Ungesagtes
Liebesgedichte

von Heinz Kahlau
LP LITERA 8 65 411
Covertext:
Über Heinz Kahlau im allgemeinen und diese Schallplatte im besonderen
Heinz Kahlau kann viel, ja, er kann eigentlich fast alles. Selbstverständlich kann er einen Stuhl reparieren oder eine Stehlampe konstruieren, herstellen und installieren. Er kann tapezieren, mauern, ein Auto, das nicht so will wie er, in Gang setzen oder einen Baum pflanzen. Ja, er könnte wohl auch ganz allein ein Haus bauen, (vielleicht hat er das sogar getan, ich weiß es nicht), wenn er nicht seine Zeit zum Schreiben brauchte. Denn das kann er natürlich auch. Er hat Theaterstücke und Filmszenarien geschrieben, er hat vorzügliche Nachdichtungen gemacht und sogar eine sehr originelle Verslehre verfaßt. (Hätten doch alle angehenden Dichter sie studiert – wieviel unnütze Arbeit wäre ihnen und etlichen Lektoren und Redakteuren erspart geblieben!) Vor allem aber gehört Heinz Kahlau zu der Handvoll bedeutender deutschsprachiger Lyriker unserer Gegenwart: er hat in den vergangenen rund drei Jahrzehnten Hunderte von Gedichten geschrieben und veröffentlicht – und darunter ist nichts, dessen er sich zu schämen hätte: fast alles hat seinen beständigen Wert bewiesen. So auch seine Liebesgedichte, die er 1972 unter dem Titel „Du“ erscheinen ließ. Etliche von ihnen sind auf dieser Schallplatte zu hören, gesprochen von ihm selbst auf eine Weise, die es jedem professionellen Rezitator schwer machen würde, daneben zu bestehen. Es geschieht da etwas ähnliches wie bei manchen Amateuren im Jazz, die – ohne es den Berufsmusikern gleichtun zu wollen oder zu können – soviel frische Unmittelbarkeit und individuelle Sinngebung einbringen, daß selbst scheinbare Schwächen unversehens zu Stärken werden. Heinz Kahlau zielt in seinen Liebesgedichten – ohne den Sinnen ihr natürliches Recht zu nehmen – vor allem auf den Sinn der Liebe, die für ihn im Grunde der Sinn des Lebens überhaupt ist. Und so wird nicht nur der Lebenspartner angesprochen, sondern ebenso das Kind oder die Welt, intimste Nähe ebenso wie kaum überblickbare Weite, denn „Liebe ist von allen unseren Möglichkeiten die menschlichste, sagt Kahlau. Und die wirksamste, möchte ich gern hinzusetzen.

Kahlaus Texte sind nicht leicht zu interpretieren – gerade deshalb, weil sie so einfach sind. Da kann man nichts aus- oder hineinlegen, ohne den Text zu beschädigen, aber man kann eine Menge herausholen – wenn man’s kann. Evelyn Heidenreich kann es und tut es dank ihrer Intelligenz und Erfahrung, die nicht mit glatter Routine verwechselt werden darf. Ganz offensichtlich sind Manierismen ihr fremd: bei allem Reichtum an Nuancen gibt sie im Grunde ganz sich selbst: es sind ihre Texte, ihre Lieder geworden. Dorthin hat ihr freilich die zwischen Konvention und Kühnheit sehr geschickt balancierende, einfühlsame Musik Rainer Gäblers den Weg geebnet; man spürt, daß Interpretin und Komponist sich sehr genau kennen. Hingewiesen sei schließlich auch auf die vielfältige Instrumentierung – nicht zuletzt dadurch erhält jedes Lied sein besonderes Gesicht, ja, seinen unverwechselbar einmaligen Charakter.

Übrigens – der Dialog Heidenreich/Kahlau „Ich liebe dich“, das ist schon sehr, sehr schön – intime Partnerschaft, deren Offenbarung nicht peinlich, sondern beglückend ist ... Diese Platte ist eine Kostbarkeit.

Jens Gerlach
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Ungesagtes
Zärtlichkeiten
Ermutigung
Vermischungen
Ich liebe dich
Relaisstation
Radfahren
Meine Hoffnung
Entstehung eines Kindes
Eines Tages kommt dein Kind
Für Christine
Zärtlichkeiten
Tagesbeginn
Bedingungen
Beieinandersitzen
Zuneigung
Selbstbewußtsein
Wohnungen
Wer bist du
Als was
Die Liebe
Die Spiegel
Deshalb
Mahnung an C
Verletzt
Begriffsbestimmung
Problem
Treue
Du gehst



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Siebzehneinhalb
Sprachlos
Wunsch
Ein Trost
Das andere Geschlecht
Die Dunhillballade
Der kluge Fischer
Der Selbstmörder
Frost
Bei einem Abschied
Gebet
Die Liebe muß sein
Meine Liebe
Ein blaues Glas
Die Liebe ist kein Zauberstab
Das Paar
Zärtlichkeiten


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Sprecher: Heinz Kahlau
Gesang, Sprecherin (Titel 5): Evelyn Heidenreich

Alle Texte von Heinz Kahlau
Titel 10 und 31: Nachdichtungen
Autor der französischen Originaltexte: Mannick
Die Verwendung aller gesprochenen Texte von Heinz Kahlau erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Aufbauverlages, Berlin und Weimar.

Kompositionen (Titel 10): Mannick
Kompositionen (Titel 31): Akepsimos
Alle anderen musikalischen Titel: Rainer Gäbler
Arrangements: Rainer Gäbler
Studioorchester, Leitung; Rainer Gäbler
mit B. Niedermayr, W. Döll, G. Riedel, U. Stetter, W. Weih, R. Gäbler, R. Markert, M. Samko, N. Förster, M. Pohl, G. Kubach, D. Keitel und H. Herzog

Tonregie: Karl Hans Rockstedt
Wortregie: Jürgen Schmidt
Schnitt: Rita Seddig