Alfons Zitterbacke

von Gerhard Holtz-Baumert

LP LITERA 8 60 167
Covertext:
Also das fing so an: ich fuhr Fahrstuhl, zusammen mit einer Dame. Plötzlich blieb der Fahrstuhl stecken. „Das tut er immer!“ sagte die Dame ruhig und setzte sich auf einen Stuhl. Der Direktor hatte nämlich angeordnet, daß im Fahrstuhl ein bequemer Stuhl steht, damit man das Warten gut übersteht. Es dauerte aber doch lange. „Kannst du mir nicht mal etwas erzählen, aber bloß nichts Trauriges, es ist schon schlimm genug hier drin“, die Dame sah auf die Uhr, „seit einer halben Stunde beginnt meine Sitzung ... und ich soll sie leiten. Also hast du was Lustiges?“

Und da erzählte ich ihr, was mir so immer mal passiert ist, und ich freute mich, wenn die Dame lachte. Ja, sie lachte und sagte dabei etwas Ulkiges: „Das machen wir, Alfons, natürlich, das machen wir!'' Was das bedeutete, merkte ich später: es hieß wir machen ein Buch draus. So erschien vor vielen Jahren das erste Zitterbackebuch und bald drauf das zweite.

Nun hatte ich ja gedacht, gut, soll die Dame im Fahrstuhl drüber lachen und bitte, wenn sie ein Buch draus machen will, weil sie bei einem Verlag beschäftigt ist, bitte schön. Aber daß so viele drüber lachen wollten, das konnte ich nicht ahnen, weil es doch bloß einfach erzählt war und kein Kunststück sein sollte.

Aber ich hätte es mir denken sollen: Denn lachen wollen wir ja alle, selbst wenn man in einem Fahrstuhl feststeckt und seine Sitzung versäumt was doch eigentlich traurig ist. Jedenfalls manchmal.

Ich weiß, es gibt wichtige Unterschiede zwischen Mensch und Tier, und Lehrer Girtzig hat uns neulich erklärt, daß die Arbeit das wichtigste Merkmal dafür ist, was einleuchtet, weil man die Schwänzer, die Abschreiber, also die, die nicht arbeiten, zum Beispiel Faultier nennt. Aber ich denke, auch das Lachen unterscheidet Mensch vom Tier. Tiere lachen nicht. Außerdem ist Lachen gesund, und gesund sein ist Pionierpflicht. Und dann, wenn wir hier nicht lachen, zwischen Rostock und Zittau, zwischen Frankfurt/Oder und Eisenach, dann wären wir sozusagen blöd. Papa sagt ja, zuerst wars nicht einfach in den Zeiten damals nach dem Krieg, als sie das alles hier aufbauten, doch es heißt, sagt Papa: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Also lachen wir am besten!

Deshalb waren die Kinder so verrückt nach den Büchern und lasen und lachten, eine Viertelmillion mal, das heißt, es lesen ja immer mehrere Kinder ein Buch, in den Büchereien zum Beispiel, deshalb kann ich mit Stolz und Verlegenheit sagen: wenigstens eine Million Kinder kennen mich bei uns und haben über mich gelacht.
Nun hat mein Freund Bruno, ihr werdet ihn auf der Platte gleich kennenlernen, und ich will vorher nichts Schlechtes von ihm sagen, Bruno jedenfalls hat gesagt: ich mache nur Blödsinn. Das stimmt aber nicht. Ich bin doch kein alberner Streichemacher und Lust, wen zu ärgern habe ich niemals, wenn man manchmal von Bruno absieht. Aber es passiert doch so allerhand mit mir, aber manchmal auch mit Papa und Mama oder mit Opa, und wenn es zu Ende ist, und wenn ich oder die anderen ausgelacht haben, bin ich ein Stückchen klüger und vielleicht auch die, die mitgelacht haben, ein Stückchen, manchmal nur ein Schnipselchen. Das Klügerwerden gehört doch zum Leben wie das Lachen, und sei es nur in Kleinigkeiten. Wenn man zum Beispiel nun weiß, wieviel Salz in die Makkaroni kommen, wenn man für soviel Mann kochen will. Na, wieviel, sieben Pfund oder zwanzig Gramm?
Das wollte ich euch noch sagen, damit ihr Bescheid wißt!

Euer Alfons Zitterbacke
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Wie ich unser Haustelefon baute

Alfons: Joachim Brendel
Bruno: Frank Montwill
Frau
Mattner: Else Wolz
Herr Michalak: Heinz Bonacker
Die Mutter: Helga Raumer
Herr Hopfenheit: Karl Brenk



Warum ich wohl immer reinfalle

Alfons: Joachim Brendel
Herr Girtzig: Heinz Behrens
Die Mutter: Helga Raumer
Die Kassiererin: Hannelore Erle
Der Hauswart: Heinz Scholz



Wie ich zu meinem ersten Kopfsprung kam

Alfons: Joachim Brendel
Die Mutter: Helga Raumer
Der Vater: Herbert Köfer
Der dicke Herr: Gerd Ehlers



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Was mir mit Makkaroni und Tomaten passierte

Alfons: Joachim Brendel
Bruno: Frank Montwill
Die Verkäuferin: Barbara Witte
Harry, der Pionierleiter: Harald Popig



Wie ich im Ambulatorium war

Alfons: Joachim Brendel
Bruno: Frank Montwill
Der Verkäufer: Heinz Kamenik
1. Schwester: Gisela Morgen
2. Schwester: Wiebke Fuhrken
Der Zahnarzt: Horst Preusker
Der Arzt: Joachim Tomaschewsky



Was mir mein Aprilscherz einbrachte

Alfons: Joachim Brendel
Der Vater: Herbert Köfer
Die Mutter: Helga Raumer



Wie ich ein falscher Betrunkener war

Alfons: Joachim Brendel
Bruno: Frank Montwill
Brunos Mutter: Evamaria Bath
Alfons Mutter: Helga Raumer


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von Gerhard Holtz-Baumert
Auswahl und Schallplattenbearbeitung: Theodor Popp

Musik: Gerhard Bautzmann
Instrumentalgruppe
Leitung: Gerhard Bautzmann

Regie-Assistenz: Kurt Schneider
Regie: Theodor Popp