Gegen die Phrase, die Langeweile
und das allgemeine Geschwätz

Dichtungen

von Johannes R. Becher
LP LITERA 8 65 281
Covertext:
Die Probleme der Dichtkunst liegen nicht dort, wo man sie gemeinhin vermutet, sie liegen vor allem außerhalb des Erlangens technischer Fähigkeiten, sie liegen im Leben, in der Ansicht vom Leben, im Weltanschaulichen, in der Tiefe der Ausbildung der menschlichen Persönlichkeit. Eine neue Kunst beginnt nie mit neuartigen Formen, eine neue Kunst beginnt immer mit dem neuen Menschen.
(Johannes R. Becher: Verteidigung der Poesie. Gesammelte Werke, Aufbau-Verlag, Bd. 13, S. 229)

Immer wieder im Halbschlaf vor mich hingesprochen wie einen Hilferuf, wie ein Bekenntnis: Wie soll man sich in der Zeit halten, wie mit all ihren Schwierigkeiten fertig werden und dabei ein Dichter bleiben!
(Johannes R. Becher: Macht der Poesie. Gesammelte Werke, Bd. 14, S. 27)

Ich gebe Dichtung, nichts anderes. Nichts anderes habe ich zu bieten. So paradox es zunächst auch scheinen mag, es ist so. Nichts anderes gibt euch mein Leben, nichts anderes habe ich zu bieten als Poesie.
(Johannes R. Becher: Macht der Poesie. Gesammelte Werke, Bd. 14, S. 190)

„Das Gegenteil eines Fehlers ist wieder ein Fehler“ – dieser Satz gehört zu meinen Grunderlebnissen, Grundsätzen. Überall beliebig anzuwenden, Leider. (Verteidigung der Poesie. A. 0. O, S. 123)

„Wer bist du? Wer ist wer?“ – blicke dieser Frage ins Gesicht, solange du es noch vermagst, und antworte! Weichst du dieser Frage aus, kann es sein, daß deine Antwort zu spät erfolgt.
(Johannes R. Becher: Das poetische Prinzip. Gesammelte Werke, Bd. 14, S. 293)

Man muß nicht immer alles laut sagen. Die Ruhe, die Stille, das Flüstern haben ihre beschwörende Stimme, ihre Pathetik, und nicht nur Sturm und Erdbeben können die Welt erschüttern, sondern auch ein kleines Lied, ein leises Wort. Die Welt hört nicht nur auf Lautsprecher, die Wahrheit kommt mitunter sanft, auf Taubenfüßen.
(Macht der Poesie. A. a. O., S. 100)

Erhabenheit gerät in Gefahr, auf Stelzen einherzuwandeln oder behäbig zu werden und mit dem Bauch zu wackeln. Also muß auch das Erhabene maßhalten und maßvoll vorgetragen werden.
(Verteidigung der Poesie. A. a. O., S. 392)

Der Dichter ist kein Schaufensterdekorateur. Aber das Kunstgewerbe blüht.
(Verteidigung der Poesie. A. a. O., S. 26)

Was vermittelt Spannung? Der Konflikt. Was erregt Interesse? Der Konflikt. Was erhält uns im Leben, in der Literatur und auf allen Wissensgebieten in Be-
wegung? Der Konflikt. Je tiefer, je bedeutender der Konflikt, je tiefer, je bedeutender dessen Lösung, desto tiefer, bedeutender der Dichter. Wann strahlt der Himmel der Dichtung am reinsten? Nach dem Gewitter. Nach dem Konflikt.
(Verteidigung der Poesie. A. o. O., S. 386)

Jeder von uns muß angestoßen werden, damit der oder jener Groschen fällt. In jedem von uns steckt ein Groschen, der nur dann zu Fall zu bringen ist, wenn wir angestoßen werden. Also stoßen wir einander an, manchmal grob, manchmal behutsam, wie es gerade notwendig ist, um den Fall des Groschens auszulösen.
(Johannes R. Becher: Poetische Konfession, Gesammelt Werke, Bd. 13, S. 553)

Als Dichter muß ich erst noch entdeckt werden, was das Politische bis jetzt verhindert. Meine eigentliche poetische Seele – wer kümmert sich darum. (…) Ja, alle machen dort halt, wobei mir die eigentliche Poesie beginnt, und doch ist nur von dorther alles andere erklärlich und deutbar.
(Johannes R. Becher: Auf andere Art so große Hoffnung. Gesammelte Werke, Bd. 12, S. 480)
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Aus einem Interview mit Joh. R. Becher
(Tondokument)

Am Besten
Lied vom Anderssein

Komposition: Helge Jung

Aus:
Der große Plan
Vorspruch
Gesang der Kommune

Aus:
Das Holzhaus
Nicht einen Klang
Komposition: Helge Jung

Cesures (1)
Komposition: Werner Pauli

Hoch über der Stadt
Komposition: Georg Katzer
Als ich dich aus den Augen verlor
Das Wunder

Komposition: Werner Pauli
Lautlos singst du
Ich liebe dich

Komposition: Werner Pauli

Auf ein Kind

Cesures (2)
Komposition: Werner Pauli


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Ach dummes Herz
Komposition: Georg Katzer

Das Schneegesicht
Komposition: Helge Jung

Das Mädchen
Still mein Herz

Komposition: Werner Pauli

Das Dachauer Exempel

Im Frühling
Komposition: Hanns Eisler
Bearbeitung: Werner Pauli

Zu Ende die Schlacht

Cesures (3)
Komposition: Werner Pauli

Gegen die Phrase, die Langeweile
und das allgemeine Geschwätz
Genosse Fehlerfrei

Komposition: Werner Pauli
Es war einmal ein Referent

Über Selbstkritik
Komposition: Werner Pauli

Über Moral

Der Redefluß
Komposition: Werner Pauli

Aus:
„Macht der Poesie“:
Kunst ist Waffe


Auswahl
Aus einem Interview mit Johannes R. Becher
(Tondokument)

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Gesang, Rezitation: Sonja Kehler

Werner Pauli, Gitarre
von Johannes R. Becher

Musikregie: Dagmar Vorwerk
Wortregie: Harald Quist
Tonregie: Eberhard Hinz