Berliner Lieder von damals und gestern

LP LITERA 8 65 419
Covertext:
Berliner Ton.
Der Grundzug ist krasser Egoismus, ein naives, vollkommen aufrichtiges Durchdrungensein von der Überlegenheit und besonderen Berechtigung der eigenen Person und des Ortes, an dem die Person das Glück hatte, geboren zu werden. Um diese beiden Eitelkeiten dreht sich alles.
Zu sagen, daß der Berliner Ton einen guten Ruf hätte, wäre nicht in der Wahrheit. Er ist aber doch besser als sein Ruf. Was einem Fremden zunächst auffällt, ist das Lautsprechen und das Viel-Sprechen. Warum nicht laut? Ich bin ja ich; und warum nicht viel, ich weiß ja Bescheid, ich habe ja alles gesehen, gehört, gelesen.
Berlin war nie eine Bürger-(Patrizier-) Republik. Es war ein mit Büros und Kasernen reich ausgestattetes Dorf grossen Stils, und eines Tages erwachte es und war eine Residenz geworden, mit einem Hof, einem Reichstag und einem Heuschreckenproletariat. Unter dem beständigem Zufluten von Menschen aus vielen Provinzen, den Behörden überliefert, also immer bevormundet … von den mittelmäßigsten Menschen der Welt, den Beamten. Die alles bevölkern, für alles gerade ausreichen, zuverlässig, brav, gesund, tüchtig sind, aber langweilig zum Extrem, nichts weniger als klug und begabt, und auf ihre kleine Begabung hin von einem Dünkel der alles übersteigt … Dazu waren die Berliner in der ungeheuren Mehrzahl von einer nur an dieser Stelle vorkommenden Bettelarmut, so haben sich die Tugenden der Politesse, der Teilnahme, der Menschenfreundlichkeit, des Wohltuns nicht ausbilden können. In einem unglaublichen Grade tritt das Ich für sich ein, jeden als Feind ansehend, der auf den Moment wartet, wo ich „austrete“, um sofort in die Lücke einzuspringen. Alles ist eine Existenzfrage. Sie wissen alles, sie lassen niemand zu Worte kommen und unterbrechen jeden. Die Berliner sind sehr witzig und haben bis zu einem hohen Grade die Fähigkeit ausgebildet, die lächerlichen Seiten einer Sache herauszufühlen.
„Vor Gott sind eigentlich alle Menschen Berliner“.

Theodor Fontane (gekürzt)
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Potpourri
Alle

Ein Brief von Friedrich Engels
Kurt Böwe

Schutzmannslied
(T: Hans Hyan, K: Reimar Joh. Baur)
Reimar Joh. Baur

Wilhelm, komm an meine Seite (Trad.)
Margit Bendokat

Wem hamse die Krone jeklaut? (Trad.)
Jutta Wachowiak

Berlin, dein Tänzer ist der Tod
(T: Walter Mehring, K: Roman Kaminski)
Roman Kaminski

Heimat Berlin
(T: Mehring, K: Felix Hollaender)
Kurt Böwe

Ick baumle mit de Beene
(T: Klabund, K: Hollaender)
Margit Bendokat

Zickenschulze aus Bernau
(T und K: Freddy Sieg)
Rolf Ludwig

Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe
(T und K: Paul Lincke)
Reimar Joh. Baur

Der Polier und auch der Meister (Trad.)
Kurt Böwe, Roman Kaminski, Günter Sonnenberg

Wegen dir hab ick meine jute Stellung bei Tietz uffjejeben
(T und K: Erich Einegg)
Jutta Wachowiak

Wir ham zu Haus … (Trad.)
Reimar Joh. Baur


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Bolle reiste jüngst zu Pfingsten (Trad.)
Kurt Böwe

Ode an Berlin
(Walter Mehring)
Kurt Böwe

Kälbermarsch
(T: Brecht, K: Eisler)
Rolf Ludwig

Ach wie untreu und verlogen
(Paul Gerhardt)
Reimar Joh. Baur

Annemarie
(T und K: Gilbert)
Günter Sonnenberg und alle Männer

Die Dame mit’n Avec
(T: Tucholsky, K: Nelson)
Margit Bendokat

Der gewissenhafte Maurer
(Otto Reutter)
Kurt Böwe

Die Radpartie
(T und K: Helmut Markiewicz)
Günter Sonnenberg

Warum soll er nicht mit ihr
(T und K: Walter Mendelsohn)
Jutta Wachowiak

In fünfzig Jahren ist alles vorbei
(Otto Reutter)
Rolf Ludwig

Die Pappel am Karmsplatz
(T: Brecht, K: Eisler)
Jutta Wachowiak

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Regie: Kurt Böwe
Musikalische Leitung: Uwe Hilprecht
Dramaturg: Alexander Weigel

Tonregie: Karl Hans Rockstedt
Aufnahmetechnik: Hartmut Kölbach
Schnitt: Christa Blaumann
Aufgenommen 1987