Was glaubt ihr denn, wenn nicht an euch ?
Von Dichtern unserer Tage an junge Leute
LP LITERA 8 65 190
Covertext:
Was Goethe in seiner Leidenschaft zum Gegenständlichen seinerzeit das Studium der Naturwissenschaften bedeutet hat, bedeutet für den Dichter von heute, wenn er nicht im Abstrakten verkommen will, das Studium der Gesellschaftswissenschaften, in deren Zeichen unserJahrhundert steht, wie das Goethe-Zeitalter im Zeichen der Naturwissenschaften stand.

Johannes R. Becher


Nach der Lektüre eines Gedichtes sagte Herr K: „Die Kandidaten für öffentliche Ämter durften in Rom, wenn sie auf dem Forum auftraten, keine Gewänder mit Taschen tragen, damit sie keine Bestechungsgelder nehmen konnten. So sollten die Lyriker keine langen Ärmel tragen, damit sie keine Verse aus ihnen schütteln können.“

Bertolt Brecht


Dichtung ist nicht die Frucht eines Schäferstündchens mit klassischen oder lebenden Musen; Dichtung ist die Frucht ernsthafter Arbeit.

Helmut Preißler


Viele Menschen schreiben Gedichte. Darin wandern die Wolken, wehen die Winde und weinen die Herzen. Im Winter werfen sie die Gedichte weg. Nur wer auch im Winter die Lebenslust des Frühlings und die Reife des Sommers aufs Papier bannen kann, wer aus winterstarren Ästen duftende Blüten zu schlagen vermag, der wird ein Dichter.

Erwin Strittmatter


Vollkommene Künstler haben mehr dem Unterricht als der Natur zu danken.

Johann Wolfgang Goethe


Der beschreibt richtig ein Stück Wirklichkeit, der schnell ihre wichtigsten Elemente erfaßt, den Extrakt dieser Wirklichkeit.

Anna Seghers


Die Gesetze der Entwicklung von Natur und Gesellschaft sind heute wie nie zuvor erkennbar. Wer die poetischen Gegenstände unserer Zeit entdecken will, muß die Entwicklungsgesetze erkennen.

Heinz Kahlau


Manche Lyriker wollen nichts bewirken, sondern durch die Schönheit ihrer Verse erfreuen, mit hübschen Nebensächlichkeiten unterhalten oder – im günstigsten Falle – die Gefühle ihrer Mitmenschen auf recht allgemeine Art erziehen. Das kann man sogar mit unterdurchschnittlicher Bildung; man benötigt dazu nicht mehr als die so gern zitierte „Bildung des Herzens“. Goethe meinte: „Der Geistlose hat gut rein sprechen, da er nichts zu sagen hat“

Helmut Preißler


Ein Gedicht verschlingt manchmal sehr wenig Arbeit und verträgt manchmal sehr viel.

Bertolt Brecht


Ich glaube, daß ein origineller Gedanke primär das ist, was ein Gedicht anziehend und wirksam macht. Dies hat das Gedicht mit der guten Prosa gemein. Neben der Forderung, daß etwas auf besondere Art gesagt werden soll, ist erst einmal die Forderung nötig, daß etwas Besonderes gesagt wird.
Selbstredend ist beim Gedicht das Wie nicht weniger wichtig als das Was. Durch seine Form unterscheidet sich das Gedicht von der Prosa. Bei jedem Gedicht muß die Form – auch wenn es freie Rhythmen sind – begründet, erkennbar und analysiert sein.

Helmut Preißler


Weitaus am wichtigsten ist die richtige Verwendung von Metaphern. Dies allein kann man von keinem anderen lernen, es ist ein Zeichen natürlicher Begabung; denn gute Metaphern erfinden, heißt einen guten Blick für Ähnlichkeiten haben.

Aristoteles


Dichten ist wie Radium gewinnen: Arbeit ein Jahr, Ertrag ein Gramm!

Wladimir Majakowski


Wenn aber an Stelle des intuitiven Tastens das Kennen und Erkennen tritt, muß eine wirkliche Begabung Kunstwerke schaffen können, die den objektiven poetischen Punkt festhalten, und zwar bewußt und nicht zufällig. Wobei durch diesen Prozeß eine Erweiterung des poetischen Bereichs gewonnen wird. Große Dichter, die ihrer Zeit weit vorauseilen, finden unter ihren Zeitgenossen oft wenig Verständnis für ihr poetisches Anliegen. Das hat einen einfachen Grund. Die Poesie eines Gedichtes von hoher Welterkenntnis wird nur von denen begriffen werden, die eine ähnlich hohe Welterkenntnis haben.

Heinz Kahlau


Das Schreiben von Versen, „ganz aus dem Gefühl“ ist eine Einbildung, es gibt das nicht. Sondern man bedarf der Form, der Sprache, der Verse, der Wortwahl, und dies alles vollzieht sich nicht „im Gefühl“, sondern im Verstand.

Hermann Hesse


Wie viele Ansichten über die Arten der Poesie es auch geben mag: Eine Poesie des Nihilismus gibt es nicht. Poesie hat immer mit Leben zu tun. Eine Poesie des Todes gibt es nur da, wo sie den Tod zugunsten des Lebens darstellt. Selbstverständlich gibt es eine starke, beachtliche Kunst, die unpoetisch ist. Die Kunst, die nur Klage und Schrei ist. Eine Darstellung, die gegen das Leben und gegen die Entwicklung gerichtet ist, kann nicht poetisch sein. Das Poetische hat etwas mit der großen, stillen Heiterkeit des wahren Optimismus zu tun.

Heinz Kahlau
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Volker Braun:
Prometheus
Dieter Mann

Uwe Gressmann:
An den Vogel Frühling
Sonja Kehler

Ernst Schumacher:
Seufzerleidchen für Nachgiebige
Komposition: Manfred Schmitz
Arrangement: Günter Hörig
Gesang: Sonja Kehler
Instrumentalgruppe Günter Hörig

Manfred Streubel:
Atlas X
Stefan Lisewski

Sarah Kirsch:
Schornsteinbauer
Dieter Mann

Wolfgang Tilgner:
Wortreiches Lob einer Stadt
Komposition: Tilo Medek
Gesang: Sonja Kehler
Instrumentalgruppe Tilo Medek

Dieter Schnappauf:
Ich und mein Hemd
Dieter Mann

Helmut Preißler:
Blüht dir eine Liebe
Komposition und Arrangement: Helge Jung
Gesang: Sonja Kehler
Instrumentalgruppe
Leitung: Helge Jung

Kristian Pech:
Sibirische Ahnentafel
Dieter Mann

Franz Fühmann:
Das Kind entdeckt den Garten
Sonja Kehler

Günther Deicke:
Blues
Komposition: Klaus Fehmel
(aus dem Musical „Was ihr wollt“)
Gesang: Sonja Kehler, Stefan Lisewski
Instrumentalgruppe Günter Hörig
Musikregie: Tilo Medek
Wortregie: Horst Liepach
Tonregie: Karl-Hans Rockstedt


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Volker Braun:
Arbeiter, Bauern
Dieter Mann

Heinz Czechowski:
Liebesgepräch
Sonja Kehler

Manfred Gerlach:
Vor den Fensterscheiben
Komposition: Tilo Medek
Gesang: Sonja Kehler
Werner Pauli, Gitarre

Volker Grillitsch:
und keiner weiss
Dieter Mann

Kristian Pech:
Exemplarischer Nachmittag mit H.
Stefan Lisewski

Georg Maurer:
Vor dem Küssen
Komposition: Tilo Medek
Gesang: Sonja Kehler
Werner Pauli, Gitarre

Johannes Bobrowski:
Das Wort Mensch
Stefan Lisewski

Volker Braun:
Glückliche Verschwörung
Dieter Mann

Heinz Kahlau:
Kleines Lied für dich
Komposition: Günter Hauk
Gesang: Stefan Lisewski
Instrumentalgruppe Günter Hörig

Louis Fürnberg:
Alt möcht ich werden
Dieter Mann

Heinz Kahlau:
Das Schönste
Sonja Kehler

Manfred Streubel:
Wie lange man gefälligst leben sollte
Komposition und Arrangement: Wolfgang Bayer
Gesang: Sonja Kehler, Stefan Lisewski
Instrumentalgruppe Günter Hörig