Eine Stunde gute Laune

mit Rolf Herricht & Hans-Joachim Preil

LP LITERA 8 60 145
Covertext:
Entgegen anders lautenden Gerüchten gibt es bei uns nicht wenige Menschen mit Sinn für Humor. Die einen bevorzugen die literarische Form des Humors, die anderen die gezeichnete und wiederum andere die gespielte Form. Von den Letztgenannten soll hier die Rede sein. Sie machen bei weitem die Masse aus und setzen sich zusammen aus passiven und aktiven Liebhabern des gespielten Humors. Beide Parteien stehen in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis zueinander, wovon unsere Platte beredtes Zeugnis liefert. Die passive Partei – auch Publikum genannt – zählt die meisten Mitglieder und äußert sich durch ohrenbetäubenden Lärm als Ausdruck der Zustimmung oder Ablehnung, der oftmals noch durch gymnastische Übungen unterstrichen wird. Hierbei auftretende Schmerzen sollen nach Ansicht der Ärzte nicht gesundheitsschädigend sein.

Der aktive Teil hingegen hat die höchst löbliche Selbstverpflichtung übernommen, in Form von Pointen gezielte Schüsse auf das Publikum abzugeben. Trifft einer dieser Schüsse einmal nicht ins Schwarze, zieht sogleich die nicht unbeträchtliche Schar der Kritiker gegen die Aktiven ins Feld, wobei es selten humorvoll zugeht. Gelingt es jedoch den Aktiven, die kritischen Gemüter mit der Waffe des Humors zu besänftigen, ist ihnen ein überschwengliches Lob gewiß. Wie man sieht, ist der aktive Teil in jedem Fall auch der leidtragende, und so manches Mal bleibt ihm nichts weiter übrig als das Honorar. Dennoch gibt er nie auf und kämpft gegen alle Anfechtungen und Verleumdungen.

Zwei der hartnäckigsten und vom Publikum seit langem mit Anerkennung bedachten Aktiven des Humors sind Rolf Herricht und Hans-Joachim Preil. Begegnet sind sich beide das erste Mal im Jahre 1953, als noch so manches bei uns in den berühmten „Kinderschuhen“ steckte. Preil, von Beruf Regisseur und Schauspieler (er lehnt auch ernste Rollen nicht ab), war Oberspielleiter am Bernburger Theater, als sich Herricht für das Fach des jugendlichen Charakterkomikers am selben Haus bewarb. Für das Vorspielen einer komischen Rolle brauchte Herricht einen Partner. Preil sprang ein, was zur Folge hatte, daß sich das Prüfungsgremium vor Lachen bog, Preil und Herricht aber zu der Feststellung gelangten, daß sie miteinander konnten.

1956 erhielt Herricht ein Engagement am Magdeburger Theater, wo er wieder mit dem inzwischen dort oberspielleitenden Preil zusammentraf. Diesem Zufall verdanken wir es, wenn sich in der Folgezeit eine „komische“ Partner- und Freundschaft zwischen beiden entwickelte. Bald fanden sich auch erste Anlässe – z. B. Betriebsfeiern –, um witzige Einlagen und selbstgebaute Sketche an den Mann zu bringen. Preil und Herricht fanden in ihren Kollegen ein dankbares Publikum und die Bestätigung, daß es was auf sich hatte mit ihrer Neigung zum Komischen. Das entdeckte auch die Theaterleitung mit dem Ergebnis, daß die beiden von nun an auf keiner Veranstaltung fehlten und sich in kurzer Zeit die Sympathien der Magdeburger erobern konnten. Preil erinnert sich: „Einmal gestaltete unser Theater einen bunten Abend bei der Verkehrspolizei. Rolf und ich hatten damals gerade unseren Sketch ,Die Fahrschule‘ einstudiert; mit dem wir bei der Verkehrspolizei große Lacher ernteten. Doch sollte dieser Abend noch ein Nachspiel, wenn auch ein nicht unangenehmes für uns haben. Kurze Zeit nach der Veranstaltung standen Rolf und ich abermals vor der Verkehrspolizei. Diesmal jedoch ging es um das Absolvieren der ,echten‘ Fahrschule. Eigenartigerweise wurden uns während der Prüfung kaum Fragen gestellt. Als wir unsere Verwunderung hierüber zum Ausdruck brachten, entgegneten uns die sonst so gestrengen ,weissen Mäuse‘: ,Die Gefahr, von Ihnen nur dumme Antworten zu erhalten, gehen wir nicht ein.‘ “ (Da Herricht und Preil noch recht munter durchs Leben wandeln, wird an der Fahrtüchtigkeit von beiden nicht gezweifelt.)

1958 fand am Magdeburger Theater die Uraufführung des von Hans-Joachim Preil geschriebenen und inszenierten musikalischen Lustspiels „2x Madeleine“ statt. In der Hauptrolle: Rolf Herricht. Da dieses Lustspiel überaus erfolgreich über die so oft zitierten „Bretter, die die Welt bedeuten“ lief, kommt jetzt, was kommen muß – nämlich der Fernsehfunk, der es sich nicht nehmen läßt, diese Inszenierung zu übernehmen und bei dieser Gelegenheit auf Preil und Herricht aufmerksam zu werden. Bald darauf ergab es sich, daß Wolfgang Reichert und Horst Lehn vom Fernsehfunk mit der Sendereihe „Ob das was wird“ auch in Magdeburg Einzug hielten und sich sogleich mit dem Aufruf „wer mitmachen will, der melde sich“ hilfesuchend an das Theater wandten. Herricht und Preil, die damals noch den größten Respekt vor dem allgewaltigen Fernsehen hatten, faßten sich ein Herz und unterzogen sich bei Wolfgang Reichert einer eingehenden Untersuchung. Das Ergebnis war für beide Seiten zufriedenstellend, und somit wurde dem Komikerpaar Herricht – Preil das grüne Licht zum ersten Fernsehauftritt gegeben. Mit dem dringlichen Hinweis, ja nicht die genehmigte 8-Minuten-Grenze zu überschreiten (Adlershof litt schon damals unter Zeitnot), wurden beide auf das sich etwas langweilende Publikum losgelassen, das sie zu erheitern gedachten. Das Publikum ließ sich erheitern und dankte ihnen mit so viel herzlichem Beifall, daß Herricht und Preil sich gezwungen sahen, die 8 Minuten auf insgesamt 18 auszudehnen. Die Initiatoren der Sendereihe zeigten sich denn auch sehr einsichtig – und kurz über lang kam es zwischen dem Fernsehfunk und dem Paar Herricht-Preil zu einer festen und fruchtbaren Zusammenarbeit. Es gibt wohl kaum eine Unterhaltungssendung (es sei hier nur an die Sendereihe „A, B oder C“ und „Mit dem Herzen dabei“ erinnert), in der Herricht und Preil nicht auftreten, abgesehen von den zahlreichen Gastspielen in den Bezirken unserer Republik und abgesehen von den nicht minder zahlreichen Rollen in DEFA-Filmen und Fernsehspielen.

Hans-Joachim Preil, der als Autor aller Herricht-Preil-Sketche zeichnet, erzählt uns: „Die Themen für die Sketche werden meistens durch die Sendungen selbst vorgegeben. Jede Sendung hat – wenn Sie so wollen – einen Aufhänger der mir als Anhaltspunkt beim Schreiben dient. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, denn die Einfälle liegen nicht immer auf der Straße. Manchmal allerdings findet man sie, wenn auch nicht auf der Straße, so doch unterwegs. Im Zug zum Beispiel, wo ich Augenzeuge einer Schachpartie zwischen zwei Mitreisenden war. Da ich selbst ein leidenschaftlicher Schachspieler bin, begann ich mich sofort für das Spiel zu interessieren, doch bald kam ich dahinter, daß der eine von beiden ein versierter Spieler war, während der andere kaum die Grundbegriffe des Schachspiels beherrschte. Das brachte natürlich seinen Partner außer Rand und Band und führte zu einer ,Unterrichtsstunde‘ die einer gewissen Komik nicht entbehrte und die ich später zu dem bekannten Sketch ,Die Schachpartie‘ ausbaute. Das Komische daran ist nun wieder, daß Rolf ebenfalls nicht Schach spielen kann und wir uns beim Einstudieren nicht erst ,verstellen‘ mußten. Apropos einstudieren: Wir proben gewöhnlich 4 bis 6 Wochen an einem Sketch. In dieser Zeit wird jede Geste, jede Antwort genau festgelegt. Oft werden wir gefragt, ob wir auf der Bühne improvisieren. Das ist nicht möglich, da wir sonst Gefahr laufen würden, die Pointe zu verderben. Und was dann passiert, wurde ja bereits weiter oben dargelegt. Wenn wir jedoch die Möglichkeit haben, testen wir die Reaktionen des Publikums einige Zeit, bevor die Sendung über den Bildschirm läuft, um hier und da noch einiges verbessern zu können.“

Womit wir ohne weiteres zu der Schlußfolgerung gelangen können, daß der Humor sehr wohl eine ernst zu nehmende Angelegenheit ist, der man lachenden Auges ins Gesicht sehen sollte.
|  Seite 1  |

Der Klavierkauf

Hypnose



|  Seite 2  |

Der Schauspieler

Das Gedicht

Der Bleistift

Hoppegarten


. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .



Komiker: Rolf Herricht, Hans-Joachim Preil

Autor der Sketche: Hans-Joachim Preil
Dramaturgische Einrichtung und Zwischentexte: Günter Kersten
Sprecherin der Zwischentexte: Annemarie Brodhagen

Alle Aufnahmen auf dieser Platte sind Veranstaltungsmitschnitte
Tonregie: Karl-Hans Rockstedt