Fröhlich sein und singen
Lieder der Thälmann-Pioniere
LP NOVA 8 85 013
Covertext:
„Fröhlich sein und singen“ haben wir diese Schallplatte genannt, denn dies ist mehr als nur der Titel einer vorbildlichen Zeitschrift, die sozusagen „jedes Kind kennt“, und mehr als die Anfangszeile eines Pionierliedes, das auch im vorliegenden Lieder-Kunterbunt enthalten ist. Das Motto „Fröhlich sein und singen“ vereint zwei Begriffe, die wirklich zusammengehören die sogar einander bedingen: Fröhlich sein durch singen könnte es heißen. Und wer das „Fröhlichsein“ als allzu speziellen Gemütszustand empfindet, darf es durch „Glück oder „Freude“ oder „Menschlichkeit“ ersetzen. Wobei damit keinesfalls auf die recht trügerische Behauptung angespielt werden soll, daß „böse Menschen keine Lieder“ hätten. Doch daß gute Menschen besonders viele Lieder haben, kann man getrost feststellen.

Das Singen ist durchaus keine unwichtige Leidenschaft des Menschen. Es gibt nur sehr wenige, die vom Gesang nicht angesprochen werden, denen ein Lied, insbesondere ein selbst gesungenes, nicht das Herz öffnet. Selbst die sogenannten „Unmusikalischen“ und die „Brummer“ hören gern zu, wenn gesungen wird. Und man findet wohl keinen schlagenderen Beweis für die Kraft des Liedes als seine Unsterblichkeit selbst in den Zeiten der Kofferradios, der Fernseh-Unterhaltung oder – der Schallplatte. Vielleicht regen gerade die neuen technischen Hilfsmittel wieder zum Singen an! Und auch den Produzenten der vorliegenden Platte wäre es nur recht, wenn sie nicht nur aufgelegt, sondern auch nachgesungen würde.

Hörend lernen wir wieder singen, und singend lernen wir hören. Bekommen Appetit auf Musik und Geschmack auch an solchen musikalischen Werken, die sich nicht auf Anhieb nachsingen lassen. Martin Luther wußte schon, weshalb er dem Singen so große Bedeutung in der menschlichen Erziehung beimaß und den, der „nicht Gefallen hat an solch lieblich Wunderwerk, wie Musica eins ist“, einen „rechten Ochs“ nannte. Die Freude an der Musik und am Singen ist dem Menschen vom ersten Tage an so eigen wie das Bedürfnis nach Nahrung und Schlaf. Das Wiegenlied der Mutter wird schon bald vorsichtig tastend, aber unbekümmert von einer „zweiten Stimme“ untermalt Das Kind entdeckt den Genuß des Schöpferischen. Es singt, noch bevor es die Muttersprache erlernt. Und mit drei, vier Wörtern lassen sich bereits ganz wunderbare Lieder leiern – wer hätte das nicht schon mit Freude, Humor und schließlich mit Verzweiflung beobachtet!

Später wird dieses ursprüngliche Bedürfnis oft genug verschüttet und muß mühsam neuentdeckt werden. Die Kindergartenlieder, mit so viel offensichtlichem Spaß gesungen, geraten in Vergessenheit. Wer in der Schule oder in der Pionierfreundschaft keine liedkundigen Vorbilder findet, „rostet“ rasch ein und benutzt seine Stimme vielleicht erst wieder, wenn eine Geburtstags- oder Hochzeitsrunde beisammen ist oder wenn bei einer Demonstration nach einem Lied verlangt wird.

Aber das hat sich ja zum Glück in den letzten Jahren – dank der Singebewegung – schon wesentlich verändert: zugunsten des Liedes und der Sangeslustigen. Und heute ist es schon nicht mehr so, daß fast jeder, wenn der Text der zweiten Strophe verlangt wird, in Verlegenheit gerät. Sollte es aber dennoch auch heute noch junge Leute geben, die erst während einer Auslandsreise merken, daß sie dem vollblütigen Gesang der sowjetischen oder bulgarischen Freunde nichts entgegenzusetzen haben, für die ist Luthers Wort vom „rechten Ochs“ noch fast zu milde. Das Lied hat viele Eigenschaften. Neben der geselligen Funktion besitzt es bildende und erzieherische Werte, die Grund genug sein sollten, ihm überall in unserem Lande in der Schule, im Pionierverband und in der Jugendorganisation einen besonderen Platz einzuräumen.

Schon im Vorschulalter erfassen die Kinder singend ihre Umwelt. Die besten Lieder geben erste Einblicke in Zusammenhänge der Natur und der Gesellschaft. Neben Märchenfiguren und Butzemännern tauchen Krane, Traktoren und Hochhäuser auf. Lieder entstehen, die ganz konkrete pädagogische Aufgaben haben; etwa zu einem vorbildlichen Verhalten im Straßenverkehr oder in der Schule aufrufen. Die Kinder lernen zeitig auch durch das Lied, daß sie Teil einer großen Gemeinschaft sind. Das Interesse für die nähere Umwelt erweitert sich zum Interesse für die Gesellschaft, für andere Völker.

Gewiß man kann die erzieherische Absicht auch übertreiben. In der Geschichte des Liedes, besonders des Kinderliedes, gibt es dafür zahlreiche Beispiele, und auch unser sozialistisches Liedschaffen ist nicht frei von solchen didaktischen Ausrutschern. Aber Kinder sind da strenge Kritiker. Und am Ende blieb und bleibt immer nur das im Volke lebendig, was in Melodie und Text dem Empfinden der Menschen entspricht, singbar und klar ist und beim Singenden nicht das Gefühl ständiger Belehrung, sondern schöpferischer Freude und Geselligkeit hinterläßt.

Die kindertümelnden Neuschöpfungen die im 18. und 19. Jahrhundert oftmals eine schwülstige, spießige Welt vorgaukelten, gehören nicht zu den Liedern, die das Volk anerkannte, variierte, parodierte und weitergab. „Mein Gott, wie trocken und dürr stellen sich doch manche Leute die Seele eines Kindes vor!“, meinte Herder 1773 in seiner Schrift „Von deutscher Art und Kunst“ und setzte als Kenner nationaler und internationaler Volksdichtung hinzu: „Eine ganze, jugendliche kindliche Seele zu füllen, Gesänge in sie zu legen, die, meistens die einzigen, lebenslang in ihnen bleiben ..., welch ein Zweck! welch ein Werk!“

Herders Ideale sind auch in der Folgezeit selten genug verwirklicht worden. Die gesellschaftlichen Umstände, die ein religiös-untertäniges Verhalten und preußischen Gehorsam erheischten, brachten andere Lieder hervor. Wichtiger als der Taktstock war für viele Lehrer der Rohrstock!

Doch es hat auch Lichtblicke gegeben. Aus den Sammlungen der kinderfreundlichen Dichter Achim von Arnim und Clemens Brentano traten viele poetische Verse ihren Siegeszug ins Kinderland an und retteten sich vielfach über alle Strömungen der Romantik und Frömmelei hinweg bis in unsere Zeit. Zu Recht bilden wir heute unser Liedrepertoire aus den besten Volksliedern der Vergangenheit und dem zeitgenössischen Liedgut. Kinderlieder gehören zum wertvollen Schatz der Volkslieder, die immer „Lieder der Werktätigen der arbeitenden Klasse“ waren (E. H. Meyer). So nimmt es nicht Wunder, daß z.B. in der Geschichte des Arbeiterliedes auch früh schon das Arbeiterkinderlied auftaucht, denn die Kinderbewegung der SPD und der Pionierverband der deutschen Kommunisten (gegründet 1924) wollte sich auch mit dem Lied eigene Ausdrucksformen schaffen, die die Kinder besser auf das kämpferische Leben vorbereiten konnten als das Eiapopeia bürgerlicher Kinderreime. Besonders aus der jungen Sowjetunion kamen viele Pionierlieder nach Deutschland, erhielten neue Texte und wurden viel gesungen (Siehe auch: „Das Lied im Kampf geboren“, Heft 6).

Ohne solche musikpadagogischen und kulturpolitischen Bemühungen wären die gegenwärtigen Lieder unserer Kinder und Pioniere nicht denkbar. Die Selbstverständlichkeit, mit der wir heute unsere Heimat besingen, das Lied vom kleinen Trompeter, von der Freundschaft oder vom neuen Jahrtausend lernen, wurde durch diese revolutionären Etappen des zeitgenössischen Kinderliedes vorbereitet. „Fröhlich sein und singen“ haben wir diese Schallplatte genannt. Vor dem Hintergrund der Geschichte begreift man, wie sehr dieses Motto an unser sozialistisches Leben gebunden ist. Unbeschwert besingen die Kinder in der DDR ihren Alltag, und träumen in die Zukunft, die viele fröhliche Lieder haben wird.

Fred Seeger (1971)


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Fröhlich sein und singen
Komponist: Hans Naumilkat
Text: Ilse und Hans Naumilkat
Zentraler Pionierchor „Edgar Andre“ Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Naumilkat

Blaue Wimpel im Sommerwind
(Liebe Heimat, deine Weiten)
Komponist: Gerd Natschinski
Text: Manfred Streubel
Kinderchor des Ernst Moritz Arndt-Ensembles Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Ehm Kurzweg

Freundschaftslied
(Heute soll ein Lied erklingen)
Komponist: Henry Kaufmann
Text: Walter Krumbach
Kinderchor des Ernst Moritz Arndt-Ensembles Berlin
Instrurnentalgruppe
Dirigent: Ehm Kurzweg

Laßt euch grüßen, Pioniere
Komponist: Günter Kochan
Text: Max Zimmering
Radio DDR-Kinderchor
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Sandig

Die Heimat hat sich schön gemacht
Komponist: Gerd Natschinski
Text: Manfred Streubel
Kinderchor des Philharmonischen Chores Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Wolfgang Berger

Lied vom kleinen Trompeter
(Von all unsern Kameraden)
Komponist und Textdichter unbekannt
Pionierchor des Zentralhauses der Jungen Pioniere
„German Titow“
Instrumentalgruppe
Dirigent: Karola Marckardt

Ich darf die Fahne tragen
Komponist: Ernst Hermann Meyer
Text: Willi Layh
Großer Pionierchor des Ensembles „Deutsch-Sowietische Freundschaft“ Leipzig
Instrumentalgruppe
Dirigent: Edith Hennig

Überall ist Lenins Spur
(Mit den Leninpionieren)
Komponist: Henry Kaufmann
Text: Erika Engel
Kinderchor des Philharmonischen Chores Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Wolfgang Berger

Unsre Heimat
Komponist: Hans Naumilkat
Text: Ilse und Hans Naumilkat
Zentraler Pionierchor „Edgar Andre“ Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Naumilkat

Das Lied, das uns allen gefällt
(Wie und wann)
Komponist: Hans Naumilkat
Text: Ilse und Hans Naumilkat/H. Petzold
Kinderchor des Philharmonischen Chores Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Wolfgang Berger


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Hell scheint die Sonne
Komponist: Wolfgang Richter
Text: Friedel Hart
Großer Pionierchor des Ensembles „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ Leipzig
Instrumentalgruppe
Dirigent: Edith Hennig

1, 2 Sport voran
Komponist: Hans Naumilkat
Text: Ilse und Hans Naumilkat
Zentraler Pionierchor „Edgar Andre“ Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Naumilkat

Lied vom Drahtesel
(Kling, Klingeling)
Komponist und Text: Henry Kaufmann
Kinderchor des Ernst Moritz Arndt-Ensembles Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Ehm Kurzweg

Allzeit gute Fahrt
(Zieht stolz unsre Flotte)
Komponist: Henry Kaufmann
Text: Erika Engel
Kinderchor des Ernst Moritz Arndt-Ensembles Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Ehm Kurzweg

Lied der jungen Verkehrshelfer
(Die Straße ist kein Spielplatz)
Komponist: Heinz Arenz
Text: Toni Kohlsdorf
Radio DDR-Kinderchor
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Sandig

Geh voran, Pionier
Komponist: Siegfried Bimberg
Text: Rainer Kirsch
Radio DDR-Kinderchor
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Sandig

Fahnenlied
(Hißt die Fahnen, laßt sie wehen)
Komponist: Heinz Arenz
Text: Herta Greef
Kinderchor des Philharmonischen Chores Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Wolfgang Berger

Trommellied
(Trommel, geh uns stets voran)
Komponist: Hanns Eisler
Text: Max Zimmering
Radio DDR-Kinderchor
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Sandig

Mein Vorbild
(Ob im Sommer unsre Zelte)
Komponist: Hans Naumilkat
Text: Walter Stranka
Zentraler Pionierchor „Edgar Andre“ Berlin
Instrumentalgruppe
Dirigent: Hans Naumilkat

Ins neue Jahrtausend hinein
(Im Oktober brach der rote Sturmwind auf)
Komponist: Hans Naumilkat
Text: Ilse und Hans Naumilkat
Kinderchor des Philharmonischen Chores Dresden
Instrumentalgruppe
Dirigent: Wolfgang Berger

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Musikregie: Dagmar Vorwerk
Tonregie: Bernd Runge/Eberhard Richter/Horst Kunze


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