Märchenland-Wunderland
LP LITERA 8 60 141
Covertext:
Wo dieses Märchenland nur liegen mag? Und wie man dorthin gelange, ins Wunderland, so werde ich allenthalben von den Kindern gefragt. Manche von den größeren unter ihnen behaupten sogar, daß es so etwas überhaupt nicht gäbe. Den großen Atlas hatten sie von der ersten bis zur letzten Karte durchgeblättert, wo alle Berge und Flüsse, alle Meere und Seen und alle Länder verzeichnet sind, die es auf der Erde gibt. Von einem Märchenland oder einem Wunderland sei aber auch nicht die geringste Spur zu entdecken gewesen. Selbst auf dem Globus, der doch der Erde, auf der wir leben, direkt nachgebildet ist, hatten sie kein Märchenland finden können.

Das waren kluge Kinder, sehr kluge sogar, die sich soviel Mühe gemacht hatten, um das Märchenland zu entdecken. Aber die Kleinen unter euch, die noch nicht in die Schule gehen und noch nicht im Atlas geblättert und noch keinen Globus gedreht haben, brauchen darüber nicht traurig zu sein. Bald werdet auch ihr die Farben der bunten Landkarten deuten und die klitzeklein gedruckten Namen der Städte und Länder und Flüsse und Seen lesen. Ich kann euch versichern, die Forscher unter euch, mit Atlas und Globus, haben wirklich ganz genau nachgesehen; sie konnten das Märchenland wirklich nicht finden.

Sie haben also doch recht, meint ihr, und es gibt gar kein Marchenland? „Ich habe aber ein dickes Märchenbuch, sogar Bilder sind darin“, höre ich jemanden von euch sagen, „und wenn es Märchenbücher gibt, dann muß es doch auch das Marchenland geben!“

„Es ist sogar im Fernseh-Apparat zu sehen“, ruft nun ein anderer von euch dazwischen.

„Auch im Radio gibt es wunderbare Geschichten zu hören!“ sagt noch jemand, ehe gleich mehreren zu gleicher Zeit einfällt: „Und das Sandmännchen? Woher kommt denn das Sandmännchen jeden Abend?“

Ein ganz kluges Kind aber, noch klüger als unsere spitzfindigen Freunde, hat plötzlich einen Gedanken. „Vielleicht war es überhaupt nicht richtig, im Atlas und auf dem Globus nachzusehen, wo das Märchenland liegt. Könnte man es so einfach finden wie irgend ein gewöhnliche Land, dann wäre es ja auch gar kein Märchenland.“

„Ja, und Wunderland heißt es darum, weil es nicht auf dem Globus steht und trotzdem da ist“,fügt noch ein ganz kluges Kind hinzu. „Vielleicht erfahren wir etwas von unserer Schallplatte darüber“ läßt sich nun ein Pfiffikus vernehmen, der bisher nur still zugehört und aufmerksam die Hülle betrachtet hat, in der die geheimnisvolle schwarze Platte verborgen ist. „Hier steht doch: Märchenland-Wunderland. Da, seht nur das Bild, das ist sicher ein Stück vom Wunderland.“

Schon dreht sich unsere Platte. Nun vorsichtig die Nadel aufgesetzt – und wer begegnet uns gleich zu Beginn, was meint ihr wohl? Niemand anderes, als Meister Nadelöhr mit seiner Zauberelle. Haben wir richtig gehört „Ich komme aus dem Märchenland“, singt er, „schnippeldieschnappel die Scher’ ...“ Es scheint, unser Pfiffikus hat recht gehabt und wir sind auf der richtigen Spur. Hören wir weiter. Das Märchen vom Springbrunnen erzählt er uns, der gestohlen wurde. Nein, nicht von dem Springbrunnen im Park, sondern von dem gleich hinter dem pumperdicken Bullerberg. Und wißt ihr, wo der pumperdicke Bullerberg liegt? Ihr wißt es nicht? Im Märchenland natürlich, dort, wo die drei alten Kastanienbäume stehen. Wer wird sich da noch wundern, daß es ein ganz besonderer Springbrunnen ist, von dem Meister Nadelöhr zu erzählen weiß. Ein Springbrunnen, der mit seinem Singen und Klingen alle Leute wieder froh machen kann, die ein trauriges Herz haben. Diese Springbrunnen nun war an einem Donnerstag nicht mehr an seinem Platz. Schnatterinchen, Pittiplatsch und der Papagei Feffi hatten es zuerst gesehen, daß der springende, singende, Brunnen nicht mehr da war. Feffi bemerkte sogar, daß dort, wo der Brunnen gestanden hatte, Riesentapsen in den Boden getreten waren! So ruckelten und tuckelten die drei kleinen Freunde mit dem alten Auto Jonathan durch das Märchenland, um herauszufinden, zu wem wohl die Füße gehören mögen, die so riesengroße Tapsen hinterlassen hatten, dort wo der springende, singende Brunnen stand, und ob diese Tapsen etwas mit dem Verschwinden des Brunnens zu tun haben. Doch lassen wir sie ruckeln und tuckeln, denn unsere Schallplatte dreht sich unermüdlich weiter.

Da ist schon der Sandmann zur Stelle, mit der spannenden Geschichte vom kleinen Detlef, der Weltraumfahrer werden, aber nie schlafen gehen wollte. Könnt ihr euch vorstellen, in einem richtigen Raumschiff zu sitzen, das zum Mond fliegt? Von Detlefs Mondreise erzählt der Sandmann, und ich verrate nur soviel, daß sie beinahe ein unglückliches Ende genommen hätte, wenn nicht ... Doch jetzt dreht unsere Schallplatte schon die nächste Sandmann-Geschichte herbei: vom unfolgsamen Dackelkind und seinem wahrhaft staunenswerten Abenteuer mit dem Fuchs und der Eule. Wie? Ihr wußtet noch nicht, daß alle Dackel, seit sich diese Geschichte zugetragen, herabhängende Ohren haben? Paßt nur gut auf und hört dem Sandmann aufmerksam zu, damit es euch nicht ebenso ergeht wie dem Dackelkind, das nicht auf seine Mutter hören wollte.

Noch immer dreht sich die Schallplatte und führt uns – ihr werdet es nicht erraten – zu den Osterhasen. Es ist kaum zu glauben, daß es so etwas gibt: unsere Geschichte handelt von gestohlenen Ostereiern! Eine lange Geschichte, so lang, daß unsere Platte darüber zu Ende geht und endlich still steht. Wißt ihr nun, wo Märchenland-Wunderland liegt? Ein Stück davon habt ihr jedenfalls auf eurer Schallplatte, soviel ist gewiß.

Joachim Herz
|  Seite 1  |

DAS MÄRCHEN VOM SPRINGENDEN,
SINGENDEN BRUNNEN


Meister Nadelöhr: Eckart Friedrichson
Pittiplatsch: Heinz Schröder
Schnatterinchen: Friedgard Kurze
Feffi: Gerd E. Schäfer
Bachwellen: Marianne Klussmann, Barbara Witte
Großvater Fluß: Heinz Hartmann
Großmutter Meer: Berti Deutsch


von Günther Feustel

Musik: Werner Pauli
Gitarre: Werner Pauli
Schlagzeug: Günter Ospalek

Regie: Theodor Popp

.   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .



DER SANDMANN IST DA ...

1. Weltraumfahrer Detlef
Musikalische Bearbeitung nach einer Volksweise von Hans Sandig

Sandmann: Günter Schiffel
Mann: Georg Thieß
Stimme: Günther Polensen



2. Vom unfolgsamen Dackelkind
Liedtext: Helmut Stöhr
Musik: Matthias Wenzlaff

Dackelmutter: Hildegard Röder
Eule: Grete Böhme
Fuchs: Robert Assmann
Dackelkind: Barbara Witte


beide Geschichten von Günter Schiffel

Kleiner Kinderchor von Radio DDR
Leitung: Hans Sandig
Kleiner Kinderchor der J. G. Eisenbahn
Leitung: Ehm Kurzweg

Regie: Werner Schurbaum

.   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .   .



|  Seite 2  |

DIE GESTOHLENEN OSTEREIER

Meister Nadelöhr: Eckart Friedrichson
Osterhasenbrigadier: Dietmar Richter-Reinick
Osterhase Nuck: Peter Pischner
Osterhase Nick: Uwe Greiffenberg
Igel Swin: Walter Richter-Reinick
Igel Snutje: Marga Legal
Igelkinder: Cornelia von Brack, Uwe Skrowonski
Elster: Hanna Völker
Füchsin Aline: Ellinor Vogel
Erzählerin: Regine Toelg


Ein Ostermärchen von Walter Krumbach
Für die Schallplatte bearbeitet von Inge Trisch

Musik: Wolfgang Richter
Gitarre: Dieter Rumstig
Instrumentalgruppe
Kinderchor des Deutschlandsenders
Leitung: Manfred Roost

Regie: Renate Thormelen