Die Sterntagebücher des Weltraumfahrers Ijon Tichy
Eine kosmische Münchhausiade

von Stanislaw Lem
LP LITERA 8 60 161
Covertext:
Stanislaw Lem ist wohl einer der profiliertesten Autoren unseres Planeten, der sich literarisch vorwiegend interplanetar betätigt. ,Gast im Weltraum‘, ,Der Planet des Todes!‘, ,Die Irrungen des Dr. Stefan T.‘, ,Der Unsichtbare‘ – um nur einige Titel zu nennen – all das sind Geschichten, die den kosmisch interessierten Leser ungemein irdisch mit außerirdischen Lebensbedingungen vertraut machen.
Die Resonanz seiner Bücher ist groß, sie ist sogar für Experten der Raumfahrt von nicht geringem Interesse. Der sowjetische Kosmonaut Boris Jegorow äußerte sich kürzlich in der ,Literaturnaja Gaseta‘ zu Lems Arbeit und beschrieb die Faszination, die für ihn von Lems Figuren ausgeht: „Es ist vor allem ihre Lebensechtheit, ihre Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit. Es sind Menschen mit guten und schlechten Seiten. Auf den ersten Blick haben sie nichts Außergewöhnliches an sich. In schwierigen Situationen aber sind sie stets der Lage gewachsen … Das ist vor allem aus psychologischer Sicht interessant. Die fesselnde, von Lem brillant aufgebaute Fabel ist nicht die Hauptsache in seinen Werken. Den Schriftsteller zieht die geistige Welt, das Innenleben der Menschen an. Ihn beschäftigen Probleme, die die Zeit ihnen aufgibt … Unwillkürlich kommt einem in den Sinn: ein Mensch wird geboren, wächst heran, bildet sich heraus. Und vor ihm taucht das bekannte Problem auf welchen Weg gehe ich? Soll man etwas Großes, Bedeutendes vollbringen, eine Spur auf Erden hinterlassen? Es muß ja nicht unbedingt sein, daß alle davon wissen, aber dieser Mensch hat das Bedürfnis, etwas Gutes zu tun. Ich stelle mir eine lichtvolle Stadt vor, die durch die Idee eines Baumeisters entstand. Jahrzehnte vergehen, den Namen des Architekten vergißt man vielleicht, die Stadt aber ist da, wächst und gedeiht, schreitet der Zukunft entgegen, und glückliche Menschen wohnen in ihr … All das kommt mir in den Sinn, wenn ich an die Romane, Erzählungen und Streitschriften Stanislaw Lems denke. Und mir scheint, daß er in seinen Werken jene menschlichen Beziehungen, die es bei uns schon tagtäglich gibt, modelliert, auf die Bildwand der Zukunft projiziert und am Beispiel eines solchen Modells das Verhalten eines wirklich positiven Helden zeigt.“
Unter Lems Büchern nimmt ein schmales Bändchen einen besonderen Platz ein: ,Die Sterntagebücher des Weltraumfahrers Ijon Tichy‘.
Der berühmte Sternfahrer Ijon Tichy, Kapitän der galaktischen Fernfliegerei, passionierter Meteor- und Kometenjäger, der mit nimmermüdem Forschergeist dreiundachtzigtausendunddrei Gestirne entdeckte, Doktor honoris causa der Universitäten beider Bären, Mitglied der Vereinigung zum Schutz kleiner Planeten, Ritter ungezählter Milch- und Nebelorden, wird dem Zuhörer auf den vorliegenden Tonbandaufzeichnungen seiner Gespräche und Tagebuchnotate in seiner ganzen Größe als eine Persönlichkeit gegenübertreten, die solch unerschrockenen Männern vergangener Zeiten wie Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen, Pawel Masloboinikow, Lemuel Gulliver oder Maître Alkofrybas würdig an die Seite gestellt werden kann. Ijon Tichys Name hat in beiden Schalen der Milchstraße einen guten Klang und es wäre unverantwortlich, dem irdischen Publikum die großen Entdeckungen Ijon Tichys vorzuenthalten.
Das auf siebenundachtzig Bände in Quarto nebst Ergänzung – ein fast vollständiges Sternlexikon und eine Kiste Anschauungsmaterial – geschätzte Gesamtwerk über Tichys Reisen wird von einem Kollektiv von Stern- und Planetenexperten gesichtet und kann im Hinblick auf die Kleinarbeit, die noch zu leisten ist, in absehbarer Zeit nicht erscheinen. Daher schien es uns ratsam, dem Werk einen Bruchteil zu entnehmen, die Tagebücher und Gespräche eben, und diesen, wenn auch in wissenschaftlich unbearbeiteter Form, ohne Anmerkungen, Fußnoten und Kommentare sowie ohne Glossar kosmischer Termini zu veröffentlichen. Bei den Vorbereitungen und bei der Zusammenstellung des Materials hat uns fast niemand helfen können.
Verwiesen sei nur noch auf eine Kleinigkeit – um Mißverständnissen vorzubeugen: die akustische Bindung der Gespräche und Bandaufzeichnungen besteht in astralen Geräuschen und Musiken von den galaktischen Inseln, die sich in Tichys Sammlungen fanden.

P. S.
Von einer allzu heftigen Suche nach vergleichbaren irdischen Größen und Vorgängen bitten wir tunlichst Abstand zu nehmen. Tichy und seine Erlebnisse sind unvergleichlich.
Ijon Tichy – Weltraumfahrer: Rolf Römer
Astral Sternu Tarantoga – Professor für Astralzoologie: Horst Schulze
Greis: Fred Düren
Galaxmann: Hans Hildebrandt
Pater Lazimon: Hans Hardt-Hardtloff
Kralos: Paul Berndt
Freund des Kralos: Horst Torka
Beamter: Rolf Ripperger
Ardrite: Wolfgang Ostberg

von Stanislaw Lem
Schallplatteneinrichtung: Dieter Scharfenberg
Musik: Jean Kurt Forest

Jean Kurt Forest, Spinettino/Claviset
Jean Kurt Forest und Martin Grabe, Elektronische Klangerzeuger
Hans-Jürgen Lüdecke, Marimbaphon/Schlagzeug

Regie-Assistenz: Werner Schurbaum
Regie: Dieter Scharfenberg