Mariana Pineda

von Frederico Garcia Lorca
LP LITERA 8 60 133
Covertext:
Unweit von Granada – neben Sevilla berühmteste Stadt der alten Kulturlandschaft Andalusien – wurde Federico Garcia Lorca am 5. Juni 1899 in dem Dorf Fuentevaqueros geboren. Sein Vater war Bauer in der Vega, einem von Bewässerungskanälen durchzogenen Flachland bei Granada und die Mutter, deren Namen Lorca er annahm, war Lehrerin. So erbte er von den Eltern den Rhythmus seines Landes und Kulturbewußtsein. Seine Studienzeit an den Universitäten von Granada und Madrid und in den USA, den Rechtswissenschaften und der Literatur gewidmet, erscheint als Station auf seinem Wege zum Eigentlichen, der früh gewählten und erstaunlich früh gemeisterten Poesie. Sein erstes Buch, Prosa-Stücke, erschien 1918. 1920 kam sein erstes Bühnenwerk „Die Hexerei des Schmetterlings“ heraus. Jedoch sein erster Gedichtband, „Libro de Poemas“, dessen einzelne Gedichte er rezitierend bereits bekannt gemacht hatte, war 1921 erstmals ein Beleg seiner begnadeten Seele, seiner Meisterschaft.
In den folgenden Jahren entstanden weitere lyrische Werke: „Dichtung vom tiefinnern Sang“, „Erste Lieder“ und „Lieder“ sowie das Meisterwerk „Zigeuner-Romanzen“. Später folgten „Dichter in New York“, „Sechs galizische Lieder“, „Der Divan beim Tamarit“ und schließlich die „Klage um Ignacio Sanchez Mejias“, einen Freund, der als Toreador in der Arena gefallen war.
Seine überaus formsicheren Dramen sind ein Teil des Besten im modernen Theater. Sowohl für das internationale, wie für das deutsche Theater versänke gleichsam ein Kontinent, müßte man sich die Theaterwelt ohne Lorca vorstellen oder müßten wir auf seine Stücke verzichten.
Lorca war ein Mann des freien Volkstheaters. Mit Hilfe seines Freundes und Mentors de los Rios, Kultusminister in der republikanischen Periode ab 1931, erreichte Lorca eine Subvention für seine Idee eines reisenden Studententheaters, „La Barraca“, mit dem er einige Jahre lang in nordspanischen Provinzen vor den Landleuten die Klassiker Lope de Vega, Cervantes und Calderon aufführte.
Auch in den eigenen Dramen bildet er sein Volk ab, spürt er seines Volkes Seele, seine Heiterkeit und seine Tragödien auf, als wären es die in der eigenen Brust, und dies ist sein Ruhm.
Hauptthema seiner Stücke sind die Schicksale spanischer Mütter und Frauen, Hauptanliegen ihre Emanzipation im weitesten Sinne. Denken wir an sein erstes aufgeführtes Stück „Mariana Pineda“, denken wir an seine Bühnendichtungen „Yerma“, an „Dona Rosita bleibt ledig“, denken wir auch an „Bluthochzeit“, mit ihrer Verwobenheit mannigfaltigster weiblicher Geschicke, oder auch an „In seinem Garten liebt Don Perlimplin Belisa“, an „Die wundersame Schustersfrau“ und gar an das letzte vollendete Drama „Bernarda Albas Haus“.
Federico Garcia Lorca hat immer die Herzen des Volkes besessen. Der Arbeiter, der Bauer, für den er mit „La Barraca“ spielte, dem er seine Gedichte vortrug, ehe er sie in Druck gab, verstand ihn, weil Lorca sein Wesen erfaßte und künstlerische Gestalt werden ließ.
Deshalb ging Lorca auch, unangefochten von allen sich überschlagenden, sich versteigenden und sich wieder verlierenden literarischen Strömungen der zwanziger und dreißiger Jahre in Spanien, den geraden Weg: es war der Weg ins Volk, der Weg zur Heimat.
Garcia Lorcas Land versank, wie Italien zuvor und dann Deutschland, in der Nacht des Faschismus. Lorca weilte in Granada, als er von der blutigen Hand der Barbarei ergriffen wurde. Die Häscher Francos und seiner faschistischen Partei, der Falange, überlieferten ihn der hirn- und gnadenlosen Guardia Civil, der politischen Polizei, die ihn schließlich feige meuchelte.
Aber sein Name wurde zum Fanal der Freiheit. In den republikanischen Schützengräben des Bürgerkrieges, in den antifaschistischen Zentren des zweiten Weltkrieges lebte er. Er lebt in den Herzen der freien Spanier, und in den Köpfen der freiheitliebenden Menschen der ganzen Welt.

Rafael Alberti


König Alfons XIII., in dunkle Geschäfte im Zusammenhang mit dem marokkanischen Krieg verwickelt, wandte sich im Jahre 1923, aus Furcht vor den Folgen des damit verbundenen Prestigeverlustes beim spanischen Volk, an den General Miguel Primo de Rivera, um im Lande eine Militärdiktatur zu errichten.
Im selben Jahr schuf der damals noch fast unbekannte andalusische Dichter Federico Garcia Lorca, empört über diese politischen Machenschaften, das Drama „Mariana Pineda“.
Mariana Pineda, 1804 in Granada geboren, nahm an einer bewaffneten Verschwörung gegen den Absolutismus Fernandos VII. teil und wurde 1831 in ihrer Geburtsstadt standrechtlich erschossen. Eine Statue, in unmittelbarer Nähe von Garcia Lorcas Wohnsitz aufgestellt, ist ihrem Andenken gewidmet.
Garcia Lorea beendete das Schauspiel Anfang 1924 und 1927 fand im Goya-Theater von Barcelona die Uraufführung statt, Salvador Dali übernahm die Inszenierung, Hauptdarstellerin war die große spanische Schauspielerin Margarita Xirgu, die ihrer fortschrittlichen und republikanischen Haltung wegen noch in der Verbannung in Chile lebt.
Die sozialen Probleme, vor die sich Spanien 1831, im Todesjahr Mariana Pinedas, gestellt sah und die auch 1927, zur Zeit der Niederschrift des Schauspiels, noch auf der Tagesordnung standen, haben bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt, sondern sie haben sich im Gegenteil unter der Franco-Diktatur wesentlich verschärft. So ist Mariana Pineda, Opfer der absolutistischen Reaktion des 19. Jahrhunderts, der faschistischen Reaktion der Gegenwart noch immer suspekt: ist doch das Stück mit ihrem Namen das einzige dramatische Werk Garcia Lorcas, das in Spanien noch immrner verboten ist.

Jose M. Camps


Jose M. Camps, 1915 in Barcelona geboren, studierte Rechtswissenschaft, Philosophie und Literatur. Im spanischen Bürgerkrieg kämpfte er auf der Seite der Republik. Nach ihrer Niederlage wurde Camps von den Francotruppen verhaftet, ins Gefängnis von Burgos gebracht und bald darauf nach Barcelona überführt, wo ihn ein Kriegsgericht zum Tode verurteilte. Die Strafe wurde in zwanzig Jahre Zuchthaus umgewandelt, doch bereits nach vier Jahren wurde er begnadigt und entlassen.
Während seiner Haft hatte er begonnen Stücke und Romane zu schreiben. Hier legte er den Grundstein zu seiner späteren umfangreichen künstlerischen Arbeit.
Bis 1950 lebte Jose M. Camps in Spanien, emigrierte dann nach Mexiko und lebt zur Zeit in der Deutschen Demokratischen Republik.

Nuria Pares
Mariana Pineda: Christine van Santen
Isabella Clavela: Ruth Langer
Dona Angustias: Annelise Matschulat
Sor Carmen Borja: Senta Bonacker
Erste Novize: Hella Müller
Zweite Novize: Katrin Stephan
Don Pedro de Sotomayor: Eberhard Mellies
Fernando: Christian Stövesand
Pedrosa: Gerd Micheel
Alegrito : Ralph Borgward
Erster Verschworener: Hans Rohde
Zweiter Verschworener: Erhard Schmidt
Dritter Verschworener: Ralph Mey-Dahl
Vierter Verschworener: Kurt Wetzel
Richter: Jac Diehl

von Frederico Garcia Lorca
Übersetzung: Enrique Beck
Schallplatteneinrichtung: Hanns Anselm Perten
Mitarbeit: José M. Camps
Musik: Jürgen Mainka

Renate: Schunke, Sopran
Chor und Kinderchor
Dieter Rumstig, Gitarre
Immanuel Lucchesi, Alt-Flöte

Musikalische Leitung: Ehm Kurzweg
Regie-Assistent: Werner Schurbaum
Regie: Hanns Anselm Perten