Von den Mühen, hinter die Wahrheit zu kommen

von Gotthold Ephraim Lessing
LP LITERA 8 65 263
Covertext:
Nichts gleicht seiner Wahrheitsliebe
Die deutsche Literatur kennt nur wenige Schriftsteller, deren Werke nicht nur in ihrer Zeit, sondern über Jahrhunderte hinaus zum empfindlichen Barometer von Fortschritt und Reaktion wurden. Und selten wurde ein Mensch so gehaßt und so geliebt wie der Dichter Gotthold Ephraim Lessing. Das Für und Wider, der Wechsel von Duldung und Verbot seiner Werke, der ihm das Leben oft bitter machte, überlebte seinen Tod und begleitete weiter die von ihm mit unbeugsamer Hartnäckigkeit angefachte Auseinandersetzung mit den Kräften einer abgestumpften, denkfaulen, menschenfeindlichen Orthodoxie. Wo Wahrheit und Menschenwürde beleidigt wurden, forderte sein Wort zum Widerstand auf. Und dort, wo Hoffnung war, gab es Anregung und Orientierung.
Heinrich Heine, der sich diesem unermüdlichen Streiter für die Wahrheit, dem „Johannes der Vernunftsreligion“, ein Leben lang verbunden fühlte, hat Lessings Haltung den Kämpfen seiner Zeit vielleicht am treffendsten beschrieben: „Er war die lebendige Kritik seiner Zeit und sein ganzes Leben war Polemik … Vor dem Lessingschen Schwerte zitterten alle. Kein Kopf war vor ihm sicher. Ja, manchen Schädel hat er sogar aus Übermut heruntergeschlagen, und dann war er dabei noch so boshaft, ihn vom Boden aufzuheben und dem Publikum zu zeigen, daß er inwendig hohl war. Wen sein Schwert nicht erreichen konnte, den tötete er mit den Pfeilen seines Witzes … Merkwürdig ist es, daß jener witzigste Mensch in Deutschland auch zugleich der ehrlichste war. Nichts gleicht seiner Wahrheitsliebe. Lessing machte der Lüge nicht die mindeste Konzession, selbst wenn er dadurch, in der gewöhnlichen Weise der Weltklugen, den Steg der Wahrheit befördern konnte. Er konnte alles für die Wahrheit tun, nur nicht lügen … Er war ein ganzer Mann, der, wenn er mit seiner Polemik das Alte zerstörend bekämpfte, auch zu gleicher Zeit selber etwas Neues und Besseres schuf.“
Oft, zu oft werden anfallende Jubiläen nur dazu benutzt, sich selbst zu bespiegeln; man bestätigt sich, indem man andere lobt. Aber über diesem Lob verliert sich manchmal gerade das, was eigentlich gelobt werden wollte oder sollte: die Leistung, der kleine Beitrag, den der, den wir würdigen, eingebracht hat oder vielleicht nur übernommen, bereichert und weitergereicht hat in dem Prozeß, den wir meinen, wenn wir von Menschheitsgeschichte sprechen.
Ein so umfassendes Werk geistiger, philosophischer und künstlerischer Auseinandersetzung will immer wieder neu gesichtet, entdeckt, erarbeitet werden. Und es ist sicher kein Zufall, daß gerade wir in der Begegnung mit Lessing soviel Verwandtes an Gedanken, Haltungen, Argumenten finden. Das gemeinsame Anliegen, diese Welt menschlicher zu machen, zu dem seiner Meinung nach auch dazu gehörte, daß „die bürgerliche Gesellschaft noch ganz aufgehoben werden müsse“, hat uns notwendig zusammengeführt. Es ist zugleich die gemeinsame Verantwortung dem Menschen gegenüber, der sich unsere sozialistische Gesellschaft besonders verpflichtet fühlt.
Die kurze Zeitspanne einer Schallplatte forderte Beschränkung und Konzentration bei der Auswahl der Texte. Eine solche Beschränkung bringt Vor- und Nachteile. Wir haben versucht, den Vorteil zu nutzen, indem wir uns darauf konzentrierten, einen Grundgedanken, der Leben und Werk Lessings wie ein goldener Faden durchwirkt zu verfolgen. Dabei ergab sich trotz oder gerade wegen der Verknappung des Materials eine deutliche Gliederung des Stoffes in drei Abschnitte: Der junge Lessing, der sich auf den mühevollen Weg macht, hinter die Wahrheit zu kommen; der reife Denker. der sich der Auseinandersetzung um die Wahrheit stellt; und schließlich der Autor der „Erziehung des Menschengeschlechts“ und des „Nathan“, der begreift, daß dazu ein einziges Leben nicht ausreicht.
Wenn das, was wir vortragen, den einen oder anderen dazu führt, einmal oder wieder einmal in Lessings Texten zu blättern, haben wir erreicht, was der Dichter in Erinnerung an seinen Freund Klopstock wünschte: „Wir wollen weniger erhoben und fleißiger gelesen sein.“

H. R.
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Eine Duplik

Erster Teil
Notwendige Erfahrungen auf dem Weg, die Wahrheit zu erkennen


Briefe
Berlin, 20. Januar 1749
Berlin, 30. Mai 1749
Berlin, 2. November 1 750
Berlin, 8. Februar 1751
Berlin, 16. Dezember 1758
Leipzig, 18. Dezember 1756
Hamburg, 9. Juni 1768
Wolfenbüttel, 27. Juli 1770
Wolfenbüttel, 20. November 1770
25. Januar 1759 (11. Literaturbrief)
1. Februar 1759 (13. Literaturbrief)
Breslau, 30. November 1763
Hamburg, 25. August 1769
Breslau, 13. Juni 1764

Die Sperlinge

Nathan der Weise II/5
Nathan: Wolfgang Heinz
Tempelherr: Dieter Mann

Zweiter Teil
Schwierigkeiten beim Verteidigen der Wahrheit


Gedanken über die Herrenhuter
An den Herrn Pastor Goeze in Hamburg
ANTI-GOEZE
Anti-Goeze VI
Anti-Goeze II
Anti-Goeze III
Anti-Goeze V
Anti-Goeze XI


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Das Testament Johannes, 1777
An Herrn Direktor Schumann; Hannover, 1778

Dritter Teil
Hoffnung auf eine menschenfreundliche Zeit


Erziehung des Menschengeschlechts § 85

Briefe
Wolfenbüttel, 9. Januar 1771
Wolfenbüttel, 6. Juni 1771
Wolfenbüttel, 23. Juli 1778
Wolfenbüttel, 9. August 1778
Wolfenbüttel, 11. August 1778
Wolfenbüttel, 6. September 1778

Nathan der Weise III/7 (Ringparabel)
Nathan: Wolfgang Heinz
Saladin: Jürgen Holtz

Berengarius Turonensis
Freimaurergespräche
Erziehung des Menschengeschlechts § 91

Sprecher: Christian Grashof, Fred Düren,
Wolfgang Heinz


von Gotthold Ephraim Lessing

Manuskript: Helga und Helmut Rabe
Tonregie Karl Hans Rockstedt
Regie: Helmut Rabe
Redaktion: Leni López

Die Texte sind jeweils Auszüge aus den autgeführten Titeln.
Die Szenen aus „Nathan der Weise“ sind eine Übernahme der Fernsehaufzeichnung der Inszenierung des Deutschen Theaters 1969