Ich weiss nicht, warum ihr lacht
Rainer Schulze singt kabarettistische Chansons von Wolfgang Schaller
LP LITERA 8 65 366
Covertext:
Versuch eines Interviews

Schaller: Wir sollen uns vorstellen.
Schulze: Wir stellen uns doch mit unseren Liedern vor.
Schaller: Aber manchen interessiert außerdem noch, wieviel Kilo Du wiegst und was Deine Frau dazu sagt und ob Du Klöße ißt.
Schulze: Beim Singen nicht.
Schaller: Mich würde zum Beispiel interessieren, wie es zu unserer Zusammenarbeit kam.
Schulze: Da kann ich Dir verraten, daß Dich Maja Lopatta, Chefin der „Unterhaltungskunst“ fragte, ob Du für mich …
Schaller: Ich sagte nein. Dann erfuhr ich, daß dieser Schulze einen Buchladen hat. Da sagte ich ja. Nun schreib ich laufend Liedtexte. Ich will mich noch bis zu einem Globus vordichten.
Schulze: Vorher sang ich Lieder des Österreichers Georg Kreisler. Kreisler ist für mich in seiner Dreieinigkeit Autor – Komponist – Interpret ein großer Lehrmeister.
Schaller: Warum fuhrst Du da nicht lieber zu Kreisler?
Schulze: Ich spreche nicht österreichisch. Und mit Schaller verbindet mich die F 6. Auf ihr gelangte ich trotz der mit der Republik wachsenden Schlaglöcher von Wernigerode nach Dresden.
Schaller: Von nun an gings bergab oder bergan?
Schulze: Sagen wir: Wir schlugen uns durchs Gestrüpp unterschiedlicher Standpunkte. Am Ende hatten wir beide eine bessere Sicht.
Schaller: Schulze ist ein großer Junge, der immer in die Welt hineinstaunt. Er ist nicht fertig mit sich und Gott und Marx. Mit ihm macht es Spaß, ernsthaft zu sein. Eine Redakteurin schrieb über ihn: „Mit viel Gespür für die Intensionen des Autors findet Schulze musikalische Entsprechungen, die er mit Enthusiasmus, Charme und Bescheidenheit vorträgt. Eine erfrischend offene unverbrauchte Persönlichkeit, der man wünscht, sie möge nicht in den Mühlen der Unterhaltungskunst zermalmt werden.
Schulze: Lies das noch einmal vor.
Schaller: Dabei zweifelte Schulze anfangs an meinen Texten mehr als ich. Als er mit unseren ersten gemeinsamen Liedern beim Chansonwettbewerb einen Preis bekam, zweifelte er nicht mehr, Als er wenige Stunden später beim Konzert der Preisträger nicht mit dabei war, zweifelte er wieder.
Schulze: Kein Wunder. Schaller kriegt für seine Texte laufend Preise, Kunstpreis des FDGB, Preis des Kulturministers bei der Leistungsschau. Und ich krieg Ärger.
Schaller: Da möcht ich mal Kurt Hager zitieren, der auf einem Plenum Goethe zitierte: Wer sich nicht selbst zum besten halten kann, der ist gewiß nicht von den Besten.
Schulze: Aber in der ersten Reihe im Saal sitzt nicht Goethe.
Schaller: Lachen ist ein Zeichen von Stärke. in unserem Land wird immer noch zu wenig gelacht. Doch wo gelacht wird, stellt sich Angst ein – bei den Feinden.
Schulze: Nun leben wir freilich in Zeiten, in denen uns mitunter das Lachen im Halse steckenbleibt. Mit Satire, mit kabarettistischen Liedern kann man keinen Krieg verhindern. Es geht ums Überleben.
Schaller: Aber dieses Überleben hat doch nur Sinn, wenn das Leben einen hat. Und damit dieses Leben noch lebenswerter wird, dafür brauchen wir auch unser Lachen, unsere Lieder, brauchen wir auch politische Witze. Denn über wen sollen wir lachen, wenn nicht über uns. Über Herrn Reagan fällt mir kein Witz ein. Über uns vermutlich noch sehr viele. Und das ist gut so.
Schulze: Dann ist diese Platte wohl ein einziger Witz?
Schaller: Eben nicht.
Schutze: Jetzt hab ich keine Frage mehr an mich.
Schaller: Dann können wir uns für dieses Gespräch bedanken.

Aufgeschrieben von Wolfgang Schaller
|  Seite 1  |

Vorwort
Aphorismus: Alte Märchen … (Nils Werner)
Wunderland
Abschied und Wiederkehr
Zwei Limericks
Pferdeliebe

Aphorismus: Manche Leute sollten … (Manfred Kubowsky)
Hier bin ich Mensch
Aber die Gardinen
Lied vom Gießer und den Kings
Legende über Karl den Großen
Angriff auf mein Lachen



|  Seite 2  |

Ich bin ein bißchen langsam im Denken
Aphorismus: Wer sich im A … des Vorgesetzten (Manfred Kubowsky)
Protestsong
Moral
Aphorismus: Er war Erzieher (Nils Werner)
Gesang vom Lernen
Fließband-Anne
Aphorismus: Leute, die in Neubauten … (Manfred Kubowsky)
Es war mal ein Alter mit seiner Frau
Bekenntnis

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .


Komposition, Gesang, Sprache, Klavierbegleitung:
Rainer Schulze

Mitschnitt einer öffentlichen Veranstaltung in der Gerhart-Hauptmann-Oberschule in Wernigerode, Juni 1983.
Tonregie: Karl Hans Rockstedt

Aphorismen von Manfred Kubowsky aus: „Die Stellung ist krampflos zu halten“ (Eulenspiegelverlag, Berlin)
von Nils Werner aus: „Ein Wort kommt munter und keck“ (Henschelverlag, Kunst und Gesellschaft, Berlin)