Der Fahrer und die Köchin

von Albert Wendt

LP LITERA 8 60 313
Covertext:
Albert Wendt
Jahrgang 1948. Eltern Umsiedler, Landarbeiter. Aufgewachsen in einem Dorf bei Leipzig. EOS-Besuch in Markleeberg, Abitur, Facharbeiterbrief „Agrotechniker“. Ehrendienst in der NVA, Leistungssportler (Ringen) beim ASK Rostock. Fernstudium Kulturwissenschaften. Fachmethodiker am Stadtkabinett für Kulturarbeit in Leipzig. 1973/74 Bühnenhandwerke am Leipziger Schauspielhaus. Seit 1974 freischaffend.
Albert Wendt bevorzugt in Prosa, Lyrik und Dramatik die kleine Form. Erste Veröffentlichungen Ende der sechziger Jahre, u. a. in „Eulenspiegel“ und der NDL; Aphorismen, Märchen, Kalendergeschichten, Erzählungen für Kinder, Liedtexte. Für den Einakter „Das Hochhaus (1972) erhält er im Dramatiker-Wettbewerb 1974 einen Förderungspreis.
1976 bringen die Leipziger Theater einen Albert-Wendt-Abend heraus, der neben Songs und Aphorismen den Einakter „Nachtfrost“ und die Szenen „Die Weihnachtsmänner“ und „Die Grille“ umfaßt. Auch das Fernsehen der DDR sendet diese drei Stücke. An der Kleinen Berliner Bühne „Das Ei“ kommt „Schritte“ zur Aufführung. 1979: „Die Teefrau“; erster Preis im Hörspielwettbewerb für „Der Fahrer und die Köchin“ das auch am Deutschen Theater Berlin inszeniert wird. Ebenfalls 1979 an den Städtischen Theatern Leipzig „Die Dachdecker“ und 1980 „Die Kellerfalle“. Außerdem entstanden weitere Hörspiele „Die fremde Fuhre“, „Das Hexenhaus“, „Der Stolperhahn“ und „Sauwetterwind“ (1980/81).

Aphorismen müssen in das Gehirn plumpsen wie kleine Steine in ruhiges Wasser.

Komplimente gehen besser als Aphorismen.

Dichter! Marschiert auf die Konflikte unserer Gegenwart zu. Ihr werdet staunen, was für gute Wendungen euch gelingen.

Kunstkritik ist das Geschrei darüber, daß man im Kuchen das Mehl und die Eier nicht mehr findet.

Uhren schlagen, Glocken schlagen, Nachtigallen schlagen, Herzen schlagen, Die Poesie ist eine große Schlägerei.

Kunst dringt tief in die Menschen ein, besonders die Kochkunst.

Was kann der Fernseher dafür, daß der Geist so willig ist und das Fleisch so selten schwach.

Nichts geht über die Liebe. Alles trampelt drüber.

Die Frau ist stärker als der Mann, wenn sie einen hat.

Der Mann zeugt, die Frau gebiert, und den Rest erledigt der Fernseher.

Man liebt ein schönes Wetter und heiratet ein ganzes Klima.

In den Schlafzimmern, in denen nicht richtig gelacht wird, wird auch nicht richtig geliebt.

Er hielt sie für harmlos, nur weil sie bei ihm nichts zu lachen hatte.

Wenn eine Frau fremd geht, heißt das nicht, daß sie ihren Mann auch betrügt. Meist gibt sie nur das weg, was er nicht wollte.

Er konnte nicht bis drei zählen, spätestens bei zwei unterbrach ihn seine Frau.

Freundschaft ist die Kunst, sich nicht so viele Neins aufzuzwingen.

Wenn schnell schwimmen höher ist, als schnell denken, hätten wir auch Fische bleiben können.

Die Sittsamen gehen nicht auf.

Ohne Baum ist der Wipfel auch nur ein Ast.
Fahrer: Kurt Böwe
Köchin: Ursula Karusseit

von Albert Wendt
Musik: Reiner Bredemeyer

Regie: Joachim Staritz
Dramaturgie: E. F. Kratochwil
Ton: Wolfgang Masthoff

Alle Rechte bei Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin
Aufnahme: Rundfunk der DDR