Daschenka
oder:
Das Leben eines jungen Hundes

von Karel Capek

LP LITERA 8 65 289
Covertext:
Novellen, Romane, Dramen, Essays, Feuilletons, Reisebilder, Märchen – das Schaffen Karel Capeks hat ein breites Spektrum literarischer Formen. Seine Werke, die oft schon kurz nach Erscheinen in andere Sprachen übersetzt wurden, machten ihn nicht nur zu einem der populärsten Autoren seines Landes, sondern trugen sehenNamen auch in die Welt.

1890 als Sohn eines Landarztes geboren, wuchs er im nordböhmischen Upice auf. Die Eltern erzogen Karel und seine Geschwister im Geiste des bürgerlichen Humanismus, frühzeitig bekamen sie Kontakt mit der klassischen tschechischen Literatur, aber auch eine intime Beziehung zu der Sprache und den Geschichten des einfachen Volkes. Oft trafen sich in der Capekschen Küche die alten Leute des Ortes zu abendlichen Gesprächen, deren Geschichten, Märchen, Lieder, Sagen, Verse und Redensarten die Mutter aufschrieb. Über die Einflüsse aus dieser Zeit, die das literarische Werk Karel Capeks in starkem Maße prägten bemerkte sein Bruder Josef (er wurde ebenfalls als Schriftsteller bekannt, vieles haben die beidenBrüder auch gemeinsam geschrieben) in seinen Erinnerungen: „Wir setzten uns auf den Küchenschemel und lauschten, was diese Alten da nicht alles wußten, Schwester Helena, ich und Karel ... Es erregte uns, und es gefiel uns dementsprechend; das Leben hier gewann an außergewöhnlicher Fülle; Orte, die wir kannten, belebten sich für uns mit Fabelwesen – und alles das war reine Wahrheit, denn die, denen diese unglaublichen Dinge zugestoßen waren, wurden hier sogar mit Namen genannt ... Ich bin sicher, daß diese Erlebnisse aus der Jugend und dann die starke und schöne einfache Persönlichkeit unserer Großmutter ... in späteren Jahren die reiche, prägnanten, plastische und dabei einfache Sprache Karel Capeks sehr grundlegend und stark beeinflußt hat ...“.

Erste kleinere Prosaarbeiten veiöffentlichte K. Capek bereits während seines Studiums, das er in Prag,Berlin und Paris absolvierte und im Jahre 1915 mit dem Doktor der Philosophie abschloß. Als Redakteur der Zeitung „Lidove noviny“, wo er von 1921 bis zu seinem Tode im Jahre 1938 tätig war, hatte Capek an der Entwicklung des tschechischen Geisteslebens großen Anteil. Es war eine Zeit nicht nur starker gesellschaftlicher Widersprüche und politischer Kämpfe, sondern auch einer komplizierten inneren Entwicklung des Schriftstellers. In der bürgerlichen Republik, entstanden nach dem Zerfall der Österreichisch ungarischen Monarchie im Ergebnis des ersten Weltkrieges, hatte sich die Arbeiterklasse zwar einige politische Rechte erkämpft, die grundlegenden Machtverhältnisse jedoch waren nicht verändert, und die Masse des arbeitenden Volkes lebte weiterhin in Existenzangst und Elend. Capek sah das sehr wohl. Auf der Suche nach Verwirklichung seiner humanistischen Ideale geriet er in starken Konflikt mit seinen Vorstellungen von einer bürgerlich-demokratische Ordnung, deren überzeugte Anhänger er war. In jungen Jahren von Pragmatismus und Relativismus beeinflußt, löste er sich allmählich von diesen philosophischen Strömungen, um sich mehr und mehr der Wirklichkeit zuzuwenden. Es entstanden eine Reihe von Werken, in denen er mit Mitteln der phantastischen Utopie Fragen seiner Zeit auf und vor einer Beherrschung des Menschen durch eine übermächt gewordene Technik warnte. Dazu gehören das Drama „RUR“ (1920), in dem er den Begriff des Roboters prägte, weiterhin „Aus dem Leben der Insekten“ (1921), „Die Sache Makropulos“ (1922), Jrakatit“ (1924). In den dreißiger Jahren liegt der Höhepunkt des literarischen Schaffens Karel Capeks. Tief beunruhigt über die politischen Ereignisse, stellte er sich mit seinen letzten Werken nachdrücklich in die Reihe derer, die mit ihrem Wort gegen die drohende Gefahr des Faschismus kämpften „Die weiße Krankheit“ (1937) und „Die Mutter“ (1938) sind aufrüttelnd Dramen gegen Imperialismus und Diktatur, ebenso „Der Krieg mit (den Molchen“ (1937), wo sich Capeks Humor zur beißenden Satire steigert. Sein Roman „Leben und Werk des Komponisten Foltyn“ (1939), in dem zum ersten Mal deutlich wird, daß Capek seine Zweifel an der Erkennbarkeit der Wahrheit überwunden hat, ist durch den Tod des Autors im Dezember 1938 Fragment geblichen.

Für Kinder hat Karel Capek wenig geschrieben. Am bekanntesten sind wohl seine „Devatero pohadek“ (Neunerlei Märchen), 1932 erschienen, und sein Buch „Daschenka oder Das Leben eines jungen Hundes“, das ein Jahr später veröffentlicht wurde. Die Capekschen Märchen sind eine Vermischung phantastischer Elemente mit realen. Der Leser sieht sich nicht in ein fernes Märchenland versetzt, sondern in die ihm bekannte und vertraute Umgebung tschechischer Städtchen und Dörfer, die klassischen Märchengestalten erweisen sich als ganz gewöhnliche Wesen, die wie ganz gewöhnliche Menschen handeln. Das gibt diesen Märchen ein besonderes Kolorit. Sie sind vielleicht jedoch dadurch und durch die intellektuelle Erzählweise des Autors kleinsten Lesern schwer zugänglich und eher älteren Kindern und Erwachsenen verständlich. Großen Wert maß Capek in der Kinderliteratur der Sprache bei. Er sagte selbst darüber: „... Wenn ich kleine Kinder von vier bis fünf Jahren und älter sehe, so überrascht mich bei ihnen immer das unglaublich intensive Sprachbedürfnis, wie sehr sie Wörter lieben, wie glücklich sie sind, wenn sie ein neues Wort gefunden haben. Ich meine deshalb, daß die Kinderliteratur eine äußerst reiche und üppige Sprache haben muß. Wenn das Kind nur wenig Wörter aus seiner Kindheit mitbringt, wird es sein ganzes Leben nur wenig kennen ...“. Darin sah Capek für sich das Problem der Kinderliteratur, dem er große Aufmerksamkeit widmete. Einen besonderen Platz teilte er dabei dem Spiel mit dem Wort zu. Diese Spezifik findet sich in seinen Märchen, aber auch in dem Buch „Daschenk oder Das Leben eines jungen Hundes“. Diese heiteren Betrachtungen über Verhalten und Gewohnheiten eines Hundekindes bestechen durch ihren Reichtum an Witz und eine ungewöhnliche Beobachtungsgabe, Die große Anschaulichkeit, thematische Geschlossenheit, die humorvolle Art, in der Capek das Gespräch mit dem Leser führt, und nicht zuletzt die zauberhaften Zeichnungen des Autors machten „Daschenka“ zu einem beliebten Buch bei jung und alt. Sehr bald trat es seinen Siegeszug um die Welt an, und gehört vielleicht zu den meist übersetzten tschechischen Büchern überhaupt.

Karin Alpers (1980)
Erzähler: Valtr Taub

von Karel Capek
Aus dem Tschechischen von Elisabeth Borchardt
Der Kinderbuchverlag Berlin

Regie: Jiri Sramek
Tonregie: Jiri Bartos

Originalaufnahme Supraphon Prag/CSSR