Erich Weinert – Den Gedanken Licht, den Herzen Feuer, den Fäusten Kraft
LP LITERA 8 60 070
Covertext:
„Wessen Herz aber nicht heiß werden kann, der kann auch andere Herzen nicht heiß machen“, sagte Erich Weinert einmal. Er hatte ein heißes, ein leidenschaftliches Herz. Er verstand es, die Menschen mit seinen Versen zu ergreifen und auch ihre Herzen in Brand zu setzen. Er war der Dichter des deutschen Proletariats. In vielen tausend Gedichten hatte er die deutschen Arbeiter zum Kampf gegen die Verderber unseres Vaterlandes gerufen. Seine Stimme mahnt uns noch heute, jene nicht aus den Augen zu lassen, die Deutschland wieder ins Unglück führen wollen Wie alle wirklichen Volksdichter wurde er von den Mächtigen gehaßt, vom Volk aber geliebt und verehrt. Darum lebt er heute nicht nur in seinen Werken weiter, sondern auch in vielen kleinen Anekdoten, die um ihn entstanden sind. Die Anekdote, die vor allem die Klugheit des Volkes und die Vielfalt menschlicher Verhaltensweisen zeigt, vermag einen Menschen besser zu charakterisieren als viele tiefgründige Abhandlungen.


Es war unter den Linden
Erich Weinert erzählte oft und gern das folgende Erlebnis, obwohl er darin nicht besonders gut wegkam:
Begegnete ihm eines Tages vor dreiunddreißig Unter den Linden ein Steppke, der die Melodie des „Roten Wedding“ vor sich hin pfiff. Er pfiff Erich Weinerts volkstümlichstes Arbeiterkampflied mit aller Lungenkraft und scherte sich den Deut um die bösen Blicke der eleganten Damen und Herren.
Als nun Erich Weinert den Jungen ansah, brach dieser sein Pfeifen ab und schrie dem Dichter wütend ins Gesicht: „Dir faina Pinkel gefällt det Lied woll nich, wa?“
„Doch, doch“, beeilte sich Erich Weinert zu versichern.
„Dein Jlück“, sprach der Steppke und trabte gellend pfeifend weiter.

Peter Kast


Herr Erich grüsst Herrn Weinert
Anfang der dreißiger Jahre feierte die Wandersparte des Arbeitersportvereins „Fichte“ Sommersonnenwende irgendwo im Grünen. Höhepunkt des Programms sollten Rezitationen von Erich Weinert sein. Viele Eingeweihte wußten es, obwohl es nirgends plakatiert war. Denn der beliebte Volksdichter hatte damals schon Sprechverbot vom preußischen Innenminister Severing. Wie in einer Demokratie Weimarer Prägung üblich, erschien rechtzeitig der Landgendarm. Dieser braven Seele waren weder Mann noch Name Weinert ein Begriff, aber er hatte ein Herz für echte Volksdichtung, ohne es zu ahnen. Bieder wandte er sich an einen verantwortlichen Sportler, ob er einen gewissen Herrn Weinert kenne. Der Sportler begriff und fragte den in der Nähe stehenden Dichter: „Herr Erich, kennen Sie einen gewissen Herrn Weinert?“ – „Ziemlich gut“, antwortete Erich Weinert und erkundigte sich, weshalb man sich für jenen Menschen interessiere. Das sei ein gefährlicher Volksaufwiegler, erfuhr er, und ein etwa beabsichtigtes Auftreten dieses Herrn sei zu verhindern.
Er betrachte den Genannten etwas anders, erklärte der Dichter, und da er einige Gedichte von ihm kenne, schlage er vor, eines am Holzstoß zu rezitieren; danach könne man sich über die Angelegenheit weiter unterhalten. Diesem unverfänglichen Vorschlag stimmte der Gesetzeshüter zu, was sich als Flüsterbotschaft unter den Teilnehmern verbreitete.
Durch das Erlebnis angeregt, rezitierte Erich Weinert mit besonderem Elan. Begeisterter Beifall dankte ihm. Mitgerissen applaudierte auch der Landgendarm und rief anfeuernd: „Noch eins!“ – So ging es weiter, bis das Sonnenwendfeuer niedergebrannt war. Als der Wackere ging, drückte er dem Dichter die Hand und meinte, dieser Weinert sei zwar ein bißchen scharf, aber ein ganzer Kerl mit Murr in den Knochen. Ein Stück fort, wandte sich der Landgendarm noch einmal um: „Und nicht vergessen, Herr Erich, grüßen Sie Herrn Weinert von mir!“

E. R. Greulich


Allerliebst!
Li Weinert ging – es muß etwa 1950 gewesen sein – zu einem Optiker im Stadtzentrums Berlins, um sich eine neue Brille abzuholen, die sie sich hatte anfertigen lassen. Der Optiker, ein ganz auf Kundendienst eingestellter und fast übertrieben höflicher Mann, der sie schon lange kannte, meinte, ihr beim Verlassen des Ladens noch etwas besonders Nettes sagen zu müssen. Und so ließ er sich mit honigsüßer Stimme vernehmen: „Gnädige Frau, habe am letzten Sonntag im ,Neuen Deutschland‘ Gedicht vom Herrn Gemahl gelesen – und kann wirklich nur sagen: allerliebst, allerliebst!“
Werner Sellhorn
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Der rote Wedding (Musik: Hanns Eisler) – 1929
Chor und Orchester des Erich-Weinert-Ensembles
Sprecher des Einleitungstextes: Hans Hildebrandt

Der rote Feuerwehrmann – 1925
Robert Trösch

Zerstörtes Liebesglück – 1922
Li Weinert

Walter Kornfrank – 1925
Gisela May

Herr Chefredakteur spricht zum Stabe - 1929
Herwart Grosse

Der Schrei aus der Tiefe – 1927
Robert Trösch

Ein teuers Andenken – 1929
Li Weinert

Das Lied von der Rationalisierung – 1930
Wolfgang Langhoff

„Mit Ausnahme der Kommunisten“ – 1932
Robert Trösch


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Eine deutsche Mutter – Paris 1933
Gisela May

John Schehr und Genossen – Forbach 1934
Herwart Grosse

Kinderspiel und Madrid – 1937
Gisela May

Abschied von Spanien – 1939
Wolfgang Langhoff

Lied der Tankisten (Musik: Hanns Eisler) – 1937
Chor und Orchester des Erich-Weinert-Ensembles
Solist: Karl-Heinz Weichert

Der Führer – Moskau 1942
Herwart Grosse

Das Lied vom braunen Maikäfer – 1942
Gisela May mit Gitarrenbegleitung

Bekenntnis eines Künstlers zur neuen Welt – 1952
Wolfgang Langhoff

Lied der Stahlbataillone
(Musik: Carlos Palacio, Text: Luis de Tapia, Nachdichtung: Erich Weinert) – 1937
Chor und Orchester des Erich-Weinert-Ensembles
Solist: Karl-Heinz Weichert

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Zusammenstellung: Werner Sellhorn
Regie: Theodor Popp