Volker Braun Abend 1
Gedichte und Lieder
LP LITERA 8 65 332
Covertext:
Ich, gemodelt aus vieler Geschlechter Stoff
Die ich in mir spüre, einer gemischten Gesellschaft Fortsatz
Mit gemischten Gefühlen harre ich meiner Entschlüsse.


Poesie – das ist für Volker Braun „Ein Vorhang zwischen Leuten“.
So unverschämt mitunter und immer mit großer Geste er sich geben kann in seinen Provokationen (wie oft anfangs) oder in seinen Fragen (wie zunehmend mit reifer werdender Zeit) – es bleibt Angebot, was wir hören, Erwägung, Vorschlag, sie werden unserer Entscheidung unterbreitet. Bestimmt aber ist die Richtung des Versuches, des Suchens und des Anstoßes. Diese Poesie ist auf der Suche nach dem schönen Leben, und sucht man eine Grundformel für dieses reichere Anliegen der Dichtung Volker Brauns, für die sie durchdringende soziale Idee, für den menschlichen Gehalt dieser Schönheit – Brüderlichkeit könnte ihr poetischer Name sein.
Lieblosigkeit, so heißt es in einem Stück Volker Brauns, ist unser Laster. Das reibt uns auf. Und: Emanzipierung müßte auch Erotisierung sein. Ein erstaunliches Wort! Ganz sinnlich ist die Idee, das Hochbild menschlichen Zusammenlebens, und es eint nicht zwei nur. Das erklärt, weshalb im Werk Volker Brauns große Gedichte der Liebe neben großen Gedichten des öffentlichen Lebens stehen, in seinen Stücken politische Szenen und Szenen nahen Beisammenseins bruchlos ineinandergehen, weshalb politische Vorgänge, Industriewelt als unser äußerer Leib mit den Vokabeln der Liebe gegeben werden können. In der Welt dieser Dichtung strebt alles dem Gleichen zu, „Bis doch zu eingeborenem Brauch / Wird, was uns guttut, und / Brust an Brust weitet sich so, dass sie aufsprengt diese eiserne / Scheu voreinander!“ Eine univer-Nähe, paradox gesagt, wird entworfen, und durchaus trägt sie erotische Züge. Keine geometrische Welt steigt da herauf, keine Menschen im Futteral, eher entspricht der für möglich gehaltenen Menschengemeinschaft das wilde Blühen, das, bildlich oder metaphorisch so oft im Dichten Volker Brauns aufbricht. Im Wuchern seiner gewaltigen Rede, in ihrer umfassenden Geste findet sich dies wieder.

Dieter Schlenstedt

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Der Lebenswandel Volker Brauns
Arno Wyznienki

Anspruch
Renate Richter

Bericht über die Erbauer der Stadt Hoywoy*
Ekkehard Schall

Die Augenblicke
Michael Gerber

Hingebung
Barbara Dittus

Italienische Nacht
Barbara Dittus, Christine Gloger, Michael Gerber, Holger Mahlich, Jaecki Schwarz

Die Austern
Holger Mahlich

Lied der Gleichen
Christine Gloger

Bratsker Geschichte
Barbara Dittus

Aussage des ungarischen Ingenieurs Lajos K. vor der Konfliktkommission
Jaecki Schwarz

Das Eigentliche
Jaecki Schwarz

Kontinuität
Barbara Dittus, Christine Gloger, Michael Gerber, Holger Mahlich, Renate Richter, Ekkehard Schall, Jaecki Schwarz, Arno Wyznienki

Lied von unten
Arno Wyznienki

Gedankenkinder-Mord
Holger Mahlich

Karl Marx
Ekkehard Schall


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So muß es sein
Jaecki Schwarz

Lustgarten, Preußen
Renate Richter

Die Industrie
Renate Richter

Was uns aufhält
Barbara Dittus

Irrtum vom Amt
Jaecki Schwarz

Banaler Vorfall
Arno Wyznienki

Die Stufen
Christine Gloger

Neuer Zweck der Armee Hadrians
Michael Gerber

Lied vom Kommunismus
Christine Gloger

Brecht, die Wahrheit einigt
Holger Mahlich

Zu Brecht, die Wahrheit einigt
Holger Mahlich

Vom Besteigen hoher Berge (nach Lenin)
Ekkehard Schall

Revolutionslied
Ekkehard Schall

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Kompositionen: Hans Dieter Hosalla
Karl-Heinz Nehring, Flügel
Leitung: Wolfgang Pintzka


Der Volker-Braun-Abend 1 „Gedichte und Lieder“ hatte am 11. Februar 1978 Premiere. Der Aufnahme liegt ein Mitschnitt der Aufführungen vom 9. und 10. Dezember 1980 zugrunde.
Künstlerische Aufnahmeleitung: Leni López
Tonregie: Karl Hans Rockstedt
Schnitt: Christa Blaumann

* Nach Gesangsnoten Brechts zur Ballade von den Abenteurern

Berliner Ensemble, Leitung: Manfred Wekwerth
Textrechte:
Volker Braun: Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig
Bertold Brecht: Brecht-Erben
Rückseitentext: Aus dem Vorwort „Im Querschnitt – Volker Braun“
Mitteldeutscher Verlag, Halle-Leipzig 1978