terra incognita
eine Dokumentation

von Kuba
LP LITERA 8 60 097
Covertext:
Der 5. Juli 1964 war ein buchenswertes Datum in der Geschichte unseres sozialistischen Theaters. Im Volkstheater Rostock wurde zur Eröffnung der Ostseewoche 1964 Kubas dramatisches Poem „terra incognita“ einem internationalen Publikum vorgestellt, das mit echtem Interesse und lang anhaltendem Beifall der Dichtung seine Anerkennung zollte. Mit „terra incognita“ wurde zum ersten Mal der Versuch unternommen, den klassischen Traditionen unserer Nationalliteratur folgend, Probleme der Gegenwart mit der Sprache des Verses zu bewältigen. Die Größe des Gegenstandes, der Heroismus unserer Wissenschaftler, Ingenieure und Erdölarbeiter im Bund mit den sowjetischen Beratern, rechtfertigt nicht nur die künstlerische Überhöhung, sondern macht sie notwendig, wenn über das Zeitdokumentarische hinaus eine bleibende poetische Aussage geschaffen werden soll.
Kubas „terra incognita“ ist und bleibt ein umstrittenes Werk. Begeisterte Zustimmung durch ein fachkundiges oder interessiertes Publikum verhalf dem Werk zur verdienten Auszeichnung mit dem Nationalpreis 1964. Sicher hat es nicht an berechtigten und unberechtigten Einwänden gegen die Dichtung gefehlt. Kuba selbst erhebt mit diesem Poem nicht den Anspruch auf Endgültigkeit, aber er besaß als einer der ersten die Kühnheit, die den Dichter unserer Epoche auszeichnen muß, den alltäglichen Kampf aus der Gefahrenzone des Naturalismus zur poetischen Höhe des sozialistischen Realismus zu führen. Diese Schallplattenfassung vereint einerseits die wichtigsten Aussagen des Gesamtwerks und dokumentiert den Versuch, eine Raffung des auch für die Bühne überdimensionalen Werkes herbeizuführen (mehr als die Hälfte mußte für eine Bühnenfassung gestrichen werden), indem ein großer Teil der Geschichte durch den Bohrmeister Koller selbst erzählt wird. Diese Fassung unterscheidet sich also vom Urmanuskript, von der Buchausgabe und der Bühnenfassung. Sie ermöglicht auch in dieser verkürzten Form ein Verständnis der komplexen Handlungsvorgänge und ist bestrebt, die erregende Atmosphäre jener entscheidungsvollen Tage des ersten Erdölfundes in der Deutschen Demokratischen Republik als künstlerisches Dokument vielen zugänglich zu machen. Tausende Besucher in Rostock und bei den Gastspielen in Weimar und Magdeburg haben die Gültigkeit der von Kuba behandelten Fragen auch für ihren eigenen Arbeits- und Lebensbereich erkannt. Wenn in künftigen Jahren gefragt werden wird, wie unser Gesicht gewesen ist in den Tagen der großen Umwandlung, in der Zeit des sozialistischen Aufbaus, wird dieses Poem die Kraft der Wahrheit erneut beweisen.

Hanns Anselm Perten


Worin bestand das Heldentum der Arbeiter und Bauern
von Reinkenhagen in jenen zehn historischen Tagen im frostigen Frühling des Jahres 1961, als sie die Urgewalt Erdöl und Erdgas – die mit ihren 400 Atü auszubrechen drohte, besiegten, zähmten und dann für die Republik dienstbar machten? Mit ihnen sowjetische Spezialisten – Volkspolizisten – deutsche und sowjetische Wissenschaftler – Bohrtechniker – ein halbes Tausend freiwilliger Helfer.
Das Heldentum bestand darin, daß sie 10 Tage und 10 Nächte Schwerspat schaufelten. Andere standen mit Schläuchen bereit, den Bohrturm unter Wasser zu nehmen, falls es zur Eruption kommen sollte. Die dritten rechneten Zahlenkolonnen herauf und herunter. Mit 400 Atü drohte es aus der Tiefe. Wieviel Atü menschlichen Geistes und Muskelkraft die Katastrophe verhinderten, ist nicht berechenbar. Nicht berechenbar ist die Gewalt der Freude dieser Pioniere des Erdölfeldes, als sie die ersten gefüllten Kesselwagen zu den Leuna-Werken „Walter Ulbricht“ schickten mit der Aufschrift „Allen Zweiflern zum Trotz – das erste Erdöl aus der DDR“.
Denn Zweifler hatte es genug gegeben. „VEB Knallgas“ war nicht wenig belächelt worden. Es ist mehr als symbolisch, daß es ein sowjetischer Bohrarbeiter war, der den ersten Eimer voll Erdöl wie eine Trophäe in die Luft hob und den Schlußpunkt hinter zehn Jahre Mißerfolge und Zweifel setzte. Der Schlußpunkt hieß: Njeft. Zehn Jahre Mißerfolge und Zweifel waren aber auch die Ursache jener Irrtümer und Vernachlässigungen, welche die drohende Katastrophe heraufbeschworen. Während des Kampfes gegen die Naturgewalten kam es zwischen den Menschen, die mit gleichem Mut diese Gewalten Schulter an Schulter bekämpften und mit gleicher Liebe diese Gewalten hegten, zu scharfen Auseinandersetzungen. In diesen Auseinandersetzungen wurden einige wenige Diversanten entlarvt, durch welche die blutige Pranke der internationalen Erdölkonzerne sichtbar wurde. Diese Tatsache erhebt die Episode von Reinkenhagen aus einer lokalen in eine internationale Sphäre.
Die privaten Konflikte aber, konfrontiert mit dem Konflikt mit den Naturgewalten, die nur unter Hintansetzung der privaten Konflikte besiegt und erzogen werden konnten, erhebt diese privaten Auseinandersetzungen auf die gesellschaftliche Ebene.
Der Sieg über die Naturgewalten und deren Erziehung zum Nutzen der Gesellschaft bezeichnet den Sieg der Gesellschaft über individuelles Einzelgängertum, den Sieg vieler Einzelmenschen über die Reste der Kleinbürgerlichkeit in sich selbst.
Das ist der Inhalt des Dramas: „terra incognita“.
Große Reichtümer birgt die undurchforschte Erde größere Reichtümer birgt in sich der undurchforschte Mensch. Es bedarf der vergesellschafteten, der sozialistischen Hand, daß die Erde nicht dem Menschen und der Mensch nicht der Erde zum Verhängnis wird, sondern daß sich beide zu ihrem Glück ergänzen.
Die Erde durch ihre Fähigkeit, lebendige Kraft zu gebären – der Mensch durch seine Fähigkeit, lebendige Naturkraft zu zähmen, zu erziehen – indem er sie sich nutzbar macht, die Erde selbst vor der Zerstörung zu behüten.

Kuba
Dr. Rudolf Grebe – Abschnittsgeologe: Hans Rohde
Helga Stüwe – Abschnittsgeologin: Christine van Santen
Max Koller – Bohrmeister (Leiter des Bohrfeldes):  
Ralph Borgwardt
Wcssjl Juschin – Leiter der sowjetischen Expertengruppe:   Wilfried Kretschmer
Jury Ustinow – sowjetischer Bohrmeister: Dieter Unruh
Gerd Raspe – Schichtführer, Ein Arbeiter der 1. Schicht:  
Gerd Micheel
Jörn – Bohrarbeiter, Ein Arbeiter der 3. Schicht:  
Horst Ziethen
Murr – Bohrarbeiter: Peter Reuse
Zarge – Instrukteur des ZK der SED: Kurt Wetzel
Dr. Hülle – leitender Mitarbeiter der Staatlichen  
Geologischen Kommission beim Ministerrat der DDR:
  
Karl-Heinz Fischer
Schott – Oberleutnant der Feuerlöschpolizei: Ulrich Voß
Wittel – Abschnittsbevollmächtigter der Volkspolizei:  
Georg Lichtenstein
Dr. Ingeborg Saupe – Geologin (genannt „Rotary“):  
Ursula Figelius
Mahlzahn – von der Abteilung Bohrtechnik des Kombinates:   Armin Roder
Küsters – Hauptsicherheitsinspektor: Erhard Schmidt
Hannes Rogers – Vorsitzender der LPG:  
Manfred Remschel
Karin Rogers – seine Tochter (Lehrerin des Dorfes):  
Erika Solbrig
Ohle, Bürgermeisterin des Dorfes: Annelise Matschulat
Kragel – Melkermeister der LPG: Jac Diehl
Ein Sänger: Ernst Heise

von Kuba
Schallplatteneinrichtung: Hanns Anselm Perten

Musik: Wolfgang Bayer
Instrumentalgruppe und Chorgruppe
Leitung: Wolfgang Bayer
Regie: Hanns Anselm Perten