Kuddeldaddeldus Abenteuer
Wenn die Seefahrt nicht wär’ ...

von Hans Krause
LP LITERA 8 65 304
Covertext:
Über Kuddeldaddeldu
Sein Erfinder: Joachim Ringelnatz. Bevor Hans Bötticher (geboren 1883 in Wurzen, gestorben 1934 in Berlin) zum Dichter Joachim Ringelnatz wurde, hat er sich in mancherlei möglichen und unmöglichen Berufen versucht: als künstlerischer Mitarbeiter einer Schlangenbude auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt, als Faktotum einer Pension in England, als Angestellter einer Speditionsfirma, Kaufmann, Handelsreisender, Buchhalter, Reisebüro-Korrespondent, Fremdenführer auf Schlössern, Verlagsarchivar, Schaufenster-Dekorateur, Privatbibliothekar und Inhaber eines kleinen Tabakladens in München. Der Hauptberuf dieses wundersamen Mannes – vor dem des Dichters (und Malers) – aber war: Seemann. Im ersten Weltkrieg hat er es gar bis zum Marineleutnant der Reserve gebracht. Irgendwann hat Ringelnatz den Kuttel Daddeldu (so hieß er ehedem) erfunden – erfunden, aber nicht aus der Luft gegriffen: Kuttel Daddeldu, den meist leicht, oft auch schwer besoffenen Seemann mit dem manchmal grobschlächtigen, manchmal auch feinsinnig-skurrilen Humor. Ringelnatz selbst hat diese (und andere) unverwechselbare Verse in Kabaretts und Konzertsälen nahezu aller deutschen Städte wie auch in der Schweiz, in Wien und in Prag vorgetragen. Viele andere Künstler haben die Kuttel-Daddeldu-Gedichte rezitiert, so beispielsweise die unvergessene Annemarie Hase (1901 - 1971); vor ungefähr zwanzig Jahren erschien ihre schöne Ringelnatz-Schallplatte („Eterna“ 7 60 007), auf deren Hülle diese schöne Widmung im Faksimile abgedruckt ist: „Mein warmgeliebtes Annehäschen, / Putz dir mal dein Rotzenäschen, / Putz dir mal die Gummischuh/(nicht von wegen Dreck u. Rotz). / Dieses wünscht aus List u.Trotz/ Daddeldu / und / Ringelnotz. / Berlin, 13. 1. 21 .“ Ringelnatz (persönlich!) und Heinz Draehn sind auf der kleinen „Litera“-Platte zu hören welche dem „Eulenspiegel“- Buch „J. R., Nie bist du ohne Nebendir“ (Berlin 1976, 1977) beigefügt ist.

Kuddeldaddeldus Erbwalter: Hans Krause. Vor langer Zeit wurde er in einer Kritik als „schmalschultrige Musterschülererscheinung“ bezeichnet, und ein anonymer Kabarett-Besucher fand: „Der muß mehr essen, sonst verliert er.“ Ein Musterschüler war er nie. Ob er inzwischen mehr gegessen hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Verloren hat Hans Krause nie; er hat auf der ganzen „Distel“-Linie gewonnen: als Kabarettist seit der Gründung des Ensembles (1953), als
„Distel“-Direktor (1958 - 1963) und als stets erfolgreicher Autor satirischer Verse und Szenarien. Für den Band „Eulen-Leute“ (Eulenspiegel Verlag, Berlin 1980) hat Hans Krause dieses lapidarironische Selbstporträt verfaßt: „Wiege, Schule, Striese-Schmiere, / Flitterwochen und Armee. / „Distelu, Agit-Prop, Satire, / danach Ulkus und „ND“. / Seither fest im Musensattel, / wenn auch wackelnd ab und zu. / Dafür pausenlos Gequaddel / für den Seemann Daddeldu. / Dieses ist, kurz überflogen / mal bergab und mal bergauf, /wenn auch nicht für Fragebogen /– Lebenslauf.“ Hans Krause (Jahrgang 1924) begann als gelernter Schauspieler am Deutschen Theater zu Berlin, doch bald zog ihn die leichte Muse an, mit der er es sich niemals leicht machte. So gelang ihm das Kunststück, Ringelnatzens alte Daddelduformen mit neuen, zeitbezogenen Inhalten zu füllen und ihnen aktuellen Spaß und Nutzen abzugewinnen.

Kuddeldaddeldu heute: Heinz Draehn. Erich Brehm (1910 - 1966) hatte anno 1953 das Berliner Kabarett „Die Distel“ gegründet (das er bis 1958 leitete). Er war unermüdlich auf der Suche nach guten, neuen Mitarbeitern. In einer Vorstellung des Laienkabaretts „Rostocker Spatzen“ erlebte Brehm einen Mann, der ihn sofort begeisterte. „Das ist der proletarische Typ, den wir brauchen, den holen wir nach Berlin.“ Das war aber leichter gesagt als getan, denn Heinz Draehn ließ sich nicht „vom Fleck weg“ engagieren. Er war 1921 in Rostock geboren worden, und da wollte er auch bleiben. Er liebte das Meer, und eine binnenländische Existenz schien ihm nicht besonders verlockend zu sein. Er war Seemann und Hafenarbeiter gewesen. Es machte ihm Spaß, beim Kabarett mitzuspielen. „Aber von Berufs wegen? Nöö“ Nun weiß ich aus eigener Erfahrung, daß es kaum einen Menschen gegeben hat, den Erich Brehm nicht zu irgendetwas überreden konnte, und so geschah das auch mit Heinz Draehn. Seit Ende 1954 ist er Mitglied der „Distel“-Truppe – zu beiderseitigem Nutzen, wie ich glaube, und zur allgemeinen Freude des Publikums. Wahrscheinlich hatte es Heinz Draehn nicht ganz leicht, sich als Berufskünstler zu etablieren; doch war die Sache längst nicht so schwierig, wie er anfangs befürchtete. Das hatte verschiedene Gründe. Die „Distel“-Freunde und die zahllosen Besucher seiner vielen Gast-Auftritte konnten sich sehr schnell von dem universalen Talent Draehns überzeugen. Was hat dieser Kabarettist nicht alles gespielt! Matrosen und Bauarbeiter, Großväter und Schuljungen, Bürokraten und Schlagersänger, Menschen von der Waterkant und solche aus dem Sowjetland, reaktionäre Offiziere und fortschrittliche Soldaten ... wir wollen (und können) seine Rollen hier nicht vollständig aufzählen. Er ist ein Volkskünstler im besten Sinne des Wortes. Trotz eines gewissen cholerischen Temperaments ist er – wie man hört – mit seinen Kollegen immer gut ausgekommen. Natürlich gab es, nachdem Erich Brehm ihn verpflichtet hatte, auch Probleme. Ein Engagement ist eine gute Sache, aber der Mensch braucht auch ein Dach überm Kopf. Heinz Draehn beanspruchte keine Privilegien und stellte keine Bedingungen. In einem Ort am Rande Berlins bezog er mit seiner Familie zunächst eine Art von besserer Gartenlaube. Die hat er mittlerweile, auch durch den wesentlichen Einsatz eigener Arbeits- und Nervenkraft, zu einem schmucken Häuschen umfunktioniert, in dem es sich angenehm leben läßt. In seinen ersten Berliner Jahren knatterte er mit seinem Moped zu Proben und Vorstellungen. Bei Wind und Wetter sah er dicker aus, als er damals war, weil er den Hohlraum zwischen Pullover und Anorak mit Zeitungspapier zu isolieren pflegte. Heute fährt er mit einem Auto, das genauso wenig großkotzig ist wie er selber. Heinz Draehn ist ein bescheidener, zuweilen lustiger und fast immer sehr fleißiger Mann: als „Distel“-Kabarettist, als Alleinunterhalter, als Gast-Komiker, als Autor, als Regisseur von Laienkabaretts – und nicht zuletzt als unübertroffener, wahrscheinlich auch unübertrefflicher Interpret der Kuddeldaddeldu-Verse von Hans Krause.

Lothar Kusche (1981)
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Schiffbruch
Wenn die Seefahrt nicht wär’ ...

Jungferninsel
Kuddel und das Jahr des Mannes

Osterinsel
Camping ist immer bannig gesund

Der magnetische Pol
Telefonautik


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Im ewigen Eis
Die Urlaubsreise

Mikronesien
Kuddel auf dem Diplomatenempfang

Sardinien
Kuddel und der Berliner Karneval


Musikzitate aus:

Eine Seefahrt, die ist lustig/
Reise, reise
Folklore/Shanty

Drei Matrosen
Traditional

Donauwellen
Komposition: Iwan Iranovia

My Bonnie Lies Over The Ocean
Traditional

Muß i denn
Folklore

Sing man tau/What Shall We Do
Folklore/Shanty

Über den Wellen
Komposition: Juventino Rosas

In einer kleinen Schenke dicht am Hafen
Komposition: Hans Hendrik Wehding

Salling
Shanty

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Kuddeldaddeldu: Heinz Draehn
Kuddeldaddelich: Peter Borgelt

Arrangements: Gerd Siebholz
Gerd-Michaelis-Chor
Orchester Jo Kurzweg

Regie: Heiner Möbius
Tonregie: Karl Hans Rockstedt