berichtet auch das Märchen „Meister Ali oder die Gewalt der Töne“.
In Kasachstan regierte einst ein grausamer und hartherziger Khan, bei dessen bloßen Namen die Menschen schon erzitterten. Dieser Khan hatte einen Sohn, den er sehr liebte. Eines Tages ritt Hussein – so hieß der Sohn des Khans – allein in die Berge zur Jagd, von der er nicht mehr zurückkehrte. Da stieß der Khan die fürchterliche Drohung aus: „Wer mir die Nachricht bringt, daß Hussein etwas zugestoßen ist, dem gieße ich siedendes Blei in den Schlund!“ Die verzweifelten Diener des Khans suchten Hussein überall. Schließlich fanden sie ihn tot unter einem Baum. Wie sollten sie nun aber dem Khan diese schreckliche Nachricht überbringen? Der Hirte Ali, weit und breit bekannt durch seinen klugen Verstand und sein Können, half ihnen. Er baute ein Musikinstrument, das er Dombra nannte und dem er die wunderbarsten Töne entlocken konnte. Der Khan sollte die Wahrheit erfahren, aber nicht aus dem Munde seiner Diener, denen er mit dem Tod gedroht hatte, sondern durch die Dombra, durch ihre klagende und trauernde Melodie. Ein Beben lief durch den Körper des Khans, als er diese Melodie vernahm und er befahl, die Dombra zu zerstören.
Doch konnte der herrschsüchtige Khan die Dombra nicht zum Schweigen bringen. Bis auf den heutigen Tag hört man ihre wunderbaren Weisen, die von den Menschen im fernen Kasachstan erzählen und vom klugen Meister Ali.

Klugheit und Verstand zeichnen auch die Helden von Schelmengeschichten aus. Sie stecken voller Witz, sind verschmitzt und schalkhaft und werden vom Volk geliebt und verehrt, weil sie ihren Schabernack nie mit den armen Menschen treiben, sondern immer nur mit der Lüge und Heuchelei, Tücke und Habsucht. Und Ihr könnt gewiß sein, daß ihre Schlagfertigkeit sie nie im Stich läßt und sie keinem die rechte Antwort schuldig bleiben. Auch der Bauer in der Geschichte „Der Bauer und der Krämer“ ist nicht auf den Mund gefallen. Ist das denn möglich? Verlangt doch der geizige Krämer tatsächlich, daß er – der Bauer – ihm für das bloße Riechen an seinen Bonbons einen Preis bezahlt! Und der Schalk sitzt dem Bauern in den Augen, als er dem Krämer die passende Antwort auf dessen Forderung gibt. Welche Antwort es war? Hört sie nur selbst.

Leni Lopez
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MEISTER ALI ODER DIE GEWALT DER TÖNE
Kasachisches Märchen

Hirte Ali: Fred Düren
Khan: Klaus Piontek
Hussein: Günter Junghans
Pferdeknecht: Dieter Zöllter
Erzähler: Rolf Ludwig


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VOM HÜHNCHEN DAS GOLDENE EIER LEGTE
Ukrainisches Märchen

alter Mann: Wolfgang Greese
alte Frau: Carmen-Maja Antoni
Hühnchen: Karin Reif
Maus: Helga Koren
Erzähler: Rolf Ludwig


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DER GIERIGE KAUFMANN
Udmurtisches Märchen

Pedun: Klaus Piontek
Kaufmann: Walter Lendrich
Erzähler: Rolf Ludwig


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CHODSCHA FAULPELZ
Usbekisches Märchen

Alle Rollen und Erzähler: Rolf Ludwig

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EIN KÖRNCHEN WAHRHEIT
Russisches Märchen

Bauer: Erhard Köster
Zar: Fred Düren
Nachbarn: Wolfgang Greese, Walter Lendrich,
Günter Junghans
Hofherrn: Wolfgang Greese, Walter Lendrich,
Günter Junghans
Erzähler: Rolf Ludwig


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DER BAUER UND DER KRÄMER
Ukrainische Schelmengeschichte

Bauer: Erhard Köster
Krämer: Wolfgang Greese
Erzähler: Rolf Ludwig


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DIE GESCHICHTE VOM KLUGEN SCHUHMACHER
Georgische Schelmengeschichte

Abakidse, der Schuhmacher: Klaus Piontek
Frau des Schuhmachers: Ruth Glöss
Fürst: Fred Düren
Erzähler: Rolf Ludwig


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DIE HÄLFTE VOM LOHN
Belorussische Schelmengeschichte

Der Bauer: Günter Junghans
Zar: Klaus Piontek
General: Walter Lendrich
Erzähler: Rolf Ludwig


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Auswahl und Schallplattenbearbeitung: Ingeburg Kretzschmar
Musik nach Volksliedern und Tänze aus der Sowjetunion:
Joachim Thurm

Mitglieder des Berliner Sinfonie-Orchesters
Dirigent: Günther Herbig

Regie: Horst Hawemann
Regieassistenz: Werner Schurbaum

Tonregie: Karl Hans Rockstedt