Eine zärtliche Stimme
vorwiegend heitere Gedichte und Lieder

von Rudi Strahl

LP LITERA 8 65 327
Covertext:
Unter sein Porträt im Karikaturenband „Eulen-Leute“ hat er geschrieben: „Vermutlich wäre ich längst General, hätten mich nicht Hansgeorg Stengel als Individuum und der Eulenspiegelverlag als Institution ermuntert, statt dessen lieber ein heiterer Poet zu werden. Zum Glück für dieses Bändchen: Generäle karikiert man hierzulande nicht!“
Das klingt so, als sei ich mindestens Bremsklotz auf Rudi Strahls militärischer Laufbahn gewesen. Entrüstet weise ich jeglichen Argwohn zurück, der mir Mittäterschaft bei so niederträchtigem Komplott unterschiebt.
Natürlich fand ich immer, daß der Autor dieser Langspielplatte im weiten Bereich der komischen Literatur gut aufgehoben sei. Andererseits aber wäre der Reserve-Hauptmann Strahl bestimmt ein guter General geworden, einer, der selbst unbequemste Kommandos und Befehle mit einem milden Lächeln und vielleicht einer Zeile frohgemuter Poesie dekoriert oder, um ganz im Bild zu bleiben, überstrahlt hätte.
Und wer hat die Legende in die Welt gesetzt: Generale seien nicht karikierbar. Gerade der Rudi Strahl, der mit seinem Federkiel nahezu alle literarischen Territorien betreten hat, bewies mit „Der Reserveheld“, einem Drehbuch, das zu erfolgreichem Kinofilm gedieh, wie selbstverständlich in unserem Heimatland auch das Antlitz der Armee und ihrer (selbst hochgestellter) Angehörigen in den Bereich Humor & Satire einbezogen ist.
Es gibt eine weitere oft publizierte Strahl-Behauptung, die bei allem Verständnis für Fragmente und deren Relativität mindestens einer kosmetischen Behandlung bedarf: Stengel sei für die Reime und sogar für einige Formulierungen in den Gedichten des Verfassers der Versbände „Souvenirs, Souvenirs“, „Mit tausend Küssen“, „Von Augenblick zu Augenblick“, „Ewig und drei Tage“, „Von Mensch zu Mensch“ und „Eine Wendeltreppe in den blauen Himmel“ verantwortlich zu machen. Da diese These aus wohlwollender Gesinnung keimt, muß Strahl zum Lobe und zur Ehre festgestellt werden: Mein großes Vorbild, was Lebensgefühl, Stimmung und Versmaß betrifft, war auf dem Gedichtsfeld gestern und ist heute noch Erich Kästner. Ich zweifle nicht, daß Rudi Strahl ähnliche Zuneigung empfindet. Einigen wir uns also, wenn wir schon Inspiration delegieren, auf den gemeinsamen Ahnherrn Kästner.
Unser Mann aus Berlin-Hessenwinkel hat, wie man hier wieder fünfzig Minuten lang hören kann, wunderschöne Lieder, Balladen, Romanzen und Bekenntnisse versifiziert zu Papier gebracht. Meine Erwägung, er könne den Vortrag seiner Gedichte wohl auch allein bewerkstelligen, wischte er mit dem Argument vom Tisch, dies müsse ausgeschlossen werden, weil er, Strahl, ein gar kümmerlicher Interpret eigener literarischer Erzeugnisse sei. Ich pflichte meinem dichtenden Freund in diesem Punkt keinesfalls bei, respektiere jedoch so viel Selbstkritik und Entschiedenheit. Außerdem ist die auf der Schallplatte rezitierende und singende Garde erlesener Schauspieler sowieso ein äußerst reizvoller zusätzlicher Kunstgenuß.
Liebhaber Strahlscher Poesie, aber auch Unkundige haben nun die Möglichkeit, einen sorgfältig ausgewählten Extrakt des fünfzigjährigen Reimwerkers anzuhören und zu genießen. Ich muß mir überhaupt keine Mühe geben zuzugeben, daß ich dutzende der Strahl-Gedichte beneidenswert anmutig und nahezu klassisch finde.
Dabei sind Verse nur ein Bruchteil dessen, was Strahl in fünfundzwanzig Dichterjahren geschöpft hat. Er ist der heiterpoetische Landsmann mit dem breitesten literarischen Fächer. Rudi Strahl hat ausgiebig Prosa, darunter Romane und Erzählungen wie „Der Krösus von Wölkenau“ und „Du und ich und Klein-Paris“, geschrieben, und er ist Erzeuger vieler, vieler Kinderbücher, Filme sowie hier liegt Strahls Schwerpunkt seit Ende der sechziger Jahre – Komödien über Komödien. Mindestens die beiden Erfolgsstücke „In Sachen Adam und Eva“ und „Ein irrer Duft von frischem Heu“ werden als Dauerbrenner vermutlich über unser Jahrhundert hinaus auf den Bühnen zwischen Jerewan und Paris Furore machen.
Ich wünsche Rudi Strahl – bezogen auf die Schallplatte und auch im anderen Sinn eine allzeit gute Presse und die weite Hinausschiebung des Zeitpunktes, zu dem alle Freunde des Autors ihn zitierend seufzen müssen: Jetzt ist Feierabend, Strahl!

Hansgeorg Stengel
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Verzicht auf die Ewigkeit
Rolf Ludwig

Dialekt-materialistischer Trost
Klaus Piontek

Das Doppelzimmer
Dieter Mann

Mit fliegendem Puls (Lied)
Wolfgang Dehler

Dementi
Rolf Ludwig

Eine zärtliche Stimme
Ursula Karusseit

Alternative
Dieter Mann

Irritation (Lied)
Ingrid Pollow

Mit tausend Küssen
Klaus Piontek

Durchaus möglicher Beginn
Ursula Werner

Modell, danach gekränkt (Lied)
Ingrid Pollow

Adam und Eva, zeitgenössisch
Ursula Werner

Hexerei
Klaus Piontek

Eine Frau denkt nach
Ursula Werner

Bitte um Nachsicht
Dieter Mann

Theorie und Praxis
Ursula Karusseit

Bravheit und Treue
Rolf Ludwig

Denkste (Lied)
Wolfgang Dehler

Aus diesem Grund
Ursula Karusseit

Ehelicher Zwist
Ursula Werner / Dieter Mann

Mal was anderes
Ursula Karusseit / Rolf Ludwig

Die Tage und Nächte der Heiderose H. (Lied)
Ingrid Pollow

Das Schönste
Ursula Karusseit / Rolf Ludwig


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Chateaubriand
Ursula Werner

Im Schlaraffenland
Rolf Ludwig

Episode (Lied)
Wolfgang Dehler

Von Tieren
Klaus Piontek

Für und wider
Dieter Mann

Atheistischer Stoßseufzer
Klaus Piontek

Vom Niederen zum Höheren
Ursula Karusseit

Niederlage
Rolf Ludwig

Ursache und Wirkung
Ursula Werner

Lieber Sohn – Schlaflied
Wolfgang Dehler / Ingrid Pollow

Lehre
Ursula Karusseit

Auf und Ab
Klaus Piontek

Ästhetisches Dilemma
Ursula Werner

Typisch
Rolf Ludwig

Eintagsfliege (Lied)
Ingrid Pollow / Wolfgang Dehler

Neue Marterin
Rolf Ludwig / Ursula Karusseit / Klaus Piontek / Ursula Werner / Dieter Mann

Neid und Einsicht
Klaus Piontek

Manchmal (Lied)
Wolfgang Dehler

Scheiden tut weh:
Er an Sie

Dieter Mann

Sie an Ihn
Ursula Werner

Der alte Seemann (Lied)
Ingrid Pollow / Wolfgang Dehler

Soviel steht fest
Ursula Karusseit

Ruhe sanft
Rolf Ludwig

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komponiert von Bernd Wefelmeyer
Musikalische Leitung: Bernd Wefelmeyer

Regie: Heiner Möbius
Tonregie: Karl Hans Rockstedt

Mit freundlicher Genehmigung des Eulenspiegel-Verlags Berlin.