Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen

nach Brüder Grimm
Single LITERA 5 60 088
Covertext:
Guten Tag, liebe Mädel und Jungen! Heute habe ich Euch etwas ganz Besonderes mitgebracht: Es ist die Geschichte „Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen“. Was sagt Ihr? ihr fürchtet Euch nie? Na, seid Ihr da auch ganz ehrlich? Wie ist es denn, wenn Ihr in den Keller gehen müßt oder abends ganz allein in der Wohnung seid, wenn die Eltern mal ins Kino gegangen sind oder wenn es beim Einschlafen im Kleiderschrank knackt? Was denn, auch dann fürchtet Ihr Euch nicht? Ja, da kann man nichts machen, und ehrlich gesagt, ich finde das auch prima! Daß es keine Gespenster oder andere Ungeheuer gibt, das wissen ja schon die Kleinsten unter Euch, nicht wahr? Also, wollen wir uns heute zum Spaß ein bißchen gruseln, und wenn einem von Euch vielleicht doch eine Gänsehaut den Rücken herunter laufen sollte, dann braucht er es sich ja nicht anmerken zu lassen! Einverstanden

Aber bevor Ihr Euch die Schallplatte anhört, wollen wir zuerst einmal einen Sprung ganz, ganz weit zurück machen! Vor vielen hundert Jahren, als es noch keine Bücher, kein Radio und kein Fernsehen gab, wollten die Menschen ja abends auch ihre Unterhaltung haben, und so saßen sie denn nach der Arbeit zusammen und erzählten die alten Sagen und Märchen. Der Kienspan knisterte und warf unheimliche Schatten, die wie Gespenster aussahen, der Hund jaulte, denn es war gerade Vollmond, und die Augen der Katze funkelten in der dunklen Ecke. Und da die Menschen zu dieser Zeit noch sehr abergläubisch waren und Angst vor allem Unheimlichen hatten, da könnt Ihr Euch vorstellen, daß auch dem Mutigsten ein Schauer über den Rücken lief. Doch später, als es dann Bücher und Theater gab, da gerieten die Märchen und Sagen immer mehr in Vergessenheit. Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm erkannten, daß hier etwas sehr Schönes und Wertvolles verloren gehen würde, und sie beschlossen daher, durch das Land zu reisen und alles aufzuschreiben, was sich das Volk noch erzählte, um es uns zu erhalten. Ein ganz besonderes Glück war es, als sie auf ihrer Reise in dem Dorf Niederzwehrn bei Kassel eine Bäuerin kennenlernten, die ihnen viele der wunderschönen Märchen erzählen konnte. Das war die „alte Marie“. Später begegneten die Brüder der Frau Viehmännin, einer rüstigen Frau mit hellen, scharfen Augen und viel Humor, die ihre zweite Märchenfrau wurde. Als sie nun genug zusammengetragen hatten, gaben sie in den Jahren 1812 bis 1815 ihre Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ heraus. Zauber-, Schwank- und Tiermärchen sind darin zu finden, Lügengeschichten, Gleichniserzählungen und Legenden In allen diesen Geschichten geht es um den Kampf von Gut und Böse, und das gesunde Gefühl des Volkes für Gerechtigkeit zeigt sich darin, daß am Ende immer das Gute das Böse besiegt. Und wenn Ihr jetzt die Schallpiatte auflegt, dann rate ich Euch, macht das Licht aus, damit die Stimmung so recht geheimnisvoll wird und dann gruselt Euch ruhig ein bißchen mit dem Jungen, der auszog, das Fürchten zu lernen!

Genia Möbius-Lapuhs
Hans: Dietmar Richter-Reinick
Vater: Norbert Christian
Küster: Robert Assmann
Küstersfrau: Genia Lapuhs
Fährmann: Heinz Bonacker
Wirt, Riese: Heinz Hartmann
König: Horst Preusker
Vetter: Walter Lendrich
Katzen: Genia Lapuhs, Hannelore Erle,
Heidemarie Hottewitzsch

Erzählerin: Ruth Peter

nach Brüder Grimm
Für die Schallplatte bearbeitet von Andreas Bauer
und Ulrich Rabow

Regie : Werner Schurbaum