Lieder, Chöre, Musiken zu Aufführungen des Berliner Ensembles

von Hans Dieter Hosalla
LP LITERA 8 65 140
Covertext:
Bertolt Brecht „Über Musik im Theater“
Die Auslegung der Fabel und ihre Vermittlung durch geeignete Verfremdungen ist das Hauptgeschäft des Theaters. Und nicht alles muß der Schauspieler machen, wenn auch nichts ohne Beziehung auf ihn gemacht werden darf. Die „Fabel“ wird ausgelegt, hervorgebracht und ausgestellt vom Theater in seiner Gänze, von den Schauspielern, Bühnenbildnern, Maskenmachern, Kostümschneidern, Musikern und Choreographen. Sie alle vereinigen ihre Künste zu dem gemeinsamen Unternehmen, wobei sie ihre Selbständigkeit freilich nicht aufgeben.
Die Musik muß sich ihrerseits durchaus der Gleichschaltung widersetzen, die ihr gemeinhin zugemutet wird und die sie zur gedankenlosen Dienerin herabwürdigt. Sie „begleite“ nicht, es sei denn mit Komment. Sie begnüge sich nicht damit, sich „auszudrücken“, indem sie sich einfach der Stimmung entleert, die sie bei den Vorgängen befällt.
So kann sich die Musik auf viele Arten und durchaus selbständig etablieren und in ihrer Weise zu den Themen Stellung nehmen, jedoch kann sie auch lediglich für die Abwechslung in der Unterhaltung sorgen.


Hans Dieter Hosalla
geboren 1919, studierte an den Konservatorien zu Erfurt und Weimar, ist seit 1956 als Musikalischer Leiter beim Berliner Ensemble.
Mit seiner Musik zu Wischnewskis „Optimistischer Tragödie“ trat Hosalla in die Reihe der namhaften Komponisten für das Theater: Seine Arbeit erfüllte die Wünsche Brechts an die Schwesterkunst in einem Theater des wissenschaftlichen Zeitalters. Und sie trug bei, die von den Meistern auf diesem Gebiet gesetzten Maßstäbe zu sichern. Die Musik zu Brechts Gangsterspektakel vom „Aufhaltsamen Aufstieg des Arturo Ui“ brachte Hosalla internationale Anerkennung, die in jüngster Zeit erneut bestätigt wurde durch die Kompositionen für die Aufführungen des Stückfragments „Der Brotladen“ und „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“.
Andere Platten aus der Serie „Berliner Ensemble bei Litera“ haben neben Hanns Eisler und Paul Dessau auch Hans Dieter Hosalla als Komponist von Liedern und Gedichten Brechts vorgestellt. Unsere Aufnahme bringt Beispiele aus seinen Bühnenmusiken: zu den Inszenierungen „Optimistische Tragödie“, Regie Manfred Wekwerth/Peter Palitzsch, 1958; „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“, Regie Manfred Wekwerth/Peter Palitzsch, 1959; „Purpurstaub“, Regie Hans-Georg Simmgen, 1966; „Der Brotladen“, Regie Manfred Karge/Matthias Langhoff, 1967; „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“, Regie Manfred Wekwerth/Joachim Tenschert, 1968. „Rote Rosen für mich“ war eine Aufführung des Deutschen Fernsehfunks, 1964 entstanden unter Mitwirkung von Schauspielern des Berliner Ensembles, Regie Kurth Veth. Brechts Einakter„Die Kleinbürgerhochzeit“ wurde am Berliner Ensemble noch nicht aufgeführt.
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Bertolt Brecht „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“

Chor der Schlachthofarbeiter
Gesang: Fritz Bartholdt, Heinrich Buttchereit, Johannes Conrad, Heinrich Schramm, Doris Thalmer, Günter Voigt, Hans-Georg Voigt, Dieter Wagner, Horst Wünsch

Lied der Schwarzen Strohhüte
Gesang: Christine Gloger, Elsa Grube-Deister, Annemone Haase, Felicitas Ritsch

Die Viehbörse
Gesang: Norbert Christian, Achim Petry, Horst Quednow
Ensemble

2. Lied der Schwarzen Strohhüte
Gesang: Christine Gloger, Elsa Grube-Deister, Annemone Hause, Felicitas Ritsch

Das Lied vom bekehrten Branntweinhändler
Gesang: Renate Richter

Der Schnee beginnt zu treiben
Gesang: Annemone Haase

Tod und Kanonisierung der heiligen Johanna der Schlachthöfe
Gesang: Günter Naumann, Christine Gloger, Annemone Haase, Felicitas Ritsch, Martin Flörchinger
Ensemble


Bertolt Brecht „Der Brotladen“

Der Wunder-Tango
Ensemble

Ja, was ist das mit Ihnen, Frau Queck
Gesang: Gerhard Möbius, Harald Popig, Heinrich Schramm, Karl-Maria Steffens, Dieter Wagner, Horst Wunsch

Die Brotschlacht
Gesang: Isolde Ekhof

Jetzt vollzieht sich deine Ausmerzung, Washington Meyer
Gesang: Christine Gloger, Annemone Haase

So fiel Washington Meyer
Gesang: Hermann Hiesgen, Erhard Köster, Gerhard Möbius, Achim Petry, Harald Popig, Felicitas Ritsch, Heinrich Schramm, Rudolf Seiß, Karl-Maria Steffen, Doris Thalmer, Dieter Wagner, Angelika Wailer, Horst Wünsch


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Bertolt Brecht „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“

Prolog-Musik
Musik zum Speicherbrandprozess

Das Lied von der Tünche
Gesang: Humor Thate


Bertolt Brecht „Die Kleinbürgerhochzeit“

Keuschheitsballade in Dur
Gesang: Ekkehard Schall


Wsewolod Wischnewski „Optimistische Tragödie“

Der Marsch
Das Gefecht
Auftritt der anarchistischen Verstärkung
und Abmarsch des Regiments
Das Regiment geht in Stellung



Sean O’Casey „Rote Rosen für mich“
Lieder in der deutschen Nachdichtung von Peter Hacks

Rote Rosen für mich
Gesang: Hilmar Thate

Streikbrecherlied
Gesang: Hilmar Thate


Sean O’Casey „Purpurstaub“
Lieder in der deutschen Nachdichtung von Helmut Baierl

Irische Ballade
Gesang: Günter Naumann

Lied der irischen Handwerker
Gesang: Martin Flörchinger, Peter Kalisch, Günter Naumann

Das Lied von Rory O’More
Gesang: Stefan Lisewski

Das Lied von Brian O’Linn
Gesang: Renate Richter

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Sprecher: Norbert Christian

Musikalische Leitung: Hans Dieter Hosalla
Das Orchester des Berliner Ensembles
Künstlerische Leitung der Aufnahme: Manfred Wekwerth/Joachim Tenschert
Assistenz: Isot Kilian
Tonregie Rolf-Dieter Gandert

Redaktion: Joachim Tenschert