Schwejk VIII

von Jaroslav Hasek
Single LITERA 5 60 019
Covertext:
Schwejk, der Brave
Wenige Jahre vor dem ersten Weltkrieg nahm der Prager Gymnasiast Jaroslav Hasek an einer Demonstration gegen die Habsburger teil. Er wurde von der Schule gejagt und begann sein erwachsenes Leben so unstet wie es sich fortsetzte. Häufig wechselte er Arbeitsstellen und Gewohnheiten – bis auf eine: er begleitete während seines kurzen Lebens eigene und fremde Unternehmungen mit ausdauernder Spottlust. (1894–1923) Seine politische und literarische Entwicklung ging einher mit Haseks Neigung, Witze zu reißen. Aber das waren bissige Witze.

Diese schonungslose Entlarvung der herrschenden Klasse wird noch heute von einem Großteil der bürgerlichen Literaturkritik als skurrile Alfanzerei eines ewig besoffenen Bohemiens dargestellt.

Es gab Zeiten, zu denen sich Hasek, von der opportunistischen rechten Führung der Sozialdemokratie abgestoßen, in Anarchismus und Alkohol austobte.

Er wuchs im kleinbürgerlichen Milieu auf und hatte einen weiten Weg zurückzulegen, bis er zwischen 1917 und 1920 als Kommissar in der Roten Armee der jungen Sowjetmacht dienen konnte. Unter dem Eindruck der großen sozialistischen Oktoberrevolution änderte er auch seine früheren Aufzeichnungen über den „braven Soldaten Schwejk“ (aus den Jahren 1911–1916).

Von diesem Schwejk hat Julius Fucik einmal gesagt: „Schwejk Ist der Typ eines Mannes aus Prag ohne große politische Erfahrung, nicht wie andere durch die Arbeit In der Fabrik im Kampf gegen den Kapitalismus geschult. aber mit dem Bewußtsein im Blut, daß ,etwas faul ist im Staate Dänemarks‘ und daß es unmöglich noch lange so weiter gehen kann.“

Zunächst verteidigt dieser Mann aus dem Volk wenig mehr als seine eigenen Interessen und führt mit dem Mittel der passiven Resistenz einen Kleinkrieg gegen die österreichische Bürokratie. Bald aber bekommt sein Mutterwitz deutlicher erkannte Ziele. Er nimmt aktiv teil an der Zerstörung der reaktionären Macht des k. u. k. Doppeladlers. Die Parallele zu dem Schicksal der Gestalt findet sich bei der Betrachtung von Haseks eigenem Lebensweg. Der getretene Redakteur kapitalhöriger Journale im Machtbereich der Habsburger Zensur wird zum Mitarbeiter, Mitstreiter der „Rude Pravo“, des Zentralorgans der kommunistischen Partei der CSR. Aus Schwejk, dem genial-blöden Hundeverkäufer der Prager Vorstädte, wird ein gefährlicher Feind der herrschenden Militärkaste, der ebenso gerissen wie unermüdlich Stein um Steinchen aus dem Gemäuer der schwarz-gelben Monarchie bricht.

Überall auf der Welt hat „Schwejk“ Freunde gefunden und sie nehmen seine Derbheit gern In Kauf. Hasek hat die allzu Empfindlichen so apostrophiert:
„Zu umschreiben und zu punktieren halte ich für die dümmste Verstellung. Es wurde einmal richtig gesagt, daß ein guterzogener Mensch alles lesen kann.“

Als Jaroslav Hasek 1923 starb, war Hitlers Reaktivierung der finstersten Tendenzen des deutsch-österreichischen Militarismus erst eben auf dem Wege.

Heute, fünfunddreißig Jahre, später, sind die „Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ angesichts der neuerlichen Zusammenrottung der deutschen Imperialisten, leider, immer noch aktuell.

Hans Michael Richter
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Schwejk und Oberleutnant Lukasch


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Schwejk und Oberleutnant Lukasch ziehen in den Weltkrieg

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Leser: Franz Kutschera