Von den Sterbenden. Von den Gestorbenen.
Von den Lebenden.

2. Brecht Abend mit Ekkehard Schall
LP LITERA 8 65 370
Covertext:
Eine Lieder- und Gedichtefolge, als Programm vorgesehen, kann bei mir entstehen, wenn ich neugierig auf einen Dichter bin, und das ist mir bei Brecht im Laufe der Jahre öfter vorgekommen. Die Lektüre muß wie ein erstes Kennenlernen sein. Verse, die man kennt, erschließen sich neu, bisher Überlesenes fällt als wichtig und schön auf, die Zeit, in der es entstanden ist, wird anders begriffen als beim letzten Lesen. Scheinbar hat sich der Dichter thematisch verändert, er gibt einem neue Aufgaben auf und scheint andere Lösungen oder auch nur Ermutigungen vorzuschlagen. So ging es mir auch bei der Zusammenstellung dieses Programms. In den Gedichten traten die Figuren und die Gedanken lebendig oder nur so scheinend auf, ganz abgestorben und als Gefahr oder bleibende Trauer dennoch vorhanden. Überraschend, aber selbstverständlich bestätigte die abgelaufene und erlebte Geschichte den Inhalten der Texte ihre Richtigkeit, und das wiederholt. Vorurteile konnten so zu Urteilen werden und Standpunkte sich festigen oder sicherer eingenommen werden. Sterbende äußern sich in der Nähe des Todes, ihn beschreibend und schon von ihm betroffen, Totes bleibt hartnäckig lebendig, auch notwendigerweise als Warnung vor einer Wiedergeburt, und die Lebenden sind von dieser Welt und keine Ideale.
Brecht schrieb:
Ich benötige keinen Grabstein, aber
Wenn ihr einen für mich benötigt
Wünschte ich, es stände darauf:
Er hat Vorschläge gemacht. Wir
Haben sie angenommen.
Durch eine solche Inschrift wären
Wir alle geehrt.
Vielleicht findet der eine oder andere einen Vorschlag beim Hören, der überrascht.

Ekkehard Schall
|  Seite 1  |

„Von den Sterbenden“

Lied der milden Empörer (1918)
Musik: Bertolt Brecht

Es lachen mein, die jünger sind (1951)

Stunde des großen Kotzens (um 1924/25)

Ballade von den Seeräubern (1918)
Musik: Bertolt Brecht

Du bist verstummt, Kamerad (um 1934)

Wir haben einen Fehler begangen (um 1933)

Unermüdlich lobt der Denkende (um 1931)

Keiner ging, weil er es wollte, aber … (1934)

Ballade von der Freundschaft (1920)
Musik: Hans-Dieter Hosalla

Adresse des sterbenden Dichters an die Jugend (um 1938)

An die Nachgeborenen (um 1938)
Musik: Hanns Eisler

Nicht wenn du deine Arbeit beendigt … (1933)

Der alte Mann im Frühling (um 1918)
Musik: Karl-Heinz Nehring

„Von den Gestorbenen“

Als ich einst im Flügelkleide (1918)

Der kleine Friederich besaß … (um 1921)
Musik: Karl-Heinz Nehring

Lied vom Kind, das sich nicht waschen wollte (1950)
Musik: Karl-Heinz Nehring

Vom ertrunkenen Mädchen (1919)
Musik: Kurt Weill

Das Fischweib (1939)
Musik: Paul Dessau


|  Seite 2  |

Bericht über den Tod eines Genossen (1931)
Musik: Hanns Eisler

Weil unser Bruder sein Blut mußt vergießen (um 1934)

Das Lied vom Weib des Nazisoldaten (um 1944)
Musik: Hanns Eisler

„Von den Lebenden“

Meine Mutter im Kalender hat verzeichnet den Tag (um 1925)

Baals Lied (1919)
Musik: Bertolt Brecht

Komm, Mädchen, laß dich stopfen (1919)

Das Mädchen mit dem Holzbein (um 1925)
Musik: Karl-Heinz Nehring

Mutter Beimlen (um 1925)
Musik: Hanns Eisler

Lala (um 1923)

Wahre Ballade von einem Weib (um 1920)

Gardinenpredigt (1920)

Über die Untreue der Weiber (um 1927)

Anna hält bei Paule Leichenwache (um 1925)

Das Lied vom Klassenfeind (um 1933)
Musik: Rudolf Lukowsky

Der deutsche Tiger sagte zum deutschen Kalb (um 1934)

Lied des Speichelleckers (1937)
Musik: Siegfried Matthus

Ich, der ich nichts mehr liebe (1929)

Wer aber ist die Partei? (1930)
Musik: Ralf Hoyer

Zu uns, wer gering ist (um 1950)

Das Lied vom Kelch (um 1924)
Musik: Hanns Eisler

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .


Gesang, Sprecher: Ekkehard Schall

Textrechte: Bertolt-Brecht-Erben
Klavier: Karl-Heinz Nehring
Künstlerische Beratung: Barbara Schall-Brecht

Tonregie: Karl Hans Rockstedt
Schnitt: Rita Seddig
Aufnahmeleitung: Leni Lopez