Emil

LP LITERA 8 60 260
Covertext:
Vielleicht haben Sie Glück und der Sie behandelnde Arzt verschreibt Ihnen prophylaktisch als Schallplattenkur Emil (dreimal täglich nach den Mahlzeiten in kleinen Dosen zur Erheiterung des Gemüts und zur Stärkung des Nervensystems)!
Dankschreiben ehemaliger Trübsalbläser bestätigen die zwerchfellerschütternde Wirkung von Emil und die jahrhundertealte Behauptung der Jünger des Äskulap, Lachen sei gesund. Nun gibt es dieses schweizerische Wundermittel auch bei uns. Mit einem Gastspiel im Berliner Kabarett „Distel“ und mehrmaligen Übertragungen der Aufzeichnung im Fernsehen der DDR eroberte sich Emil die Sympathien unserer lachlustigen Kabarettfans.
Wer oder was ist Emil?
Wie erklärt sich seine überraschende und heilsame Wirkung?
Der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger, in Luzern geboren, war Postbeamter, Grafiker, Werbefachmann bevor er sich als ein Meister der komischen Improvisation, als ein überzeugender Gestalter der kleinen und großen Schwächen des homo sapiens entpuppte. Seine Miniaturen aus dem menschlichen Alltag beweisen seine ausgezeichnete Beobachtungsgabe und sein Talent, Typisches liebens- und belachenswert wiederzugeben.
Emil steht oder sitzt alleine auf der Bühne und erlebt oder erleidet zugespitzte Situationen, die er auskostet, in denen er immer wieder neue überraschende und erheiternde Effekte zu finden weiß.
Zu Emils geistigen Ahnen gehören unverkennbar der zu Narrenstreichen aufgelegte Till Eulenspiegel, der sich mit Naivität tarnende, von pfiffiger Schläue strotzende Josef Schwejk und der räsonierende linksrum denkende Pechvogel Karl Valentin.
Emil braucht kein Ensemble, er bevölkert die Bühne mit den skurrilen Geschöpfen seiner Fantasie und Gestaltungskunst. Jede Möglichkeit zu einem Gag, einem Ulk, einem Witz wird konsequent ausgenutzt. Es ist sicher nicht Kabarett in unserem Sinne – politischsatirisch und kritisch-aktuell, aber es ist gute Kabarettkunst, weil alle kabarettistischen Mittel gekonnt eingesetzt werden und weil im Mittelpunkt des Geschehens immer menschliche Verhaltensweisen stehen. Emil ist ein Kabarett-Virtuose, der sein Instrument glänzend zu spielen vermag. Emils Instrument ist Emil. Die Sonaten, Etüden und Divertimenti, die er interpretiert, heißen immer Menschliches, Allzu menschliches.
Wenn er als zerstreuter Garderobier mit Akkuratesse bemüht ist, jede auch nur mögliche Unordnung herbeizuführen, und wenn man erlebt, wie Emil dabei auf sein Publikum eingeht, dann ahnt man seine Meisterschaft.
Der „Telegrafenbeamte“ hat mit der Tücke des Objektes zu kämpfen und mit seiner eigenen Bequemlichkeit. Es bleibt zu hoffen, daß manch einer aus dem Publikum wirklich in den Spiegel sieht, der ihm auf so amüsante Weise vorgehalten wird. „Nachts auf dem Polizeirevier“ wird ein Feuerwerk von Pointen losgelassen, aber alles aus der Situation entwickelt, nichts aufgesetzt, sondern aus einer Emilschen Grundhaltung heraus motiviert. Die Lebenserfahrungen des kleinen Mannes fließen ein in alle Handlungen und Reden. Die sympathisch menschliche Einstellung zur Arbeit und zu den Problemen – es ist besser, ihnen aus dem Weg zu gehen – lassen einen schmunzelnd und lachend stillhalten, während einem das Zwerchfell über die Ohren gezogen wird.
Als „Pilot“ und als „Skilehrer“ beweist Emil seine hervorragenden mimischen und gestischen Fähigkeiten. Sein ganzer Körper spielt mit. Ich habe beobachtet, wie sich das lauschende, beobachtende und lachende Publikum wie unter einem suggestiven Zwang mit in die Kurve gelegt hat. Bei der „Vorstandssitzung“ erinnern wir uns alle an manche Beratung, an der wir teilzunehmen verpflichtet waren. Ganz im Vertrauen, seitdem ich Emil erlebt habe, ertrage ich jede Sitzung leichter. Nur meine Kollegen wundern sich, warum ich manchmal schmunzele, obwohl es offensichtlich keinen Grund dafür zu geben scheint. Umwerfend komisch ist Emil in der Szene „Vater und Sohn“. Alles kann die akustische Wiedergabe von der Platte ja leider nicht vermitteln, aber auch beim Hören kommt jeder Lachlustige auf seine Kosten.
Emil ist ein Vollblutkomödiant, ein Meister der kleinen Form, ein Menschengestalter. Er unterhält ohne billige Witze, er demonstriert Lächerliches, ohne verletzend zu wirken. Man muß ihn gerne haben, diesen Emil. Alleine schon, weil er uns so viel Spaß macht.

Heinz Lyschik
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Die Sache mit der Garderobe
Der Telegrafen beamte
Nachts auf dem Polizeirevier



|  Seite 2  |

Der Pilot
Die Vorstandssitzung
Der Skilehrer
Vater und Sohn
Die Sache mit der Garderobe II




Komiker: Emil Steinberger

Aufnahme von Phonogram, Hamburg