Wie der Stahl gehärtet wurde
Pawels Lehrjahre

nach dem Roman von Nikolai Ostrowski

LP LITERA 8 65 194
Covertext:
Das Bilddokument zeigt den Schriftsteller Nikolai Alexejewitsch Ostrowski Anfang der dreißiger Jahre. Er erlitt in den Interventionskriegen als Rotarmist – im Alter von 16 Jahren – schwere Verletzungen, deren Nachwirkungen später zu einer allmählichen Lähmung und Erblindung führten. Wir sehen ihn bei der Arbeit. Seine Frau liest aus dem Manuskript „Die Sturmgeborenen“, er diktiert seiner Sekretärin Korrekturen.

In seinem Roman „Wie der Stahl gehärtet wurde“ (1934 veröffentlicht) schildert Nikolai Ostrowski seine eigene Entwicklung. Die Hauptfigur, Pawel Kortschagin, trägt autobiographische Züge.
Pawel, jüngstes Kind einer Arbeiterfamilie, kann nur drei Jahre eine Grundschule besuchen. Als Zwölfjähriger arbeitet er schon als Geschirrwäscher und Heizer, etwas später findet er Arbeit im Elektrizitätswerk. Als 1918 eine Einheit der Roten Armee vor der erdrückenden Übermacht der Deutschen zurückweichen muß, läßt sie einen revolutionären Matrosen zur illegalen politischen Arbeit in der Stadt zurück, der vorübergehend im Elektrizitätswerk eingestellt wird. Dieser lernt Pawel als Elektromonteur an.
Der aufgeweckte Junge reift durch das persönliche Erlebnis der maßlosen Ausbeutung unter dem Einfluß des politisch gebildeten Matrosen und anderer organisierter Arbeiter sehr früh zum jungen Revolutionär heran. Fünfzehnjährig muß er aus seiner Heimatstadt, die von Petljura-Banden beherrscht wird, fliehen. Er schlägt sich zur Roten Armee durch. Als Budjonny-Reiter wird er schwer verwundet. Kaum genesen, arbeitet er beim Grenzschutz und als Komsomolfunktionär an den Brennpunkten des beginnenden, unerhört schweren sozialistischen Aufbaus, bis sein sich immer mehr verschlechternder Gesundheitszustand dem nunmehr Vierundzwanzigjährigen jede körperliche Arbeit unmöglich macht. Auch die erfahrensten Moskauer Spezialisten können ihm nicht helfen. Der Teillähmung folgt die Erblindung. Der verzweifelte Komsomolze schreibt an seinen Bruder Artjom: „Das Entsetzlichste jedoch ist, daß ich machtlos bin, mich dem entgegenzustellen. Kann es wohl eine schrecklichere Tragödie geben als die, daß ein Mensch einen verräterischen, den Dienst versagenden Körper mit dem Herz eines Kommunisten vereinigen muß, dessen Wille unaufhaltsam zur Arbeit drängt, zu Euch in die kämpfende Armee, die an allen Fronten angreift?“ (Zitat gekürzt)
Pawel setzt sich mit dem Problem des möglichen Selbstmordes auseinander: „Sollte er mit seinem Körper, der ihn im Stich gelassen hatte, ein Ende machen? Eine Kugel ins Herz – und Schluß! Wer wird den Kämpfer verurteilen, der nicht dahinvegetieren will? – Nein. Das ist phrasenhaftes Heldentum. Sich niederknallen, das kann jeder. Das ist der feigeste und leichteste Ausweg. Stecke den Revolver weg und erzähle niemand ein Wort darüber! Versuche, auch dann zu leben, wenn das Leben unerträglich wird. Verstehe, dieses Leben nützlich zu gestalten.“ (Zitat gekürzt)
Pawel beginnt zu schreiben, wobei unendliche Schwierigkeiten zu überwinden sind. Der Erblindete schreibt zunächst mit Hilfe einer Zeilenschablone. Seine mangelhafte Schulbildung macht sich bemerkbar. Er hat große Mühe mit der Orthographie, der Grammatik und dem schriftlichen Ausdruck. Aber mit Energie und Zähigkeit überwindet er alle Hindernisse. Er findet vielfältige Unterstützung von Genossen, die bald sein ungewöhnliches Erzählertalent entdecken. Aus der Fülle seiner Lebensbeobachtungen und Kampferfahrungen schöpft er das Material für zwei Romane und eine Reihe anderer Schriften. Seine Bücher, besonders „Wie der Stahl gehärtet wurde“, begeistern Hunderttausende junger Menschen.
Pawel Kortschagin = Nikolai Ostrowski hat einen neuen Kampfplatz in der vordersten Front der Revolutionäre gefunden.

Nach der Befreiung vom Faschismus durch die Sowjetarmee war „Wie der Stahl gehärtet wurde“ eines der ersten Bücher, das in der damaligen sowjetischen Besatzungszone erschien (1947). Seine Wirkung besonders auf die damals junge Generation, die in einer Welt materieller und geistiger Trümmer einen neuen Lebensinhalt suchte, war ungeheuer. Ein Satz prägte sich besonders ins Gedächtnis: „Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur ein einziges Mal gegeben, und nutzen soll man es so, daß einen die Schande einer niederträchtigen und kleinlichen Vergangenheit nicht brennt, und daß man sterbend sagen kann: Mein ganzes Leben, meine ganze Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt, dem Kampf um die Befreiung der Menschheit gewidmet.“

Seither hat das Buch nichts von seiner Bedeutung verloren. Seine Kenntnis gehört heute zur Allgemeinbildung des jungen Sozialisten; und wer von den Älteren das Buch erneut zur Hand nimmt, entdeckt bald, wieviel er ihm bei der ersten Lektüre schuldig geblieben ist.
Die heutige junge Generation steht vor Entwicklungsfragen, die sich dem Anschein nach von denen Kortschagins oder auch von denen des Jahres 1947 erheblich unterscheiden. Aber der Unterschied liegt nur in den äußeren Lebensumständen, denn die ethischen Probleme, mit denen sich Pawel auseinandersetzte, sind ihrem Wesen nach Probleme, die von jedem jungen Menschen, der sich selbst achtet und seinen Platz in der Gesellschaft sucht, gelöst werden müssen.

Ein Wort in eigener Sache: Eine Schallplatte kann aus dem umfangreichen Roman nur Auszüge wiedergeben. Die Bearbeitung mußte also weglassen und verknappen und konnte große wertvolle Teile des Romans überhaupt nicht berücksichtigen. Wir entschieden uns für eine zusammenhängende Wiedergabe des in sich geschlossenen ersten Teiles des Romans, der mit Pawels erzwungener Flucht aus der Heimatstadt endet. So erklärt sich der Untertitel „Pawels Lehrjahre“ Bei weitgehender Beibehaltung des Originaltextes wurde eine Form angestrebt, die den Wirkungsmöglichkeiten des Mediums Schallplatte (im Unterschied zum Buch) gerecht wird. Die Schallplatte kann die Wirkung des Gelesenen vertiefen, sie soll zur Lektüre des ganzen Romans anregen.

Das Kollektiv der Mitwirkenden widmet diese Arbeit den X. Weltfestspielen 1973 in Berlin.

Jürgen Schmidt
Erzähler: Norbert Christian
Pawel Kortschagin: Siegfried Höchst
Artjom, Pawels Bruder: Jürgen Kluckert
Pawels Mutter: Elfriede Florin
Tonja Tumanowa: Karin Ugowski
Fjodor Shuchrai: Dieter Franke
Pope: Otto Balschun
Frossja: Karin Freiberg
Prochor: Horst Manz
ältere Wäscherin: Hanna Rieger
Klimka: Michael Kann
ein Junge: Peter Lange
Viktor Leschtschinski: Andreas Scheinert
Sucharko: Ulrich Engelmann
Christina: Ursula Staack
Oberst: Christian Stövesand
Friseur: Lothar Förster
Dolinnik: Max Baganz
Greis: Richard Rau

nach dem Roman von Nikolai Ostrowski
Für die Schallplatte eingerichtet von Jürgen Schmidt

Musik: Hans-Joachim Geisthardt
Mitglieder des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters Berlin
Leitung: Hans-Joachim Geisthardt

Regie: Andreas Scheinert
Tonregie: Karl Hans Rockstedt