Unbesiegbares Vietnam
Dokumentarschauspiel

von Utpal Dutt
LP LITERA 8 60 117
Covertext:
Die Geschichte Vietnams ist eine Geschichte von Volkserhebungen gegen äußere und innere Feinde. Die ersten Kämpfe um nationale Unabhängigkeit fanden schon in den drei Jahrhunderten v. u. Z. statt. Ein Dutzend Erhebungen kennzeichnete das Ringen um nationale Selbständigkeit bis zum Jahre 939, als das chinesische Joch abgeschüttelt wurde.
Um 1860 gerät Vietnam im Zuge der Kolonialisierung unter französische Vorherrschaft. Lenins Feststellung, der Imperialismus führe „zu Annexionen, zur Steigerung der nationalen Unterdrückung und folglich auch zur Verstärkung des Widerstandes“, wird durch die jüngere vietnamesische Geschichte bestätigt.
Schon im vergangenen Jahrhundert lieferten vietnamesische Partisanenarmeen den französischen Kolonialisten verlustreiche Gefechte. Mit der nationalen Unterdrückung geht die soziale einher. Kennzeichnend dafür sind folgende Zahlen: 1931 wurde das Durchschnittseinkommen der arbeitenden Bevölkerung Indochinas pro Jahr/pro Kopf auf 710 Franken geschätzt, das eines Europäers in Indochina auf 50 000 Franken.
Da die vietnamesische Bourgeoisie sich im Unabhängigkeitskampf kaum auf das Volk stützte, sondern ihre eigenen ökonomisch-politischen Interessen vertrat, wurde das antikoloniale Ringen zunehmend zu einem Kampf der Arbeiter und Bauern des Landes um nationale und soziale Freiheit, unter Führung der am 6. 1. 1930 gegründeten KPV. Nach 1940, als die französische Kolonialverwaltung japanische Truppen ins Land ließ, richtete sich die Freiheitsbewegung des vietnamesischen Volkes zugleich gegen die japanischen Eindringlinge. Eine nationale Einheitsfrontbewegung führte am 6. Juni 1941 zur Gründung der Viet Minh, deren Programm vorsah: allgemeines Wahlrecht, Gleichberechtigung der Frau, Schutz nationaler Minderheiten, 8-Stundentag, allgemeine Schulpflicht u. a.
Die Viet Minh wurde damit zur Interessenvertreterin des überwiegenden Teils des vietnamesischen Volkes. Am 22. 12. 1944 erfolgte die offizielle Gründung der Volksbefreiungsarmee, die innerhalb weniger Monate 6 Provinzen befreite.
Nach der „Augustrevolution“ vom 19. 8. 1945 wurde am 2. 9. 1945 die Demokratische Republik Vietnam ausgerufen. Das Volk wählte Ho-chi-Minh zu seinem ersten Präsidenten. Die Kolonialzeit Vietnam war damit beendet.
Der jahrzehntelange heroische Kampf der vietnamesischen Arbeiter und Bauern trug Früchte. Die eingeleitete soziale Revolution brachte trotz schwierigster Bedingungen einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. In dieser Situation der politischen und sozialen Gesundung des Landes begann Frankreich seine Invasion. Ende 1945 standen bereits 50 000 französische Soldaten auf vietnamesischem Boden; der Krieg wurde zu zwei Dritteln von den USA finanziert. Trotzdem mußten die französischen Aggressoren eine Niederlage nach der anderen hinnehmen, bis die Franzosen Anfang 1951 die Kontrolle über Nordvietnam verloren hatten und schließlich im Frühjahr 1954 die Schlacht um Dien-Bien-Phu die endgültige Niederlage der Franzosen besiegelte. Jeder dritte Vietnamese war inzwischen Mitglied der Viet Minh. In allen Dörfern waren Dorfkomitees entstanden, die nicht nur Beweis der demokratischen Struktur der DRV waren, sondern zugleich der hohen Verteidigungskraft; denn jedes Dorf besaß seine eigene Selbstverteidigungseinheit. Das Genfer Abkommen (Juli 1954) sah die vorläufige Teilung des Landes in die DRV und das unter französischem Einfluß stehende Südvietnam vor. Durch Wahlen im Jahre 1956 sollten beide Landesteile wiedervereinigt werden. Da selbst amerikanische Experten einschätzten, daß mindestens 80% der Bevölkerung auf seiten Ho-chi-Minhs stand, wurden die Wahlen durch Ngo Dinh Diem und John Foster Dulles verhindert. Schon Ende 1954 hatten die USA die Ausbildung der südvietnamesischen Armee übernommen, wobei auch FBI und CIA ihren direkten Einfluß auf Südvietnam erweiterten.
Während in den folgenden Jahren in der DRV große Fortschritte in der Landwirtschaft erzielt wurden und die Industrialisierung mit Hilfe der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Bruderländer voranschritt, wurden in Südvietnam demokratische Maßnahmen wieder rückgängig gemacht, wie die Landreform der Viet Minh. Systematisch wurden die bürgerlichen Freiheiten eingeschränkt, Konzentrationslager, sogenannte strategische Dörfer, eingerichtet, und mit beispiellosem Terror wurde gegen die Landbevölkerung Wie auch gegen nationale Minderheiten vorgegangen.
Es war nur natürlich, daß sich das Volk Südvietnams, das Ho-chi-Minh als Befreier vom französischen Joch ansah und als rechtmäßigen Präsidenten Vietnams betrachtete, gegen die erneute Unterdrückung auflehnte. Wie schon beim Kampf gegen die französischen Kolonialherren, kämpfte auch jetzt das Volk überwiegend mit erbeuteten Waffen.
Im Dezember 1960 wurde die Nationale Befreiungsfront Südvietnams (FNL) gegründet, der verschiedene Parteien und Organisationen und breiteste Bevölkerungsschichten angehörten. Ihrem gerechten Kampf um nationale Unabhängigkeit begegneten die amerikanischen Interventen mit Napalm und Giftstoffen. Ein höherer Offizier im Stabe Westmorelands äußerte: „Die Vereinigten Staaten verteidigen in Südvietnam einen Staat, der nicht mehr existiert, und ein Volk, das gar nicht verteidigt werden will.“
Die vielfachen Niederlagen der Aggressoren und ihrer vietnamesischen Marionetten und die völlige politische und moralische Auflösung des südvietnamesischen Staatsgebildes versuchen die Amerikaner mit ständiger Eskalation ihres verbrecherischen Krieges aufzuhalten, den sie schließlich 1964 auch auf die DRV ausdehnten.
Johnsons schmutziger Krieg in Vietnam, seine uniformierte Mörderarmee sind indes kein Zeichen der Stärke: Sie sind Ausdruck der allgemeinen Krise des Imperialismus, der die antikolonialen Freiheitsbewegungen in aller Welt und die sozialen Eruptionen im eigenen Land nur noch durch blutigsten faschistischen Terror zu bekämpfen weiß, ohne jedoch die Fortschritte des Sozialismus und der nationalen Befreiungsbewegungen aufhalten zu können.

Manfred Haiduk


Utpal Dutt, indischer Schriftsteller, Leiter und Regisseur der „Little Theatre Group Calcutta“, eines unabhängigen, nicht subventionierten, progressiven Theaters.
Dutt schrieb für sein Ensemble bisher zwei Dramen:
„Kohle“ (es setzt sich mit dem sozialen Elend indischer Bergarbeiter auseinander)
und „Die Woge“ (Aufstand indischer Matrosen 1496 gegen die britischen Unterdrücker).
Dieses Werk erlebte bisher über 250 Aufführungen. „Unbesiegbares Vietnam“, 1966 entstanden, von Kuba ins Deutsche übersetzt und für das Volkstheater Rostock zur Uraufführung anläßlich des Welttheatertages 1967 bearbeitet, stützt sich auf dokumentarisches Material (bei der Schlacht von Ho Bo verloren die amerikanischen Aggressoren 2000 Mann).
Das Werk dieses indischen Schriftstellers, bearbeitet von einem Dichter der DDR und uraufgeführt von einem Theater der DDR, ist ein Symbol für die weltumspannende Solidarität aller verantwortungsbewußten Künstler mit dem heldenhaften Volk Vietnams.
Anthony Fitz Coulton – Generalleutnant: Hans Rohde
Albert E. Finney – Oberstleutnant: Armin Roder
Mark Wheeler – Oberstleutnant: Peter Bause
Colin S. Knight – Hauptmann: Ulrich Voss
Peter Kaufmann – Hauptmann: Siegfried Kellermann
Sergeant Trevor: Siegfried Jäckel
Ein Funker: Christian Stövesand
Tran Thi Lan Huu – in amerikanischen Diensten, Trac – Kommandeur: Erika Westphal
Dr. Van Vinh – Vorsitzender des Dorfkomitees von Ho Bo: Gerd Micheel
Nguyen Thi Mao – Krankenschwester: Hella Müller
Bui Thi Suu – Lehrerin: Katrin Stephan
Kim Xuyen – eine alte Bäuerin: Annelise Matschulat
Ihre Enkeltochter: Dagmar Lichtenstein
Thuan – Bauer und Mitglied der Volksmiliz von Ho Bo:  
Karl-Heinz Fischer
Tran Duong – Bauer und Mitglied der Volksmiliz von  
Ho Bo:
Horst Ziethen
Khien – Bauer und Mitglied der Volksmiliz von Ho Bo:  
Ralph Borgwardt
Duyet – Gruppenkommandeur: Eberhard Mellies
Muon – Gruppenkommandeur: Rolf Mey-Dahl
Sprecher Radio Hanoi: Frank Schenk
Sprecher Radio Saigon: Georg Lichtenstein

von Utpal Dutt
Deutsche Fassung: Kuba
Schallplatteneinrichtung: Hanns Anseim Perten
Wissenschaftliche Mitarbeit: Tran-Duc Hiep, Mario Jiménez, Obermedizinalrat Dr. Ernst Gustav Michelsen, Heinz Stobbe
Unter Verwendung von Liedern aus Südvietnam und Versen von Walt Whitman und Kuba
Hymne der Nationalen Befreiungsfront
Text und Musik: Huyn Minh Siêng

Gegen den Krieg
Text: Kuba
Musik: Andre Asriel

Wir danken der Ständigen Vertretung der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams in der Deutschen Demokratischen Republik für ihre Unterstützung.

Instrumentalgruppe Leitung: Dietmar Bellmann
Regie: Hanns Anselm Perten
Regieassistenz: Werner Schurbaum