Alle helfen Häppi
Oper für Kinder

von Kurt Schwaen
LP NOVA 8 85 161
Covertext:
„Alle helfen Häppi? Wer ist Häppi? – und warum helfen ihm alle?“ – so werdet Ihr fragen, wenn Ihr diese Schallplatte das erste Mal in den Händen haltet. Genauso fragten auch Susi und Klaus, zwei Kinder in Eurem Alter, die gern Märchen hörten. Und damit beginnt unsere Geschichte. Sie handelt von dem Jungen Häppi, der klüger und mutiger war als mancher Erwachsene, von Silbervogel, der immer unsichtbar bleibt, aber durch seinen Gesang wichtige Botschaften vermittelt, von dem listigen gestiefelten Kater, von Hasso, dem großen, gefährlichen Hofhund, und von vielen anderen Personen.
Die Tiere helfen Häppi, weil er zu ihnen auch immer gut war und sie aus manchen Gefahren befreite. Die Menschen helfen ihm, weil sie im Verlauf der Geschichte erkennen: Häppis Tat bringt allen Glück!
Stellt Euch vor: Mitten in einem großen Wald, halb verborgen unter schattenspendenden Bäumen, sprudelt eine glasklare Quelle. Durch Zufall entdecken die Bewohner des Landes ihre Zauberkraft: es genügt, nur wenige Tropfen des Wassers zu trinken, um von jeder Krankheit geheilt zu werden.
Der König erfährt von dieser Zauberquelle. Er will das Wasser für sich allein haben und läßt sie deshalb von Soldaten streng bewachen. Als Dorfbewohner einmal mit ihren kranken Kindern kommen, schießen die Soldaten. Seit dieser Zeit wagt sich niemand mehr an die Quelle.
Häppi ist Küchenjunge im Schloß des Königs und muß von früh bis spät arbeiten. Seine Mutter ist schwer krank. Eines Tages erfährt er von diesem Heilwasser. Trotz aller Warnungen beschließt er, ihr von dem Wasser zu holen.
Zunächst sind die Tiere seine Helfer. Silbervogel zeigt den Weg, und der Kater überlistet die Soldaten mit einem Schlaftrunk. Doch dann wird Häppi übermütig und gerät in große Gefahr. Er kann mit dem abgefüllten Quellwasser nicht zurück ins Schloß. Die Soldaten sind hinter ihm her und haben den einzigen Weg durch die Schlucht besetzt. Die Lage scheint aussichtslos. Da springen Klaus und Susi ein. Bisher hatten sie nur zugehört, doch jetzt wollen auch sie helfen. Rasch laufen sie ins Haus und holen ein Katzenfell. Damit verkleidet sich Häppi. Der Kater borgt ihm seine Stiefel und bringt ihm bei, wie eine Katze zu schleichen. So kommt Häppi unerkannt an den Soldaten vorbei.
Welche Gefahren er noch zu bestehen hat und wie ihm dabei die Tiere, Susi, Klaus und später sogar zwei Soldaten helfen das erfahrt Ihr alles von der Schallplatte.
Ihr kennt bestimmt schon viele spannende Geschichten und laßt Euch immer wieder gern aus Euren Märchenbüchern vorlesen. Die Geschichte von Häppi werdet Ihr aber darin nicht finden. Sie ist nämlich nicht nur in Worten, sondern gleichzeitig auch in Noten aufgeschrieben. Kurt Schwaen hat sich für Euch den Text und die Musik ausgedacht. Vielleicht kennt Ihr von ihm schon das Lied „Wer möchte nicht im Leben bleiben“, die Kantate „König Midas“ oder seine Oper „Pinocchios Abenteuer“. Genauso eine Oper für Kinder ist auch „Alle helfen Häppi“. Handlung und Musik sind eng miteinander verbunden; es wird gesungen, gesprochen, getanzt. Ein Orchester spielt, und die ganze Geschichte wird eigentlich auf einer Bühne vorgeführt. Die Darsteller haben Kostüme und verkleiden sich damit als Kater, als Hund, als König oder als Soldat. Da Ihr das aber nur im Theater seht und nicht beim Abhören der Schallplatte, verrate ich Euch ein Geheimnis: Ihr könnt die einzelnen Figuren auch hören, wenn Ihr nur die Ohren richtig spitzt.
Am leichtesten ist das bei Silbervogel. Wenn eine hohe Flöte (Piccoloflöte) und das Klavier zusammen erklingen – dann wissen wir, ohne ihn zu sehen: jetzt hat Silbervogel uns etwas zu sagen. Er ist Häppis Kundschafter; da er aus der Luft alles überschauen kann, sind seine Nachrichten von äußerster Wichtigkeit. Aber er singt seine Lieder nach eigenen Gesetzen, ungewohnt für die meisten Ohren. Auch Häppi versteht ihn erst nicht. Der Kater muß ihm zunächst immer „übersetzen“, welche neue Botschaft Silbervogel überbringt. Doch Häppi will es auch allein verstehen. Er hört immer wieder genau zu – so erlernt er allmählich die Vogelsprache und braucht keinen Dolmetscher mehr. Genauso wird es Euch ergehen. Nicht nur bei Silbervogels Gesang, sondern auch bei anderer Musik, die Euch erst ungewohnt in den Ohren klingt.
Silbervogel singt hohe, schnelle Töne in unregelmäßigen Rhythmen mit plötzlichen Pausen. Wenn etwas sehr Aufregendes passiert, klingt die Piccoloflöte fast schrill. Dagegen ist Silbervogels Gesang verführerisch und verlockend, als er die Soldaten äfft, um sie von Häppi und dem Kater abzulenken. Ihr seht also, der Vogel ist ein schlauer Bursche, der seine Stimme richtig zu gebrauchen weiß.
Kaum hat sich Häppi entschlossen, das Wunderwasser für seine Mutter zu holen, hören wir bereits, wie sich der erste Helfer nähert: es ist der gestiefelte Kater. Anschaulich ist das weiche, schleichende Laufen der Katze in der Musik ausgedrückt; durch einen aufwärts geführten großen Tonsprung mit kurzem Vorschlag aber auch das federnde Springen des Tieres. Zu dem weichen, warmen Ton eines Fagotts gesellt sich nur die Tuba, die tief unten einige Töne bläst.
Diese Musik erklingt auch, als der Kater Häppi lehrt, richtige Katzenbewegungen zu machen, um die Soldaten zu täuschen. Schließlich hören wir sie wieder, wenn der Kater nach mühevollem Weg ohne Stiefel durch die Schlucht zurickkommt. Jetzt klingt sie aber schwerfälliger. Durch rhythmische Veränderungen, Pausen und Synkopen entsteht der Eindruck, daß der Kater ohne seine gewohnten Stiefel humpelt und stolpert.
Natürlich hören wir auch heraus, wenn die Soldaten auf der Bühne erscheinen. Dann erklingen Blechblas- und Schlaginstrumente, ein Trompetenthema kehrt in abgewandelter Form immer wieder. Scharfe Klänge ergeben sich im Orchester, und starr wirkt die Musik. Wenn die Soldaten beim Bewachen der Quelle ihr Lied singen, können wir ihnen einfach nicht glauben, daß sie wirklich „so froh“ sind, wie es im Text heißt. Die Musik verrät uns etwas anderes: sie sind gelangweilt, träge und denkfaul.
Auch Häppi erkennt man natürlich an der Musik. Sein Instrument ist die Klarinette. Wenn er mutig in den Wald marschiert, wenn er mit dem Kater das Gehen übt oder stolz zu seiner Mutter zurückkehrt – bläst die Klarinette ein Motiv, aus dem man die Geschäftigkeit, den Frohsinn, ja eine gewisse Unbekümmertheit des Jungen heraushört. Aber auch seine Lieder zeigen uns, wie er ist. Manchmal singt er allein, oft aber auch mit Anderen zusammen. In einer Oper spricht man dabei von Solo-bzw. Ensemblenummern. Häppis Solonummern findet Ihr leicht heraus. Es sind die Lieder: „Kohlen holen, Kloben spalten“, „Das ging ja gut“ und „Ich muß hin, ihm helfen“. Merkt Ihr aber auch den Unterschied zwischen den einzelnen Ensemblenummern? Wenn zwei Personen singen, z. B. Häppi und der Hofhund „Jetzt habe ich dich eingefangen“, sprechen wir von einem Duett. Singen drei, z. B. Häppi und die beiden Soldaten, ist es ein Terzett. Ein Quartett besteht natürlich aus vier Sängern. „Hier ist ein Katzenfell, ein schönes Katzenfell“ wird von Klaus, Susi, Häppi und dem Kater gesungen. Es ist eine besonders reizvolle Ensemblenummer, voller Spannung und innerer Geschlossenheit. Wie man es nennt, wenn alle Personen zusammen singen – das wißt Ihr aus der Schule. Denn auch Ihr singt in Eurer Klasse ja im Chor. Das atemberaubende Chorfinale „Alle helfen Häppi“ steht am Schluß und ist voll ausgelassener Fröhlichkeit. Hatte zu Beginn der Oper die Ouvertüre eine instrumentale Einstimmung gegeben, schließt nun das Chorfinale mit einem Jubelgesang auf alle treuen Helfer Häppis die Oper ab. Durch sie hat Häppi am Ende mehr geleistet, als er sich ursprünglich vorgenommen hatte: Nicht nur der kranken Mutter brachte er das Heilwasser; durch seinen Mut und seine Überzeugungskraft wurde es zum Besitz aller Bewohner des Landes.

Ina Iske (1979)

Häppi: Henry Görke, Bariton
Köchin: Ute Trekel-Burckhardt, Alt
Renate Gördes, Sprecherin

Mutter: Ingeborg Rohde, Alt
Carla Valerius, Sprecherin

Klaus: Rosemarie Lang, Alt
Käte Koch, Sprecherin

Susi: Sylvia Didam, Sopran
Marianne Schwienke, Sprecherin

Kater: Hans-Peter Schwarzbach, Tenor
Hund: Paul Glahn, Baß
Hans Gora, Sprecher

Soldaten: Günter Reinecke, Werner Knabe,
Klaus Hähne, Kurt Fischer, Werner Godemann,
Erich Gisa

Erzähler: Hans-Joachim Hegewald

Text: Kurt Schwaen
Mitglieder des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters Leipzig
Dirigent: Volker Rohde
Funkbearbeitung und Regie: Walter Zimmer
Aufnahme des Rundfunks der DDR (1974)
VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig